Einfluss der Fütterung auf die Fruchtbarkeit

Eine erfolgreiche Fütterung ist auf die Bedürfnisse der Hochleistungskuh ausgerichtet und orientiert sich an den Möglichkeiten des Standortes. Bei steigendem Niveau der Milchleistung ist insbesondere die Energieversorgung zu Beginn der Laktation ein Problem. Folgen sind ein verstärkter Abbau von Körperfett aufgrund stark negativer Energiesalden. Diese können sich sehr ungünstig auf das Stoffwechselgeschehen der Milchkuh auswirken. Besonders im Fokus stehen hier die Ketose und Probleme im Bereich der Fruchtbarkeit. Ansatzpunkte zur Verbesserung der Situation liegen in der Genetik, dem betrieblichen Management und der Ausgestaltung von Futter und Fütterung.


Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 3/2024 der Milchpraxis.


Für eine effiziente Fütterung, die Vermeidung von Ketose und eine gute Fruchtbarkeit sind stark negative Energiesalden im ersten Drittel der Laktation und stark positive Energiesalden im letzten Drittel der Laktation zu vermeiden. Foto: Aufmkolk

Bei der hochveranlagten Kuh ist der übersteigerte Körperfettabbau zu Beginn der Laktation die größte Herausforderung. Dies gilt für Holsteinkühe aufgrund der höheren Milchleistung und der Ausrichtung der Zucht in noch stärkerem Maß als für Fleckvieh. Das Energiesaldo ist bei Holsteins stärker ausgeprägt und dauert länger. In der Folge ergeben sich mehr Stoffwechselerkrankungen. Dies betrifft insbesondere die Ketose. Dies ist zum einen eine Frage des Managements, aber auch eine Frage der Genetik. Die Auswertungen von Becker et al. (2022) zeigen, dass bei Deutschen Holsteins auch genetisch eine negative Beziehung zwischen der Höhe des negativen Energiesaldos und der Krankheitsinzidenz besteht.

Auf den Body Condition Score kommt es an

Der zentrale Schlüssel liegt in der Steuerung der Körperkondition (BCS) über Laktation und Trockenstehzeit. Beim Trockenstellen sollte die BCS bei Holsteinkühen bei etwa 3,5 und bei Fleckvieh bei 3,75 liegen. In der Trockenstehzeit sollte sich die BCS nur wenig verändern und im Laufe der Laktation sollte die BCS um nicht mehr als 0,75 Einheiten schwanken. Das gesamte Management und die Ausgestaltung von Futter und Fütterung sind darauf abzustellen. Erhöhte BCS zum Kalben verstärken den Abbau von Körpersubstanz und erhöhen das Ketoserisiko. Die angestrebte Zwischenkalbezeit ist nach Rasse
und betrieblichen Verhältnissen festzulegen. Bei Holsteins empfiehlt sich der Bereich von 390 bis 450 Tage und bei Fleckvieh von 370 bis 420 Tage. Neben der Energieversorgung ist für eine gute Fruchtbarkeit die ausreichende Versorgung mit Aminosäuren am Darm und mit Mineral- und Wirkstoffen zu gewährleisten. Zur weiteren Information zeigt Tabelle 1 die wichtigsten Fruchtbarkeitsstörungen und mögliche Zusammenhänge zur Fütterung, da die Probleme in der Fruchtbarkeit eine Reihe von Ursachen haben. Es ist daher wichtig, zunächst das konkrete Problem zu identifizieren. Generell gilt es, Erkrankungen wie Acidose, Gebärparese, Klauenerkrankungen und Nachgeburtsverhaltung möglichst zu vermeiden, da sich diese auch negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken.

Tab. 1: Die häufigsten und wichtigsten durch die Fütterung beeinflussten Fruchtbarkeitsstörungen der Milchkuh (Auswertung der Literatur, Spiekers et al. 2009)

FruchtbarkeitsstörungMögliche Ursache
Nachgeburtsverhalten– Selen- und Vitamin E-Mangel
– Nitratbelastung
– Stoffwechselstörungen
Genitalentzündung– Energieüberversorgung
– Eiweißüberversorgung, stark positive RNB
– Pansenübersäuerung
– ß-Carotinmangel
– Mangan- und Selenmangel
– Natriummangel – Kaliumüberschuss
– Nitratbelastung
Stillbrunst, Brunstlosigkeit– Fasermangel => unzureichende Strukturwirkung der Ration
– ß-Carotinmangel
– Manganmangel
– Rohproteinüberschuss, positive RNB
– Pansenübersäuerung
– fehlerhafte Energieversorgung
unregelmäßige Brunstzyklena.    verkürzte Zyklen
–       Natriummangel
–       Hormonhaltige Futtermittel
b.    unregelmäßig verlängerte Zyklen
–       Energiemangel
– ß-Carotinmangel
verzögerter Eiblasensprung und Eierstockzysten– Energiemangel vor und nach der Kalbung
– Abbau von Körperfett vor der Kalbung
– Energieüberversorgung bei Jungrindern
– ß-Carotinmangel
– hormonhaltige Futtermittel
– Manganüberschuss
embryonaler Frühtod– Energiemangel
– Mineral- und Vitaminmangel
– Eiweißüberschuss, positive RNB
Aborte– verpilztes Futter
– Nitratbelastung
– giftige Substanzen
– Futtermittel mit Pflanzenöstrogenen

Den kompletten Artikel lesen Sie in dem Special der Milchpraxis Ausgabe 2/2023.