Das Haus Düsse war beim diesjährigen Cattle Camp Tagungsort und faszinierte mit seinen vielen Innovationen und Plänen alle teilnehmenden Tierärzt:innen. Hier konnte zum Beispiel die Kuhtoilette live in Aktion erlebt werden. Das Prinzip der Kuhtoilette ist einfach: Der im Urin enthaltene Harnstoff wird normalerweise in Ammoniak und Kohlendioxid aufgespalten, und zwar durch das Enzym Urease. Da Urease aber nur im Kot der Tiere vorkommt, gilt es, Kot und Urin zu trennen – dies macht erfolgreich die Kuhtoilette. Andreas Pelzer, Leiter des Sachbereichs Rinderhaltung, konnte überzeugend berichten, dass die Kuhtoilette gut von der Testherde angenommen wird und damit die Emissionen eines Stalls deutlich gesenkt werden können. Mit großem Interesse begutachteten die rund 60 Teilnehmenden auch die neuen Stallbaupläne für das Haus Düsse. So wird hier derzeit der sogenannte „Kompromissstall“ gebaut, der einen Kompromiss zwischen den Konzepten eines Ökonomie-, Ökologie- und Tierwohlstalls schließen soll. Mehr Informationen hierzu finden Sie bei der Landwirtschaftskammer.

Die Vorkonferenz am Donnerstag schulte Tierärzt:innen in fünf Seminaren in vielen praktischen Themen wie der Fruchtbarkeit, der Fütterung (jeweils für Anfänger und Fortgeschrittene), der Klauenoperation, aber auch im Praxismanagement und der Kommunikation.
Der Freitag bestand aus einer Mischung aus Vorträgen und Seminaren. So berichtete Prof. Dirk Werling vom Royal Veterinary College in London von neuen Erkentnissen in der Wirkungsweise von Impfstoffen, die Hoffnung machen, dass Impfstoffe noch besser und länger wirken. Wichtig war ihm die Bedeutung des Darmmikrobioms hervorzuheben. Und so verwundern auch nicht Forschungsergebnisse, die eine geminderte Wirkung von Impfungen bei Kälbern verzeichnen, die zuvor mit einem Antibiotikum behandelt wurden. Interessant sind hier ebenfalls die Forschungen zu Hefezusätzen und ähnlichem, die die Immunantwort stärken können. Eine weitere Möglichkeit den Antiobiotikaverbrauch zu reduzieren, könnte der Einsatz von Bakteriophagen sein. Dieser schon lang bekannte Therapieansatz beruht auf Viren, die in Bakterien eindringen und zerstören. Phagen können ebenfalls zur Diagnose eingesetzt werden. Besonders bahnbrechende Meldungen hierzu sind aus der Humanmedizin bekannt, da Phagen bei bakteriellen Infektionen helfen können, wo Antibiotika aufgrund von Multiresistenzen versagen. In der Tiermedizin sind Bakteriophagen jedoch bisher nicht zugelassen.
Am Samstag stand der Vormittag im Zeichen von Vorträgen.So stellten Vertreter der Molkerei Arla ihr Nachhaltigkeitsprogramm vor. Sie erläuterten, wie das Klimacheck-Programm für die Milchviehbetriebe abläuft. Ziel sei in erster Linie die Einsparung von Emissionen der Arla-Milcherzeuger. Im Fokus habe Arla dabei aber auch, die integrierte Bestandsbetreuung durch die Tierärzt:innen auf den Höfen weiter voranzubringen und Verbesserungen in der Biosicherheit zu fokussieren. Um das zu erreichen, ist für Arla die Stärkung der Beziehung zwischen Tierärtz:innen und Landwirt:innen einer der Schlüssel.

Nachmittags ging es mit den Workshops weiter, in denen die Tieräzt:innen wertvolle Praxistipps mit auf den Weg bekamen. Im Silage-Workshop zeigte Dr. Hansjörg Nussbaum bspw. sehr anschaulich, welche Arten von Fehlgärungen bei Gras- und Maissilage auftreten können, wie diese entstehen und am schnellsten zu identifizieren sind. In erster Linie könne man sich hier auf seine Sinne verlassen – wenn Fehlgärungen nicht direkt sichtbar seien, reiche meistens eine Riechprobe, um minderwertige Qualität festzustellen. Um die Temperatur im Silostock zu messen, reicht ein einfaches Bratenthermometer aus. Durch den Händedruck kann der Trockenmasse-Gehalt ganz einfach bestimmt werden: Tritt bei Grassilage schon bei einem leichten Händedruck viel Saft aus, lässt das auf einen TM-Gehalt unter 20% schließen. Falls kein Saft austritt, die Hände aber nass werden, kann man von 30% TM ausgehen. Auf einen TM-Gehalt von über 45% kann man schließen, wenn die Hände vollständig trocken bleiben. Hilfreiche Checklisten dazu finden Sie hier.
Auch im nächsten Jahr findet das Cattle Camp wieder in Triesdorf statt. Wir informieren Sie rechtzeitig über unsere Kanäle.
































