Die Bovine Virusdiarrhoe (BVD)

BVD-MD (Abkürzung für Bovine Virusdiarrhoe-Mucosal Disease) ist eine weltweit auftretende Viruserkrankung der Rinder. In den meisten Ländern der Welt tritt das Virus endemisch auf. Während die ersten Beschreibungen der durch BVD-Viren verursachten Symptome das Magen-Darm-System betrafen (daher auch der Name), stellte man im Laufe der Zeit fest, dass das Virus auch Störungen in anderen Organsystemen verursacht. Insbesondere das Fortpflanzungssystem ist hiervon betroffen.

Eine Infektion äußert sich bei trächtigen Tieren in Aborten oder Missbildungen und kann zur Entstehung von Dauervirusausscheidern (sogenannten PI-Tieren) führen. Das Virus kann aber auch Atemwegserkrankungen hervorrufen. Die Verluste, die durch die Infektion verursacht werden können, liegen pro Kuh einer Herde zwischen 25 und über 400 € [1]. BVD gehört in Deutschland zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen und wird seit 2011 bundesweit einheitlich bekämpft.


Symptome

Es werden zwei Arten von BVD-Viren beschrieben: BVDV-1 und BVDV-2. Diese unterschiedlichen Arten, mit etlichen Subtypen, verursachen unterschiedliche Krankheitsverläufe.

Petechien Maulschleimhaut
Frühabort
Blutungen in der Lidbindehaut (BVD 2)
Entzündung der Mundschleimhaut
Starker Durchfall
Kümmerer

Schleichender Verlauf (häufig auftretend)

1. Infektion von tragenden Kühen

Auswirkungen auf das ungeborene Kalb

  • abhängig vom Trächtigkeitsstadium, in dem die Infektion der Mutter erfolgt
  • frühe Trächtigkeit (bis ca. 40. Trächtigkeitstag): Fruchttod – erneute Brunst
  • ca. 40. – 120. Trächtigkeitstag: Entstehung von PI-Tieren (Persistent Infizierte Tiere). Diese Tiere tragen das Virus lebenslang in sich und scheiden es auch dementsprechend lebenslang aus. Bei der Geburt sind die PI-Tiere meist unauffällig.
  • ca. 100. – 150. Trächtigkeitstag: Geburt von Kälbern mit Augen- und/oder Gehirnmissbildungen nach normaler Tragezeit
  • Aborte bei Infektionen bis ca. 200. Trächtigkeitstag immer möglich
  • bei Infektion nach dem 120. Trächtigkeitstag steigende Wahrscheinlichkeit, dass gesunde Kälber geboren werden
  • Anteil an toten oder lebensschwach geborenen Kälbern auch bei Infektion in späten Trächtigkeitsstadien erhöht

2. Weitere Entwicklung der PI- Tiere

  • entweder von Anfang an Kümmerer
  • oder ganz normale Entwicklung

3. Übrige Tiere (auch die tragenden selbst)

  • leichtes Fieber
  • deutliche Schwächung des Immunsystems- erhöhte Anfälligkeit für Infektionen mit anderen Erregern, sogenannte Sekundärinfektionen (verstärktes Auftreten von heftigen Durchfallerkrankungen bei Jungtieren, Wegbereiter für Rindergrippeerreger)
  • Milchrückgang
  • wird bei erwachsenen Tieren meist nicht erkannt (unspezifische Symptome, Tiere erholen sich nach einigen Tagen von selbst)

Akuter schwerer Verlauf (selten auftretend)

1. Infektion tragender Tiere

  • Aborte und Missbildungen

2. Übrige Tiere

  • hohes Fieber
  • nicht behandelbare Lungenentzündungen
  • blutiger Durchfall
  • Schleimhautentzündungen und -blutungen
  • Entzündungen im Zwischenklauenspalt, Blauverfärbung der Haut am Fuß
  • massive Hautblutungen aus Injektionsstellen, Insektenstichen, später auch spontan
  • im weiteren Verlauf: Folgeerkrankungen aufgrund massiver Schwächung des Immunsystems
  • hohe Tierverluste bis zu ca. 60% [2]
  • Jungtiere nach überstandener Erkrankung: Kümmerer

Infektionswege

  • Verbreitung hauptsächlich durch PI-Tiere, da diese das Virus in großen Mengen hauptsächlich durch den Kot ausscheiden
  • Dieser infizierte Kot kann dann einfach durch Personen und Maschinen/Geräte verschleppt werden
  • Akut erkrankte Tiere scheiden Virusmengen über alle Körperflüssigkeiten aus und das Virus kann dann auch dementsprechend verschleppt werden
  • Aufgrund dieser Infektionswege sind Biosicherheitsmaßnahmen ein wichtiger Teil der Bekämpfungsstrategie
Tiertransporte stellen ein Übertragungsrisiko dar.

Diagnostik

Grundsätzlich gibt es zwei Nachweismöglichkeiten für eine stattgefundene BVD- Infektion:

  1. Direkter Nachweis von Virus oder seinen Anteilen (Antigen)
  2. Indirekter Nachweis der vom Tier gebildeten Antikörper gegen das Virus:
    • Tier hat BVD- Infektion durchgemacht und sein Immunsystem hat darauf reagiert, keine Aussage ob noch Virusausscheidung
    • Antikörper sind im Blut gelegentlich noch mehrere Jahre nachweisbar
    • PI-Tiere bilden niemals Antikörper: Infektionszeitpunkt vor Ausbildung des Immunsystems, BVD-Virus von der Körperabwehr als „zum Tier gehörend“ angesehen, daher keine Bekämpfung, also auch keine Antikörperbildung gegen den Erreger

Momentan müssen alle neugeborenen Kälber durch die Untersuchung der Hautstanzprobe, die beim Einziehen der Ohrmarke gewonnen wird, auf das Vorliegen von BVD-Viren getestet werden. Diese Proben müssen bis zum 20. Lebenstag genommen werden. Das Untersuchungsergebnis wird im Bestandsregister wie auch bei HI-Tier vermerkt. Positiv getestete Tiere müssen sofort gemerzt werden.


Bekämpfung: Wie sehen die gesetzlichen Maßnahmen zur BVD-Bekämpfung aus?

Nach dem Tierseuchengesetz ist eine BVD-Infektion in Deutschland seit 2004 anzeigepflichtig. Seit 2011 gelten die Maßnahmen, die in der „Verordnung zum Schutz der Rinder vor einer Infektion mit dem Bovinen Virusdiarrhoe Virus“ festgelegt worden ist. Seit 2021 wird diese Erkrankung auch auf EU-Ebene geregelt. Die BVD-seuchenspezifischen Regelungen finden sich in der Delegierten Verordnung (EU) 2020/6894. Es ist in den seuchenfreien Regionen festgelegt:

  • Impfverbot (bisher ist eine Unterscheidung von Impf-Antikörpern und natürlichen Antikörpern noch nicht möglich)
  • Verbringungsverbot von Tieren eines erkrankten Bestandes
  • Wiedererlangung des Status seuchenfrei durch verschiedene Maßnahmen wie Merzung und Testung
Ohrstanze

Prophylaxe: Was kann ich tun, um meinen Bestand vor einem BVD-Einbruch zu schützen?

Die wichtigsten Maßnahmen zur Verhinderung einer BVD-Infektion sind

  • die kontinuierliche Überwachung,
  • die Identifizierung und Entfernung aller PI-Tiere
  • sowie die Anwendung von Biosicherheitsmaßnahmen wie geregelter Personenverkehr, Betriebskleidung, Reinigung und Desinfektionsmaßnahmen etc.

Bilder Text basierend auf einem Beitrag von Esther von Lom, aktualisiert durch Kristin Resch (2023)


Literatur:

[1] Carmann et al., Journal of Veterinary Diagnostic Investigation 1998; Houe, Biologicals 2003
[2] T. Homeier, Vortrag DVG Vet-Kongress 2013