Ohne einen entsprechenden Oberflächenschutz wird der Beton im Fressbereich eines Futtertisches über die Jahre zunehmend uneben und unhygienisch. Ursächlich hierfür sind in erster Linie organische Säuren aus Futtermitteln, die in der Milchviehfütterung eingesetzt werden. Mit welchen Möglichkeiten Sie dem begegnen können, erfahren Sie hier.
Einen hohen Anteil an Säuren haben Silagen, aber auch Säuren oder Säuremischungen, die den Mischrationen z. B. zur Stabilisierung bei warmen Außentemperaturen zugegeben werden, können den Futtertisch zusätzlich beanspruchen. Säuren bewirken, dass die Kalkbestandteile aus dem Beton gelöst und so mit der Zeit abgetragen werden. Dies ist selbst bei sogenanntem säurebeständigem Beton der Fall, da auch dieser, wenn auch in reduziertem Anteil, Kalk enthält. Hinzu kommen mechanische Beanspruchungen durch Geräte und die Zunge der Tiere sowie deren Speichel. Die Folge sind offenporige Oberflächen, die rau und schlecht zu reinigen sind, wodurch Hygiene und Futteraufnahme leiden.
Ziel: Ebene, hygienische und leicht zu reinigende Oberfläche
Sind beim Neubau keine Schutzmaßnahmen ergriffen worden oder ist die Oberfläche trotzdem rau und angegriffen, ist eine Sanierung des Betons am Futtertisch bei entsprechenden Schäden empfehlenswert. Ziel ist es, mit geeigneten Materialien eine ebene, hygienische, leicht zu reinigende Oberfläche wiederherzustellen. Der Wiederaufbau eines verschlissenen Futtertischs wird in mehreren Arbeitsschritten vollzogen. Wie groß der zu sanierende Bereich ist, hängt von der Art der Futtervorlage und von der zur Verfügung stehenden Zeit für die Maßnahme ab. Wird Futter einmal täglich vorgelegt, ist die Sanierung in der Regel im Bereich von etwa 1,5 m vom Fressplatz aus in Richtung der Mitte des Futtertischs sinnvoll. Werden mehrmals täglich kleine Mengen gefüttert, kann der Bereich entsprechend kleiner sein, der Übergangsbereich zum Beton des Futtertischs sollte aber ausreichend mit einkalkuliert werden. Soll während der Sanierung an gegenüberliegenden Fressplätzen Futter ausdosiert werden, ist die Spurbreite des Schleppers bzw. Futtermischwagens bei der Breite der Sanierungsfläche mit einzubeziehen. Grundsätzlich lassen sich auch nachträglich Krippenschalen aus Polymerbeton oder Edelstahl einbauen, in der Praxis werden aber häufig hochwertige Harzbeschichtungen verwendet. Unabhängig davon, welche Maßnahme umgesetzt werden soll, ist darauf zu achten, dass der Einbau unterhalb des Niveaus des bestehenden Futtertischs erfolgt (Abbildung). Wichtig ist, dass keine überstehenden Kanten entstehen, damit das Material selbst, aber auch die Maschinen zum Futteranschieben und -abschieben geschont werden. Die Erfahrungen zeigen, dass Schilde mit Gummilippe die Lebensdauer der Futtertischbeschichtung erheblich verlängern.
Trog- oder Krippenschalen
Damit die Futtertischoberfläche möglichst lange glatt und hygienisch bleibt, können bei der Herstellung eines Futtertischs verschiedene Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Eine ausdauernde Variante ist der Einsatz von sogenannten Trog- oder Krippenschalen aus Polymerbeton. Diese Schalen haben den Vorteil, dass sie durch Ihre LForm in runder Ausführung, also mit einer
Hohlkehle, Futterresten kaum eine Möglichkeit bieten, sich festzusetzen. Allerdings sind sie maximal in einer Tiefe von 1 m zu erhalten. Bei oft anzutreffender Vorlage einer totalen Mischration (TMR) einmal je Tag bildet sich in der Regel ein deutlich breiterer Futterschwad, sodass die Grenzbereiche weiterhin ungeschützt sind. Ähnliches gilt bei einer Trogschale aus Edelstahl. In den Grenzbereichen zum Beton wird der Futtertisch angegriffen und es kann dort zu hygienischen Problemen und Futtererwärmung kommen. Wird kontaminiertes Futter angeschoben, kommen die Tiere zwangsläufig damit in Kontakt. Beim Einsatz von Fliesen ist unbedingt auf eine feste Verlegung zu achten. Aufgrund relativ hoher Kosten und einem großen Fugenanteil, der auch hygienische Probleme bereiten kann, werden Futtertische bei Neubauten heutzutage eher selten gefliest.
Anstrich mit Polyurethan
Aus Kosten- und arbeitswirtschaftlichen Gründen kann ein Betonschutz an einem neuen Futtertisch sehr gut über einen Polyurethananstrich relativ einfach hergestellt werden. Polyurethan (PU) ist ein einkomponentiger Kunstharz für die Versiegelung
von Betonflächen, der z. B. auch an Fahrsilos, Melkstand- und Milchküchenwänden eingesetzt wird. Das Produkt behält auch nach dem Anstrich eine leicht flexible Beschaffenheit. Witterungsbedingte und mechanische Einflüsse können die Langlebigkeit der Beschichtung beeinträchtigen. Bei guten Bedingungen lässt sich eine Lebensdauer von mehreren Jahren erreichen. Der Beton sollte hierzu mindestens 28 Tage alt und ungenutzt sein. Vor dem Anstrich müssen Staub und nicht fest gebundene Bestandteile der Oberfläche z. B. mit einem Hochdruckreiniger oder Drahtbürsten gründlich entfernt werden. Danach kann die Polyurethanbeschichtung relativ einfach in drei Schichten aufgestrichen werden. Ganz wichtig sind bei der Verarbeitung eine geringe Luftfeuchte und vor allem eine Umgebungstemperatur von mindestens 10 °C bis zur vollständigen Abtrocknung bzw. Aushärtung. Grundsätzlich sind natürlich auch andere Kunstharze zur Beschichtung von neuem Beton geeignet; sie werden weiter unten in Bezug auf die Betonsanierung näher beschrieben. Schnell und kostengünstig ist ein Anstrich des Futtertischs mit Betonfarbe. Dieses Verfahren bringt jedoch nicht unbedingt langfristigen Erfolg, da Säure und Reibungsbeständigkeit des Materials weniger gut sind.
Beschichtungen mit Kunstharzen
Beschichtungen auf Kunstharzbasis bieten eine gute Möglichkeit, Futtertische zu sanieren. Hierbei sind Faktoren wie Beständigkeit gegen Säuren, Witterungseinflüsse und mechanische Beanspruchung sowie die Kosten zu beachten. Eine Möglichkeit bietet hier auch der Einsatz von PU. Zur Vorbereitung des zu sanierenden Bereichs wird die saubere und ebene Fläche mit der Polyurethanbeschichtung bestrichen oder gerollt. Zum Aufbau der eigentlichen Füllschicht werden weitere Baustoffe eingesetzt, wie z. B. Quarzsand, Zement und Wasser als Füllstoffe, die mit der PU-Beschichtung vermischt und anschließend gespachtelt werden. Als Abschlussbehandlung wird die Sanierungsfläche in mindestens zwei Arbeitsgängen mit der reinen PU-Beschichtung versiegelt. Diese Arbeitsschritte sollten innerhalb von ca. 24 Stunden erfolgen, anschließend ist eine Aushärtezeit von zwei bis drei Tagen einzuhalten.
Ein hochwertiges und in der Praxis bekanntes Verfahren ist die Aufbringung von Epoxidharz, einem Zweikomponentensystem. Epoxidharz kann bei guter Verarbeitung sehr glatt werden, was aus Sicht der Reinigung und Hygiene natürlich das Ziel ist.


Um jedoch der Rutschgefahr auf dem Futtertisch für das Stallpersonal entgegenzuwirken, sollte in der Phase des Aushärtens des Harzes ein rutschhemmendes Granulat oder Quarzsand eingestreut werden. Um den richtigen Zeitpunkt zu erwischen wird jedoch viel Erfahrung benötigt, da die Aushärtezeit stark von der Außentemperatur beeinflusst wird. Bei sehr warmen Temperaturen kann die Masse sehr schnell aushärten.


Die benötigte Menge beträgt in Abhängigkeit von der Frästiefe und Beschaffenheit der bearbeiteten Betonoberfläche 2 bis 4 kg je m². Die Mindestschichtdicke für Epoxidharz ist 2 mm, der Untergrund muss absolut trocken und frei
von Futterresten sein. Für die Verarbeitung des Zweikomponentenharzes werden auch in der gesamten Aushärtezeit mindestens
10 °C benötigt, also auch nachts. Durch die chemische Reaktion der beiden Komponenten entstehen Bläschen. Damit eine möglichst glatte und ebene Oberfläche entsteht, wird die Beschichtung im noch flüssigen Zustand mit einer Nagel- oder Gumminoppenrolle zwei- bis dreimal abgerollt. Für eine lange Lebensdauer sollte eine Aushärtezeit von mind. 24 Stunden gewährleistet werden.

Beschichtung mit PMMA (Acrylglas)
Ein erst in den letzten Jahren im Bereichder Landwirtschaft häufiger verwendetesVerfahren zur Betonsanierung ist die PMMA- Beschichtung. PMMA ist die Kurzformfür Polymethylmethacrylat, umgangssprachlichauch bekannt als Acrylglas. Das Material zeichnet sich durch eine hoheWitterungs- und UV-Beständigkeit aus,ist gegen die oben aufgeführten Säurensowie Laugen, Benzin und Öle unempfindlich,hat eine gute Haftfähigkeit an Betonsowie Asphalt und ist zudem sehr schlagfest. Das Material wird viel zum Oberflächenschutzim Industriebereich, in der Lebensmittelverarbeitungsowie zur Abdichtungin verschiedenen Einsatzbereichengenutzt.
Trotz des höheren Kostenaufwands gegenüberanderen Verfahren findet die Futtertischsanierungmittels PMMA-Dickbeschichtungimmer öfter Anwendung, dadie Vorteile sowie die lange Lebensdauerüberzeugen. Das Material kann auch beiMinusgraden verarbeitet werden, es sollte lediglich auf die Luftfeuchte geachtet werden,also darauf, dass der Taupunkt nicht erreicht wird. Der vollständige Betonaufbau und -schutz erfolgt bei dem Verfahrenin vier Schichten. Zunächst wird eine Grundierung aufgebracht, die gegen Feuchtigkeitund ggf. noch vorhandene Reste von Fetten oder Eiweißen aus dem alten Betonsperrt. Darauf werden die PMMA-Ausgleichsmasse und zwei Versiegelungsschichten auf PMMA-Basis aufgebracht,die die chemische und mechanische Beständigkeit herstellen. Diese Schichten können jeweils nach einer Wartezeit von nur rund einer Stunde aufgebracht werden, je nach Länge des Futtertischs kann also nach Fertigstellung einer Schicht am Ende bereits vorne mit der nächsten Schicht begonnen werden. Nach nur zwei Stunden Aushärtezeit der letzten Schicht kann wieder Futter vorgelegt werden. Je nachdem, wie aufwendig die Vorarbeiten zur Aufbereitung des Betons sind, ist die Sanierung im laufenden Betrieb möglich. Aufgrund der oftmals angespannten arbeitswirtschaftlichen Situation in den Betrieben sowie der Komplexität der beschriebenen Verfahren ist es angeraten,
für eine lange Zufriedenheit mit der Beschichtung immer eine Fachfirma mit der Betonsanierung zu beauftragen. Sehr wichtig ist bei beiden Verfahren die sehr gute Vorbereitung des Untergrundes. Je nach Verschleiß müssen Unebenheiten und Steine abgefräst werden, bis wieder eine ebene Fläche vorhanden ist. Bei tiefen Schäden kann es sein, das 2 cm unter dem vorherigen Futtertischniveau gefräst werden muss. Im besten Fall kommt, wie in Industriebauten üblich, eine Fräse mit Staubabsaugung zum Einsatz. Eine gerade Kante dient zur Orientierung während der Arbeiten und zur Stabilisierung des Betons sowie der späteren Beschichtung.


Vorab Reinigung mit Phosphorsäure?
Ziel der Vorbereitungen ist auch, dass der Beton frei von Speichel, Futterrückständen sowie Fetten und Eiweißen ist, damit ein dauerhafter Halt der Beschichtung am Beton gewährleistet ist. Um das sicherzustellen, kann nach Bedarf eine Behandlung der geschliffenen, ebenen Fläche mit Phosphorsäure sinnvoll sein. Durch die Phosphorsäure öffnen sich die Betonporen und Fette sowie Eiweiße können herausgelöst werden. Vor Ausbringung ist die Säure nach Herstellerangaben entsprechend zu verdünnen und kann mithilfe einer Gießkanne verteilt werden. Die Phosphorsäure muss 30 bis 60 Minuten einwirken. Danach wird sie mit reichlich Wasser vorsichtig abgeschwemmt. Mit einem Hochdruckreiniger werden anschließend der komplette Futtertisch sowie der Sockel am Fressplatz abgespritzt. Phosphorsäure dampft ab und ist ätzend, daher ist auch hier auf angemessene Schutzkleidung und auf einen Atemschutz zu achten. Wird tief genug abgetragen, z. B. mit einer Straßenfräse, die sogenannte Mikrorisse an der Oberfläche hinterlässt, und eine sperrende Grundierung genutzt, kann im Normalfall auf eine Säurebehandlung verzichtet werden.
Die behandelte Oberfläche muss bei der Verwendung von Epoxidharz vollständig abtrocknen, bevor die Beschichtung aufgebracht werden kann. Dies dauert je nach Umgebungstemperatur und Luftfeuchte unterschiedlich lange. Ist die Oberfläche nicht vollständig trocken, kann es passieren, dass das aufgetragene Harz Blasen bildet und sich somit nicht optimal mit dem Untergrund verbinden kann. Die Grundierung im PMMA-Verfahren kann auch bei leicht feuchtem Untergrund aufgebracht werden.
Fazit
Beschichtungen aus Epoxidharz und PMMA bieten gute Möglichkeiten für die Sanierung beschädigter Betonfuttertische aber auch als Betonschutz bei Neubauten. Unter der Voraussetzung, dass der Betonuntergrund optimal vorbereitet ist und bei der Ausbringung des Materials auf optimale Temperatur und Luftfeuchte, die richtige Schichtdicke sowie Versiegelung geachtet wird, kann eine hohe Lebensdauer von 15 Jahren und mehr erreicht werden. Bei der Wahl von Epoxidharzbeschichtungen ist zu beachten, dass die zu sanierenden Fressplätze für mindestens 48 Stunden nicht zur Verfügung stehen. Deutlich schneller funktioniert die Betonsanierung mit PMMA-Beschichtungen. Fressplätze sind bereits nach zwei Stunden Aushärtezeit wieder voll nutzbar. Die Sanierung mittels Polyurethanmischungen und auch anderer Verfahren ist meistens zeitaufwendiger. Die Durchführung jeglicher Sanierung ist genau zu planen, es kann sinnvoll sein, den Futtertisch der Länge nach in mehreren Abschnitten zu bearbeiten. Aufgrund der Komplexität der verschiedenen Verfahren ist zu empfehlen, sich intensiv von den Anbietern solcher Sanierungsmöglichkeiten beraten und begleiten zu lassen. Für eine langfristige Lösung ist zu empfehlen, die Betonsanierung von einer Fachfirma ausführen zu lassen.
































