Seit 2020 ist die Firma Sano – Moderne Tierernährung Hauptanteilseigner (zu 99 %) an der ungarischen Solum AG, die neben dem Feldfrüchteanbau auch zwei sehr erfolgreiche Milchviehbetriebe in Ungarn führt. Sano ist bekannt als bayerische Firma für Tierernährung, die international tätig ist. Einen Einblick in die ungarische Milchproduktion und die beiden Betriebsstandorte – Komárom und Csém des Sano Agrar Instituts Rind (Solum AG) konnte die Autorin auf einer Studienreise erleben, zusammen mit Landwirten, die das Sano-Konzept nutzen.
Zwei Milchviehbetriebe mit knapp 2.500 Milchkühen, ein Mischfutterwerk, ein vollständiger Fuhrpark für Futter- und Marktfruchtanbau – in unmittelbarer Nähe zur Donau, rundherum fruchtbare Böden in der trockenen Puszta – das konnte alles auf dieser 1½-tägigen Studienreise in Ruhe betrachtet und hinterfragt werden. Um die Betriebe in ihrem Gesamtkonzept darzustellen, reicht es nicht aus. Deshalb sollen hier die Besonderheiten und Herausforderungen ihren Platz finden.
Wer Interesse hat, sich näher mit diesen ungarischen Betrieben auseinanderzusetzen, dem sei folgendes Seminar der DLG-Akademie empfohlen:
Flushing-System spült sechsmal täglich Laufgänge
FormBesonders eindrücklich ist das automatische Spülen der Laufgänge auf dem Betrieb Komárom durch Wasser. Dieses FlushingSystem wurde beim Stallneubau 2013 realisiert. Derzeit profitieren ca. 1.150 Kühe sowie rund 1.450 Färsen davon. Ungefähr zwei Minuten dauert der Vorgang – die Kühe nehmen es gelassen hin – sei es in der Tiefbox liegend oder im Gang stehend. Ziel ist es, die Laufgänge besonders sauber zu halten und damit insbesondere Klauenerkrankungen keine Chance zu geben sowie die Kühe im Allgemeinen sauber zu halten. Beim Betrachten der Kühe kann man sagen, dass es augenscheinlich gelingt. Hinter der Flushing-Anlage steht eine aufwendige Technik, denn täglich werden insgesamt 2.000 Kubikmeter Spülwasser (saisonal anteilig aus der nahe gelegenen Donau stammend) durch die Gänge gepumpt. Das Spülwasser wird in mehreren Lagunen gesammelt, wo es gefiltert wird und unterschiedlichen Zwecken dient – feste Teile gehen nach Aufarbeitung als Separateinstreu wieder in die Ställe zurück, die flüssige Phase dient weiteren Spülvorgängen bzw. der Bewässerung der Ackerflächen (1.300 ha der Futteranbaufläche von insgesamt 1.750 ha werden bewässert). Dieses System ist wohl einmalig. Beim Stallneubau auf dem zweiten Produktionsstandort Csém wurde es nicht angewendet, weil dort die Distanz zur Donau zu weit ist. Fragen tauchen auf, ob durch das hochspritzende Schmutzwasser nicht das Mastitisrisiko steigt. Sicher ist, dass der Unterhalt aufwendig ist. In den langen Frostperioden diesen Winters kam es zum teilweisen Einfrieren bzw. Überfrieren der Gänge. Im Sommer kann es zu Wasserengpässen auch an der Donau kommen. 2025 war ein historischer Tiefpunkt erreicht – es war der trockenste Sommer seit 1901, mit nur knapp einem Fünftel des üblichen Niederschlags. Dennoch ist die Donau ein stark wasserführender Strom. So entspricht die maximale Jahresentnahmemenge des gesamten Betriebes dem durchschnittlichen Wasserdurchfluss der Donau von fünfeinhalb Minuten.

Milchproduktion Ungarn – Deutschland
Ungarn produziert rund 1,8–2,1 Mio. Tonnen Kuhmilch pro Jahr mit ca. 330.000 Kühen und liegt damit im europäischen Mittelfeld. Diese Milchmenge wird hauptsächlich von großen Betrieben (> 300 bis 1.500 Milchkühe und mehr) ermolken, die modern geführt werden. Es existieren Kleinbetriebe, die aber wenig zur Gesamtmilchmenge beitragen. Deutschland produziert ca. 33 Mio. Tonnen Kuhmilch mit ca. 3,7 Mio. Kühen, die Betriebe sind im Vergleich zu Ungarn kleiner (wobei der Trend zu größeren Betrieben geht). In den Jahren 2024 und 2025 lag der Milchpreis in Ungarn durchschnittlich 3–5 Cent unter dem deutschen Auszahlungspreis. Allerdings sind die Produktionskosten in Ungarn auch deutlich geringer (Großbetriebe, geringere Lohnkosten, Futterkosten geringer durch mehr Eigenanbau, Stallbauten neuer durch mehr staatliche Subventionen)
Ein ungarischer Spitzenbetrieb
Die Milchleistung auf beiden Milchviehstandorten liegt seit mehreren Jahren bei gut 14.000 kg Milch (305-TageLeistung) – womit die Betriebe zu den Top 3 der ungarischen Großbetriebe zählen. Ermolken wird dies durch die reinrassige schwarzbunte Holstein-Zuchtherde. Der Betriebsleiter setzt bei der Auswahl der vorwiegend deutschen Vererber den Schwerpunk auf Milchleistung sowie sekundäre Gesundheitsmerkmale. Bis dato ist die in Deutschland beliebte Anpaarung von beef-on-dairy in Ungarn noch nicht populär. Der Betriebsleiter möchteFormin Zukunft den Einsatz von blau-weißen Belgiern ausprobieren. Die Kühe werden dreimal täglich in einem BouMatic Sideby-Side mit 2 x 20 Melkplätzen gemolken. Obwohl auch in Ungarn die Arbeitskräfte in der Landwirtschaft zunehmend rarer werden, haben sich die Betriebe Komárom und Csém jeweils bei der Neuanschaffung ihres Melksystems für das konventionelle Melken und damit gegen ein automatisches Melksystem entschlossen. Gründe hierfür waren auch die Verfügbarkeit von Technikern. In Ungarn zahlen die Molkereien entgegen Deutschland nicht nach Inhaltsstoffen. Eine Unterschreitung der gemäß europäischer Milchhygiene-VO festgelegten Milchzellzahl-Obergrenze von 400.000 Zellen/ml wird von den Molkereien finanziell nicht belohnt. Hohe Zellzahlen von über 200.000 Zellen/ml Milch sind daher in Ungarn eher die Regel. Beide Betriebe sind sich jedoch der Wichtigkeit einer hohen Eutergesundheit als Basis einer leistungsfähigen Herde bewusst und haben derzeit Zellzahlen von gut 177.000 Zellen/ml Milch im Durchschnitt.

Maul- und Klauenseuche in Ungarn 2025
Im Frühjahr 2025 traten in Ungarn seit 52 Jahren erstmals wieder Fälle der Maul- und Klauenseuche auf. Insgesamt fünf Rinderbetriebe waren betroffen, knapp 9.000 Kühe mussten gekeult werden. In der nördlich angrenzenden Slowakei gab es weitere sechs amtlich bestätigte Ausbrüche. Zum Glück blieben dies die einzigen Ausbrüche und im Herbst 2025 hat Ungarn wieder den Titel MKS-frei erhalten. Dennoch, die Warnung war deutlich und so sind die Eindrücke bei den Betriebsbesuchen von den hohen Biosicherheitsmaßnahmen geprägt.
Separat als Einstreu
Ursprünglich streuten beide Betriebe ihre Tiefboxen mit Stroh ein. Aber Stroh ist in den letzten Jahren knapp und damit auch teuer geworden, weshalb sich die Betriebsleitung entschlossen hat, auf Separat umzusteigen. In Deutschland ist das nicht zulässig, in Ungarn nicht geregelt. Mit dem Wechsel der Einstreu auf Separat ist die Anzahl der Mastitiden gestiegen. Der Betrieb bemüht sich um Lösungen, das Risiko von Euterentzündungen zu minimieren, indem er die Technik der Separattrocknung nachbessert. Aus der großen Lagune in Komárom mit ihren 40.000 Kubikmetern Fassungsvermögen wird der Feststoff abgeschieden und in eine Trocknungsanlage gegeben, die das Separat derzeit auf 28 % Trockenmasse trocknet. Mittels einer UV-C-Anlage wird das getrocknete Separat desinfiziert. Ein weiterer Desinfektionsschritt ist der Zusatz von Kalk bei der Einstreu. Alternative Boxeneinstreu ist derzeit nicht vorhanden.
Gamechanger Fütterung
2020 hat das Futtermittelunternehmen Sano die Betriebsführung der beiden Betriebe übernommen, wobei die tatsächliche Leitung vor Ort noch immer in den Händen der beiden langjährigen ungariFormschen Betriebsleiter liegt. Als Unternehmen für Tierernährung mit umfassenden Beratungskonzepten liegt es auf der Hand, dass Sano Neuerungen in dem Bereich Fütterung anstoßen würde. So fallen bei beiden Betrieben der Neubau der Hochsilos wie auch der Fahrsilos mit einer Gesamtbergekapazität von rund 65.000 m³ pro Standort schon von Weitem ins Auge. In den Hochsilos werden die Konzentrat-Vormischungen, bestehend aus allen Kraftfutterkomponenten, dem Mineralfutter sowie Futterfett, gelagert.
Die Futtergrundlage ist Maissilage, teilweise ergänzt durch Grünschnittsilage aus Roggen oder Triticale-GPS. Darüber hinaus besteht die TMR aus Stroh, Biertreber und Kraftfutter. Pro Kuh werden pro Tag ca. 13 kg Vormischung gefüttert, um die Kühe bei einer Milchleistung von ca. 44 kg Milch bedarfsdeckend auszufüttern. Bei den Silos wird viel Wert auf eine gute Abdichtung, hohe Häckselqualität und maximale Verdichtung gelegt. Der ebenso besichtigte Fuhrpark der Solum AG zeigte, dass auch hier in den letzten Jahren aufgestockt wurde, um die Silagequalität auf ein neues Niveau zu heben. Die hohe Milchleistung der Kühe zeigt den Erfolg. Die TMR wird zweimal am Tag vorgelegt. Die melkende Herde wird mit einer Ration gefüttert, während in der Transitphase zweiphasig gefüttert wird. Zur Vorbeuge von Milchfieber wird die Ration der Trockensteher mit sauren Salzen angereichert. Im Sano-Agrar-Institut werden die unternehmenseigenen Fütterungskonzepte in der Praxis auf Herz und Nieren geprüft und kontinuierlich weiterentwickelt. Die verschiedenen Haltungsgruppen mit jeweils über 100 Tieren bieten hierzu optimale Voraussetzungen.
Das herausfordernde Klima der Puszta

Die ungarische Puszta hat ein kontinentales Steppenklima, geprägt von heißen Sommern, kalten Wintern und geringen Niederschlägen. Die Niederschlagsmenge liegt im Jahresdurchschnitt bei 450–550 mm. In den Sommermonaten kann es zu längeren Hitzeperioden mit deutlich über 30 °C kommen, während im Winter auch längere Frostperioden üblich sind. Hinzu kommt noch ein typischer Steppenwind, der zu weiterer Austrocknung führt und zu viel Staub.
Kühe, die viel Leistung in einem solchen Klima zeigen sollen, müssen auch dementsprechend gehalten werden. In den neuen Stallungen von Komárom wie auch von Csém setzt man deshalb auf hohe Dachfirste von rund 12 m, offene Stallseiten mit Curtains sowie Horizontal- und auch Querventilatoren. Auch Kuhduschen über den Fressgängen können die Tiere in den heißen Perioden des Sommers abkühlen. Die Steuerung beider Techniken erfolgt über die Messung des THI-Werts. Das FlushingSystem hat zudem auch einen kühlenden Effekt. All diese Installationen müssen jedoch auch gewartet und technisch instand gehalten werden, was durch die große Temperaturspanne mitunter nicht einfacher ist. Der Betriebsleiter von Csém berichtet, wie messbar die positive Wirkung der Klimamaßnahmen ist – lagen vor dem Neubau vor zwei Jahren die Milcheinbußen bei Hitzeperioden noch bei zehn Litern, liegen sie heute nur bei knapp einem Liter. Noch wartungsintensiver sind die Bewässerungsanlagen für den Ackerbau. Der überwiegende Teil des Silomaises wird bewässert. Da die Bodenqualität sehr hoch ist (Äquivalent 100 Bodenpunkte nach deutschem System), ist das durch den hohen Ertrag gerechtfertigt. Das Wasser stammt aus der Donau bzw. ist aus dem Flushing-System. Aber auch die Ressource Wasser ist in Ungarn limitiert. Es kommt immer wieder gerade in den Sommermonaten zu niedrigen Pegelständen der Donau, die die Schifffahrt einschränken und in Zukunft auch den Einsatz in der Landwirtschaft begrenzen könnten.

Ohne Nachzucht keine Zukunft
Die Kälberhaltung ist auf beiden Betrieben auf einem modernen, guten Niveau gehalten. In der zweitägigen Einzelhaltung achten die Angestellten auf eine intensive Kolostrumversorgung. Ab dem 10. Tag wechseln die Kälbern schon in die Gruppenhaltung mit Tränkeautomaten. Auf dem Betriebsstandort Komárom ist schon bei den Kälbern das Flushing-System installiert. Bis zur 12. Lebenswoche werden hier die Kälber getränkt – mit einer maximalen Milchmenge von zwölf Litern Milchaustauscher. Tageszunahmen von knapp 1.000 Gramm pro Tag werden dadurch realisiert. Während in Csém die Jungtieraufzucht aus Platzgründen ausgelagert ist, hat Komárom ausreichend Platz, seine Nachzucht selber aufzuziehen. Die Jungrinderställe sind genau wie die Kuhställe Doppel-Zweireiher-Liegeboxen-Laufställe mit mittigem Futtertisch (teilweise mit Fanggitter) und gespülten Laufgängen. Beide Betriebe haben eine Remontierungsrate von rund 40 %. Beide Betriebsleiter verfolgen bewusst das Ziel einer eher jungen Herde. Die Erstbelegung der Färsen erfolgt nach Körpergröße mit frühestens 13 Monaten und gesextem Sperma. Neben der eigenen Remontierung vermarktet der Betrieb auch regelmäßig Zuchtfärsen, die sowohl in Ungarn als auch im angrenzenden Ausland rege nachgefragt werden.

Beide Betriebe beschäftigen überwiegend ortsansässige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber bei Neubeschäftigungen ist die Konkurrenz mit anderen Branchen auch hier spürbar. Insofern sind auch schon einige Arbeitskräfte aus Indien und Pakistan im Einsatz. Beim personalintensiven Fruchtbarkeits- und Herdenmanagement setzt man daher bereits zum Teil auf technische Unterstützung. So sind am Standort Csém bereits heute alle Tiere mit Aktivitätssensoren über Halsbänder ausgerüstet und die Brunsterkennung übernimmt komplett die Technik. In Komárom setzt man bei den Kühen gegenwärtig noch auf ein standardisiertes Hormonprogramm mit Erstbesamung um den 69. Tag p.p. Die Investition in ein Sensorsystem ist hier für das laufende Jahr geplant. Mit dieser Vorgehensweise und dem Einsatz von gesextem Sperma zur Erstbesamung erzielen die beiden Betriebe gute Fruchtbarkeitsergebnisse.
Betriebsspiegel Komárom
- 1.150 Milchkühe, 1.450 Stück wbl. Nachzucht
- 305-Tage-Leistung: ca. 14.500 kg
- 37 Mitarbeiter in der Tier- und Pflanzenproduktion
Betriebsspiegel Csém
- 1.290 Milchkühe, 1.580 Stück wbl. Nachzucht
- 305-Tage-Leistung: ca. 14.200 kg Milch
- 62 Mitarbeiter in der Tier- und Pflanzenproduktion
Landwirtschaftliche Nutzfläche von beiden Betrieben zusammen bewirtschaftet: 3.100 ha, davon 1.750 ha Futterbau, wovon 1.300 ha wiederum mit Donauwasser bewässert werden.

Fazit
Andere Betriebsstrukturen wie auch ein anderes Klima machen Ungarn zu einem ganz anderen Standort der europäischen Milchproduktion, wie man es in Deutschland oder seinen direkt anliegen den Nachbarstaaten kennt. Aber es gibt auch gleiche Herausforderungen – wie zum Beispiel der Mangel an Arbeitskräften. Als besonders positiv hat die Gruppe die Realisierbarkeit von Bauprojekten wahrgenommen. Einem Klima, das sich rasant wandelt, muss man auch mit anderen Stallbauten begegnen können – zum Wohle der Tiere und der Wirtschaftlichkeit. Diese Maßnahmen wie auch die Optimierung der Fütterung durch einen optimalen Grundfutteranbau und -konservierung setzen die Betriebe Komárom und Csém des Sano Agrar Instituts Rind (Solum AG) eindrücklich um. Auffallend sind auch die hohen Hygienestandards und die Biosicherheitsmaßnahmen. Die Wichtigkeit dieser Maßnahmen ist bei Ställen mit solchen Dimensionen erkannt und umgesetzt worden. Betriebskleidung, Hygieneschleusen für den Transportverkehr wie auch für das Personal sind selbstverständlich. Die Reisegruppe hat den Bus nicht verlassen bei der Besichtigung, sondern ist über den Futtertisch gefahren worden.
Dieser Reisebericht entstand auf Einladung der Sano – Moderne Tierernährung GmbH.
Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 3/2026 der Milchpraxis.






























