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D3-Milch: Mehr Licht im Stall

Milchviehhalter Armin Högenauer hält 80 Milchkühe in einem Außenklimastall im Landkreis Landsberg am Lech. Das Besondere an seiner Milch ist der hohe Vitamin D3-Gehalt, der durch eine spezielle Lichttechnik entsteht. Wir haben mit dem Landwirt und Pionier über das Konzept der D3-Milch gesprochen.


Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 1/2022 der Milchpraxis.


Das besondere Lichtspektrum ahmt das Sonnenlicht nach. So wird an 365 Tagen im Jahr der Sommer im Stall simuliert.

Milchpraxis: Herr Högenauer, Sie sind Milchviehhalter im Nebenerwerb und haben die D3-Milch ins Leben gerufen. Wie und wann kam es zu dieser Idee?

Armin Högenauer: Als 2015/16 der Milchpreis gefallen ist, habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie ich meine Milch selbst bzw. über andere Absatzkanäle rentabler vermarkten könnte. Dabei bin ich nach längeren Recherchen im Internet auf die Fa. Milchkristalle gestoßen, die damals schon ein Patent für die Produktion von Melatoninhaltiger Milch hatte und diese auch vermarktete. Ich bin an die Firma herangetreten und beschloss nach einigen Gesprächen, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Seit der Herstellung der Melatonin-haltigen Milch haben wir gemerkt, dass man unter Lichteinfluss wertvolle Inhaltsstoffe in der Milch steigern kann. Es hat aber noch Jahre gedauert, bis wir hinter das Geheimnis des hohen Vitamin D-Gehalts in der Milch und das dazugehörige technische Konzept sowie die notwendige Analytik gekommen sind.

Milchpraxis: Was genau steckt hinter der D3-Milch?

Armin Högenauer: Letztendlich ahmen wir einfach nur die Natur nach. Wir bringen sozusagen die Sonne in den Stall und das an 365 Tagen im Jahr. Dies geschieht mit einer speziell für diese Anwendung entwickelte Leuchte, die das Farbspektrum der Sonne emittiert. Die Kühe bilden wie wir Menschen das Vitamin D und geben es geschützt in der Milch an uns weiter. Mit diesem Verfahren ist es uns gelungen, den Gehalt der laut Bundeslebensmittelschlüssel bei 0,1 Mikrogramm in herkömmlicher Milch liegt, um das 20-fache zu steigern.

Milchpraxis: Wie läuft das Lichtkonzept ab?

Armin Högenauer: In unserem Stall sind 15 Lampen über den Liegeboxen verbaut. Diese schalten sich automatisch um 6:00 Uhr morgens ein und um 21:00 Uhr abends wieder aus. Von 22:00 Uhr bis 6:00 Uhr ist der Stall komplett dunkel. Das heißt, wir bilden hier einen schönen Sommertag nach und unterstützen damit auch den Biorhythmus der Tiere.

Milchpraxis: Können andere interessierte Landwirte sich ebenfalls diese Lichttechnik anschaffen und in den D3- Markt einsteigen?

Armin Högenauer: Die Idee der patentierten Vitamin D3-Milch ist recht einfach. Man muss bis auf die Installation der Technologie am Produktionsprozess nichts verändern. Das gilt für alle Landwirte – egal ob groß oder klein, biologisch oder konventionell. Und es gilt vor allem für die Molkereien selbst. Der Vorteil liegt im Patent der Lichttechnik. Diese Milch ist nicht austauschbar und daher können Parameter in der Wertschöpfungskette von den Akteuren nicht einfach ausgehebelt werden, wie das derzeit z. B. im Biobereich passiert. Wir arbeiten daran, dass sich die Milch im Markt etabliert und sobald wir hier zuverlässige Abnahmen garantieren können, könnten auch andere Landwirte einsteigen. Direktvermarkter könnten bereits jetzt diese Milch im Eigenvertrieb produzieren. Aber wir laden auch jeden Landwirt ein, die Idee an die eigene Molkerei heranzutragen.

Milchpraxis: Welche Investitionskosten wären damit verbunden? Verändern sich durch die speziellen Leuchten die Stromkosten?

Armin Högenauer: Bei einer Stallgröße von 80 Liegeboxen und 20 Leuchten beträgt die Investition zwischen 3.500 bis 8.000 Euro. Die Stromkosten fallen bei mir im Monat um die 200 Euro höher aus.

Milchpraxis: Wie lange dauert der Umstellungsprozess, bis sich mehr Vitamin D3 in der Milch anreichert?

Armin Högenauer: Die Umstellung dauert je nach Fettgehalt der Milch in der Herde ca. drei bis sechs Monate. Der zu erreichende Vitamin D-Gehalt ist im Wesentlichen an den Fettgehalt in der Milch gebunden. Denn mehr als die Hälfte des enthaltenen Vitamin D3 ist in Milchfett gebunden.

Armin Högenauer möchte mit der D3-Milch die Wertschöpfung für Milchviehhalter erhöhen und dem Verbraucher ein höherwertiges Produkt bieten. Fotos: Milchkristalle GmbH

Milchpraxis: Welche Effekte hat das Licht auf die Tiergesundheit?

Armin Högenauer: Tatsächlich lag der Fokus zunächst auf dem Vitamin D-Gehalt in der Milch. Unser Ziel war es, ein natür- liches Lebensmittel mit einem hohen Vitamin D-Gehalt zu produzieren, um einen Beitrag zur Vitamin D-Versorgung hier in Deutschland zu leisten. In diesem Zusammenhang haben wir uns sehr viel mit Vitamin D auseinandergesetzt. Dass Vitamin D nachweislich für viele Körperfunktionen wichtig ist, zeigt ja allein schon die Tatsache, dass wir dieses Gesundheitsversprechen auf die Verpackung schreiben dürfen. Diese so genannten Health Claims sind durch die EFSA (Europäische Lebensmittel Sicherheitsbehörde) sehr streng geregelt.

Bisher können wir die Auswirkungen einer guten Vitamin-D-Versorgung nur anhand unserer eigenen Beobachtungen bestätigen: Es hat positive Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit, die Non Return Rate liegt bei 60 bis 70 % und das bei 100 %-Einsatz von gesextem Sperma. Außerdem stelle ich positive Veränderungen beim Wohlbefinden der Herde fest, die Tiere sind ruhiger und ausgeglichener.

Wir beobachten weiterhin besseres Nachgeburtsverhalten, der Medikamenteneinsatz ist geringer geworden und wir haben seitdem weniger Euterentzündungen zu verzeichnen.

Milchpraxis: Wo ist die D3-Milch derzeit erhältlich? Welche Vertriebswege fahren bzw. planen Sie?

Armin Högenauer: Derzeit ist die Vitamin D3-Milch in unserem Onlineshop (www.ddrei-milch.de/shop) erhältlich. Wir sprechen gerade mit einigen Lebensmittelunternehmen und hoffen, im nächsten Jahr auch dort verfügbar zu sein.

Milchpraxis: Wie viel Cent bekommen Produzenten für das Kilogramm Milch? Wie viele Landwirte produzieren die D3-Milch schon?

Armin Högenauer: Der angestrebte Ausgleich in der Wertschöpfungskette liegt bei einer Steigerung um ca. 50 % basierend auf konventionell produzierter Milch. Derzeit produzieren drei Betriebe die D3-Milch. Zwei davon liefern direkt an uns, der andere vertreibt die Milch über Direktvermarktung.

Milchpraxis: Was erhoffen Sie sich durch den Mehrwert der Milch?

Armin Högenauer: Wir halten das Patent für zukunftsweisend, denn angesichts der sich verschärfenden Wettbewerbssituation und dem Rückgang von familiengeführten Milchviehbetrieben ist ein Umdenken in der Landwirtschaft notwendig.

Unser WiN3-Konzept sieht vor, dass Kon- sumenten ein Lebensmittel bekommen, das einen Beitrag zu ihrer natürlichen Vitamin-D-Versorgung leistet. Das bezieht sich im Übrigen auch auf alle naturbelassenen Folgeprodukte wie Käse, Joghurt, Sahne etc. Dafür bezahlt der Konsument etwas mehr. Dieser Mehrerlös kommt den Tieren zugute, denn an die Patentnutzung sind auch am Tierwohl orientierte Haltebedingungen gekoppelt. Und natürlich muss die Arbeit des Landwirts entlohnt werden, da er ja letztendlich dafür sorgt, dass die Weiterentwicklung des Betriebs den Tieren zugutekommt.

Die D3-Milch enthält 20-Mal mehr Vitamin D3 als herkömmliche Milch.

Milchpraxis: Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Armin Högenauer: Wir sind derzeit mit der Vermarktung der Vitamin-D3-Milch beschäftigt. Sobald diese im Markt angekommen ist, werden wir uns mit dem Thema „Nachtmilch“ beschäftigen. Dabei geht es darum, in der Nacht zu melken, da nachts der Melatoningehalt in der Milch höher ist.

Milchpraxis: Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Vanessa Aufmkolk, Redaktion Milchpraxis.