Bovines Coronavirus und Atemwegsinfektionen?

Das Coronavirus würde man beim Rind eher in die Schublade „Kälberdurchfall“ stecken. Doch was weitgehend unbekannt ist, BCoV können beim Rind auch bei Atemwegserkrankungen eine Rolle spielen. Dies wurde bei der Routinediagnostik bisher kaum erfasst, und wonach man nicht sucht, das findet man nicht. Inzwischen etablieren jedoch immer mehr Labore geeignete Corona-Tests.

Das Bovine Coronavirus kommt in den meisten Rinderherden vor und wird schon bei den jüngsten Kälbern im Atemtrakt nachgewiesen. Seit einigen Jahren beschäftigen sich immer mehr Wissenschaftler mit dem Zusammenhang von Vorkommen und Beteiligung des Coronavirus an einer Atemwegserkrankung.

Neben den Durchfallerkrankungen gehört die Rindergrippe zu den häufigsten Erkrankungen und Ursachen für Todesfälle bei Aufzuchtkälbern in Milchviehbetrieben. Rasant fortschreitende Infektionen der Atemwege können schnell auf den ganzen Bestand übergreifen und zu hohen wirtschaftlichen Verlusten führen. Die Langzeitfolgen äußern sich z.B. in herabgesetzter Milchproduktion und Fortpflanzungsleistung sowie schlechterem Wachstum und verkürzter Lebensdauer.

Als Faktorenkrankheit kann es viele Ursachen geben, belebte und unbelebte. Zahlreiche Viren und Bakterien sind allgemein bekannt. Dazu zählen bakterielle Erreger wie Mannheimia haemolytica und Pasteurella multocida, aber auch virale Krankheitskeime mit den Bezeichnungen BRSV und PI-3.

Auf dem letzten Weltrinderkongress in Madrid (2022) wurden neue Studien vorgestellt, bei der die Daten von 45 Milchviehbetrieben aus verschiedenen europäischen Ländern ausgewertet wurden. In 60% der Betriebe konnte das Bovine Coronavirus im Atmungstrakt nachgewiesen werden. Von klinischen Symptomen wie Husten, Nasenausfluss, Fieber, Appetitlosigkeit und Lungenentzündungen waren v.a. Kälber im Alter von 2 Wochen bis 6 Monate (in ¾ der Fälle bis zum Alter von 3 Monaten) betroffen.

Häufigkeit des Nachweises von Krankheitserregern der Atemwege in den untersuchten Rindergrippe-Ausbrüchen (Nachweis durch PCR). Quelle: Geert Hoflack, Maude Lebrun, Geert Vertenten, Bart Sustronck: Pathogen-specific prevalence and pathogen associations during outbreaks of Bovine Respiratory Disease in calves in Flanders.; Poster session WBC Madrid 2022; https://www.msd-animal-health-ruminants.com

Bovine Coronaviren werden in den nächsten Jahren zunehmend im Fokus stehen, sowohl bei der Diagnostik als auch bei der Suche nach präventiven Lösungen.

Hintergrundinformation:

• Seit einigen Jahren zeigen Studien, dass das Bovine Coronavirus (BCoV) auch an der Entstehung von Atemwegsinfektionen beim Rind beteiligt ist.

• Die häufigsten nachgewiesenen Erreger (Lungenspülproben, Nasentupfer) bei erkrankten Tieren sind Pasteurella multocida, Mannheimia haemolytica, BRSV, PI3V und BCoV2.

• Bovines Coronavirus ist in europäischen Milchviehherden sowohl im Magen-Darm- als auch im Atemtrakt weit verbreitet1.

• Bovines Coronavirus schädigt nachweislich die Schleimhaut des Atemtraktes und schafft so eine Eintrittspforte für andere Keime.

Pressemeldung der MSD Tiergesundheit