Biosicherheit ist ein Konzept, das zum Ziel hat, den Eintrag von Krankheitserregern auf landwirtschaftlichen Betrieben zu vermeiden und die Verschleppung innerhalb eines Betriebs zu verhindern. Es ist gelungen, bestimmte Tierseuchen, wie zum Beispiel BHV-1, in Deutschland auszurotten. Das hat wichtige handelsrechtliche Erleichterungen zur Folge. Leider zeigen Einzelfälle, dass neue Infektionen möglich sind. Diese sind unter anderem auch durch mangelnde Biosicherheitsmaßnahmen zu erklären. Das hat bereits für den einzelnen Landwirt erhebliche Folgen, kann aber darüber hinaus die gesamte Branche durch Handelsbeschränkungen beeinträchtigen. Mit individuell zugeschnittenen Biosicherheitskonzepten können Sie viel zum Gesunderhalt des einzelnen Bestandes und des Milchviehbestandes im gesamten Land beitragen. Eine wichtige Informationsquelle für Rinderhalter dazu ist der „Leitfaden Biosicherheit in Rinderhaltungen“, 2. Auflage, 2016.
Warum Biosicherheit?
Maßnahmen der Biosicherheit sollen
- die Tiergesundheit schützen und das Tierwohl erhöhen,
- den Verbraucher schützen, indem unbedenkliche Lebensmittel produziert werden,
- die Gesundheit des Landwirts und seiner Mitarbeiter gewährleisten – insbesondere beim
- Schutz vor Zoonosen, wie zum Beispiel Kälberflechte oder auch Q-Fieber,
- die Wirtschaftlichkeit der Produktion sichern,
- gesetzliche Anforderungen erfüllen.
Ist man als Landwirt verpflichtet, Biosicherheitsmaßnahmen auf seinem Betrieb einzurichten?
Das Tiergesundheitsgesetz begründet in § 3 die allgemeine Pflicht des Tierhalters, zur Vorbeugung von Tierseuchen Sorge zu tragen, dass diese weder in seinen Bestand eingeschleppt werden noch aus seinem Bestand verschleppt werden. Das neue europäische Tiergesundheitsrecht betont die Wichtigkeit von Biosicherheitsmaßnahmen erneut.
Tiergesundheitsmanagement als Basis von Biosicherheit
Das Tiergesundheitsmanagement führt der Landwirt mit weiteren Fachkräften, wie zum Beispiel seinem Hoftierarzt, durch. Ziel ist es, möglichst früh Erkrankungen zu erkennen und die Ausbreitung von Infektionskrankheiten im Bestand zu stoppen.
Als Basis für ein Tiergesundheitsmanagement ist eine tägliche Tierkontrolle im Stall durchzuführen sowie eine regelmäßige Erfassung und Auswertung von produktionsbiologischen Daten, wie z. B. Abgangszahlen, Fruchtbarkeitskennzahlen. Auch Sensortechnologien können eine wichtige Rolle beim Tiergesundheitsmanagement spielen. Die integrierte tierärztliche Bestandsbetreuung (ITB) oder auch die Milchleistungsprüfung sind Kontrollmaßnahmen, die einen neutralen objektiven Blick von außen auf einen Betrieb ermöglichen und ein wichtiges Frühwarnsystem sein können. Prophylaktische Maßnahmen, wie zum Beispiel Impfungen, können den Eintritt von Krankheitserregern verhindern. Auch bestandsspezifische Vakzine können in Zusammenarbeit mit dem Hoftierarzt eine Option sein, um Infektionen zu stoppen.
Konzept Biosicherheit
Man unterscheidet bei Maßnahmen der Biosicherheit zwischen der
- äußeren Absicherung, damit der Eintrag von außen durch externe Arbeitskräfte, Besucher oder auch Schadnager verhindert wird, und der
- inneren Absicherung, die verhindern soll, dass Erreger zwischen einzelnen Stallabteilungen weitergetragen werden.


Welche Infektionswege gibt es für Krankheitserreger?
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Infektionswegen. Der häufigste Infektionsweg ist der direkte Kontakt von Tier zu Tier, wo der Erreger z. B. durch die Atemluft oder auch über ein Sekret übertragen wird. Bei der indirekten Übertragung gibt es einen Überträger, der die Krankheitserreger transportiert. Der kann entweder belebt (z. B. Personen, Wildtiere) oder unbelebt sein (Fahrzeuge, Instrumente oder Gerätschaften).

Die zweithäufigste Ursache für die Übertragung von Krankheitserregern sind Personen- und Fahrzeugkontakte. Bei zoonotischen Erkrankungen können Personen den Erreger nicht nur übertragen, sondern auch selbst erkranken. Maßnahmen der Biosicherheit schützen in solchen Fällen Tier und Mensch.
Maßnahmen der Biosicherheit in den Bereichen Personal, Tiermanagement, Fahrzeugverkehr sowie Schadnager- und Fliegenbekämpfung
Personal




- Einwegmaterialien wie z. B. Überzieher für externes Personal bereithalten.
Tiermanagement





Weidegang. Hier regelmäßig Weidezäune kontrollieren.
- Zukauf – so wenig wie möglich, gezielt, mit Ankaufsuntersuchungen und
Quarantäne. - Tiergruppen getrennt voneinander halten bzw. das Rein-Raus-Prinzip mit
Zwischendesinfektion und Leerstand wählen. - Auf eine gute Abkalbehygiene achten – hier besteht eine besonders große
Gefahr für die Mitarbeiter bei Zoonosen wie zum Beispiel Q-Fieber.
Fahrzeugverkehr
- Arbeitswege so planen, dass sich Futter-, Trieb- und Entmistungswege nicht kreuzen.
- Fahrzeugverkehr möglichst gering halten – feste Fahrtrouten für Anlieferungen und Ablieferungen mit externem Personal festlegen.
- Einrichtungen zur Reinigung und Zwischendesinfektion von Fahrzeugen anbieten
Schadnager- und Fliegenbekämpfung
- Nager wie Mäuse und Ratten können Überträger von Viren und Bakterien im Rinderstall sein. Halten Sie die Populationen möglichst klein durch Hygienemaßnahmen, ein geringes Futterangebot und strategische Bekämpfungsmaßnahmen.
- Auch Fluginsekten können Überträger von Krankheitserregern sein (z. B. Gnitzen als Überträger des Blauzungenvirus). Eine strategische Fliegenbekämpfung am Tier und im Stall müssen Sie in bestimmten Regionen gut planen.
Maßnahmen der Biosicherheit in diesen vier Bereichen schützen Tier und Mensch vor Erkrankungen. Alle Mitarbeiter eines Betriebes sollten sich bemühen, sie umzusetzen – auch zum eigenen Schutz!
Ein weiterer wichtiger Baustein zur Vorbeugung von Erkrankungen sind Bestandsimpfungen sowie ein positives Umfeld für die Tiere zu schaffen.





































