Durchsatz und Futterverdichtung im Laderaum, Leistungsbedarf beim Laden und Entladen – in einer DLG-Prüfung konnte der Fendt-Ladewagen Tigo 90 XR D in allen Prüfkriterien des Prüfmoduls „Funktion und Arbeitsqualität“ die Experten überzeugen.
Im Rahmen der Full-Line-Strategie der Marke stellt der Ladewagen für Fendt eine der Schlüsselmaschinen dar. Gerade weil der Markt für Ladewagen weltweit überschaubar sei, hat sich Fendt zum Ziel gesetzt, mit Qualität zu punkten. Vor diesem Hintergrund hat man bereits 2017 den alten Welger-Standort in Wolfenbüttel (Niedersachsen) übernommen, inzwischen über 20 Millionen Euro investiert und einen modernen und zukunftsfähigen Entwicklungs- und Produktionsstandort aufgebaut. Seit dem Spätsommer 2022 werden hier Fendt-Ladewagen-Modelle gefertigt.

Kombiwagen im Test
Mit dem Ladewagen Tigo 90 XR D stellte Fendt nun das zweitgrößte Modell der Kombiwagen-Reihe beim DLG-Testzentrum zur Prüfung vor. Im Unterschied zu den Spezialmaschinen, die mit den Kürzeln ST, S, MS, MR und MR Profi versehen sind, können die Fendt Tigo XR, VR und PR sowohl als Ladewagen wie auch als Häckseltransportwagen eingesetzt werden, was für eine höhere Auslastung der Maschinen im Jahresverlauf sorgt. Für die Umnutzung muss lediglich eine Kanalabdeckung über dem Rotor eingebaut werden, Rohrbügel oder Spannseile hingegen müssen nicht entfernt werden. Das Modell 90 XR D hat ein zulässiges Gesamtgewicht von 31 t bei einem von der DLG ermittelten Ladevolumen von 44 m³. Der Ladewagen Fendt Tigo 90 XR D wird über die K80-Kupplung an den Traktor angehängt. Die hydraulischen Komponenten wie die Pick-Up, die Stirnwand und der Kratzboden werden über Load Sensing versorgt. Wenn die hydraulische Messerschleifeinrichtung FlexSharp am Ladewagen verbaut ist, ist ein weiterer einzelner Hydraulikschlauch zur Ölversorgung vorhanden. Der Rotor sowie die drei Dosierwalzen werden über die Zapfwelle angetrieben. Wichtig zu wissen: Der 800-mm-Rotor mit 45 Messern bietet eine theoretische Schnittlänge von 37 mm, wobei die Messer zur Verstellung der Schnittlänge oder bei Blockaden per ISOBUS von der Kabine aus oder durch die Betätigung von Druckknöpfen an der linken Seite des Ladewagens aus der eigentlichen Arbeitsposition ausgefahren werden können.



Bilder: Messerschleifeinrichtung FlexSharp (l.), Pick-Up und Rotor (m.) bzw. muldenförmige Stirnwand (r.)
Der Fendt Tigo 90 XR D war im DLG-Test mit drei Dosierwalzen mit geschlossenem Profil ausgestattet. Für mehr Ladevolumen lassen sich diese einzeln nach hinten ausbauen. Optional stehen zusätzliche Scheinwerfer, eine 60 km/h-Zulassung sowie eine TIM-Ausstattung (Tractor-Implement-Management) zur Verfügung. Das heißt, dass im Gespann mit einem TIM-fähigen Traktor die Fahrgeschwindigkeit des Traktors vom Ladewagen in Abhängigkeit vom Schwadvolumen aktiv angepasst wird.
Prüfung und Ergebnisse
Die DLG-Prüfung des Fendt Tigo 90 XR D wurde Ende Juni 2022 im zweiten Schnitt auf Grünlandflächen in Sachsen-Anhalt durchgeführt. Unter den vorliegenden und im Prüfbericht dokumentierten Versuchsbedingungen konnte mit einer maximalen Beladegeschwindigkeit von 19 km/h gefahren werden. Die geladene Grasmenge pro Fuhre lag hier bei 9,85 t Frischmasse (FM) bzw. 3,8 t Trockenmasse (TM) bei einem TM-Gehalt von 38,6 %. Es wurde ein Durchsatz von 130 t Frischmasse pro Stunde erzielt. Der Gesamtleistungsbedarf beim Beladen betrug in dieser Versuchsvariante 218 kW, woraus sich ein spezifischer Kraftstoffverbrauch von 0,44 Liter bzw. 1,14 Liter pro Tonne Frisch- bzw. Trockenmasse errechnet. Eine komplette Wagenladung von 44 m³ zu entladen, dauerte im Mittel 92 Sekunden, was einer Entladerate von 108 kg FM/s entspricht. Bei einer Fahrgeschwindigkeit von 15 km/h betrug die geladene Grasmenge pro Wagenladung 10,09 t FM bzw. 4,77 t TM bei einem TM-Gehalt von 47,3 %, was einem Durchsatz von 56,5 t FM/h entspricht. Der Gesamtleistungsbedarf beim Beladen betrug in dieser Versuchsvariante 124 kW, der spezifische Kraftstoffverbrauch entsprechend 0,65 l/t FM bzw. 1,41 l/t TM und die Entladedauer reduzierte sich auf 88 Sekunden, was einer Entladerate von 114 kg FM/s entspricht. Im Vergleich der beiden Versuche wurde im Laderaum bei geringerer Fahrgeschwindigkeit eine höhere Verdichtung erzielt, während sich in diesem Fall die Schnittlängenverteilung nur geringfügig änderte. Die Aufnahmeverluste sowie der Schmutzeintrag wurden bei einer Fahrgeschwindigkeit von 15 km/h ermittelt. Die Aufnahmeverluste betrugen im vorliegenden DLG-Test sehr geringe 0,3 %, ein Schmutzeintrag ins Futter wurde nicht festgestellt.
Im Nachgang zum Feldtest haben die Prüfingenieure des DLG-Testzentrums eine Längenanalyse des geschnittenen Futters durchgeführt. Hierzu wurden das DLG-Kaskadensieb und eine optische Auswertemethode eingesetzt. Die Anteile der erwünschten Längenfraktion betrugen bei einer Fahrgeschwindigkeit von 19 km/h 40 % sowie bei einer Fahrgeschwindigkeit von 15 km/h 44 %. Die Anteile an Überlängen (Siebfraktionen 50-75 mm, 75-100 mm und größer 100 mm) lagen unabhängig von der Fahrgeschwindigkeit in Summe bei 25 % und die Feinanteile (kleiner 4 mm) betrugen bei einer Fahrgeschwindigkeit von 19 km/h 12 % und bei einer Fahrgeschwindigkeit von 15 km/h 18 %.
Fazit Aufgrund der vorliegenden Ergebnisse wird dem Ladewagen Fendt Tigo 90 XR D das Prüfzeichen DLG-ANERKANNT für das Prüfmodul „Funktion und Arbeitsqualität“ verliehen. Weitere technische Details der Maschine und der Prüfung sind im DLG-Prüfbericht 7293 zu finden. Dieser steht unter www.DLG-Test.de kostenfrei zur Ansicht und als Druckversion zur Verfügung.

































