Im Dezember 2022 verlieh die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V. erstmalig den Klima-Sonderpreis. Erhalten hat ihn die Westrup-Koch Milch GbR aus Bissendorf im Landkreis Osnabrück. Die Milchpraxis-Redaktion führte ein Gespräch mit einem Gesellschafter des Betriebes, dem Landwirt Ulrich Westrup.

Milchpraxis: Warum hat Ihr Betrieb den Klima-Sonderpreis erhalten, Herr Westrup?
Westrup: Mit 668 g CO2-Äquivalent pro kg Milch haben wir im Branchenvergleich einen sehr niedrigen CO2-Fußabdruck. Der niedersächsische Vergleichswert liegt bei 965 g/kg Milch. Wir achten auf eine sehr gute Grundfutterqualität, haben u.a. auch dadurch eine sehr gute Milchleistung (im Durchschnitt 13.000 kg Milch/Laktation) und können von einem fast geschlossenen Kreislauf sprechen, da die Gülle der Laufställe direkt in unsere Biogasanlage eingespeist wird. Zusammen mit unserern Photovoltaikanlagen produzieren wir so regenerativen Strom für 1.500 Haushalte.
Milchpraxis: Was haben Sie aus dem Agrarklima-Check für die zukünftige Ausrichtung gelernt?
Westrup: Wir haben durch die Fragen die verschiedenen Emittenten kennen gelernt. Dazu gehört auch die Nachzucht, deren Anzahl über eine verlängerte Zwischenkalbezeit reduziert werden kann. Züchterisch hoffen wir mit dem Zuchtwert für die Persistenz, den wir dringend erwarten, bestimmte Linien auswählen zu können, die dafür gut geeignet sind. Des Weiteren möchten wir noch sicherer in unserer Grundfutterqualität werden. Die Maissilage von 2022 zeigt es uns jetzt in der Fütterung, dass wir den richtigen Zeitpunkt der Ernte verpasst haben. Hier erhoffen wir uns, mit digitalen Technologien wie Satellitenbildauswertungen und Drohnenaufnahmen noch mehr Unterstützung in der Planung des Erntezeitpunktes zu bekommen.
Milchpraxis: Es hört sich so an, als ob der Klimacheck ein fester Bestandteil Ihrer Betriebsführung wird?
Westrup: Auf jeden Fall! Ich kann nur jedem Landwirt empfehlen, diese Zeit zu investieren. Die Tabellen sind relativ einfach auszufüllen und die möglichen Maßnahmen, die sich daraus ergeben, machen sich auch oft deutlich wirtschaftlich positiv bemerkbar. Die Molkereien entlohnen es zwar (noch) nicht, aber viele Maßnahmen an sich wirken schon wirtschaftlich. Zudem halte ich es auch für einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag, den ich als Milchviehhalter leisten kann und gerne tue.
Mehr Infos zum Klimapreis und Agrarklima-Check
Der Agrar-Klimacheck ist ein Treibhausgasbilanzierungs-Tool für Milchviehbetriebe. Das Tool basiert auf dem von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen entwickeltem TEKLa-Tool (Treibhausgas-Kalkulator-Landwirtschaft)
und ermittelt die Treibhausgasbilanz pro kg Milch. Die Berechnungen sind auf Basis des Berechnungsstandard für einzelbetriebliche Klimabilanzen (BEK) wissenschaftlich validiert. Weitere Informationen finden Sie hier!






























