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Einstreumaterialien für Liegeboxen

Bildquelle: landpixel Saubere, ausreichende Stroheinstreu in großer Liegebox schafft Kuhkomfort

Die Wahl des idealen Einstreumaterials für Liegeboxen ist von vielen Faktoren abhängig. Der Kuhkomfort sollte an erster Stelle stehen, aber auch der Komfort für den Landwirt (Stichwort Arbeitsaufwand) sollte nicht außer Acht gelassen werden. Eine große Rolle spielen die Art der Liegeboxen sowie die lokalen Kosten und die Verfügbarkeit der jeweiligen Einstreuprodukte. Oftmals stehen verschiedene Ziele im Widerspruch zueinander, so kann beispielsweise die beste Einstreumethode zur Bekämpfung von Lahmheiten der Sauberkeit des Euters abträglich sein. Es wird also immer ein Kompromiss zwischen Kuhkomfort, Hygiene und Arbeitsaufwand notwendig sein, um das jeweils zum Betrieb passende Einstreumaterial zu finden.

Warum ist Liegen so wichtig?

Für Milchviehbetriebe steht zunächst einmal die Eutergesundheit im Vordergrund und die Haltungshygiene ist ein wichtiges Kriterium bei der Entstehung von Euterentzündungen. Aber natürlich erreicht man keine hohe Leistungen, wenn sich die Tiere nicht wohlfühlen und nicht lange genug hinlegen können oder wollen. Die Liegebox ist sozusagen der Arbeitsplatz der Kuh, nur wenn sie lange liegen, können sie viel Milch bilden. Das hat mehrere Gründe:

  • die Durchblutung des Euters steigt bei längeren Liegezeiten, dies erhöht die Milchleistung und verbessert die Infektionsabwehr im Euter
  • während der Liegephasen werden die Gliedmaßen entlastet, die Klauen können abtrocknen, damit nimmt die Häufigkeit von Klauenproblemen in einer Herde mit langen Liegezeiten ab
  • im Liegen ist die Wiederkauaktivität effektiver, dies erhöht die Futterverwertung; einer Übersäuerung wird durch die höhere Speichelbildung vorgebeugt

Grundvoraussetzung Liegeboxen

Zunächst einmal unabhängig von der Art des Einstreumaterials sollten die Abmessungen der Liegeboxen an die Größe der Kühe angepasst sein, das Ziel ist ein möglichst niedriger Keimdruck durch eine perfekte Boxengestaltung. Die Liegeboxen müssen in ihren Abmessungen zur Größe der Kuh passen, da sich die Kühe ansonsten fehlerhaft ablegen und die Liegeflächen, insbesondere die Abschnitte der Box, die mit dem Euter in Kontakt kommen, mit Kot und Harn verschmutzen. Die Kühe sollten über die Hinterkante der Box hinaus koten und harnen, um das Kontaminationsrisiko mit umweltassoziierten Mastitiserregern möglichst gering zu halten. Planungs- und Abmessungshinweise zur Liegeboxengestaltung für Milchkühe sind im DLG-Merkblatt 379 zu finden.

Merkmale optimaler Einstreu

Die Einstreu spielt eine Schlüsselrolle für den Komfort  und die Hygiene der Liegefläche. 

Anforderungen an das Einstreumaterial sind:

  • weich, minimale Reibungseffekte
  • verformbar
  • trocken und feuchtigkeitsbindend, hohes Wasseraufnahmevermögen
  • keimarm
  • alkalisch (ph>9)
  • ausreichende Wärmedämmung
  • kostengünstig
  • arbeitswirtschaftlich, leicht zu handhaben
  • nicht staubend, nicht reizend
  • sowohl arbeitsmedizinisch als auch in Bezug auf Rückstände unbedenklich
  • passend zum Betriebskonzept (Haltungssystem, Verfügbarkeit, Entmistungssystem)

Eine sorgfältige Liegeboxenpflege ist für jedes Einstreumaterial Pflicht.

Hochboxen

Eine Hochbox, bestehend aus einem Betonsockel und einer darauf liegenden weich-elastischen Matratze, benötigt auch immer Einstreu, die Flüssigkeiten (Milch, Kot, Harn und Schweiß der Kuh) binden kann. Wird die Flüssigkeit nicht aufgenommen, so kommt es zu Haarausfall und Irritationen der Haut, die damit ihre natürliche Schutzfunktion nicht mehr wahrnehmen kann. In der Folge kommt es insbesondere an den Gelenken zu Verletzungen. Häufig verwendete und bewährte Materialien sind gehäckseltes Stroh, Sägemehl oder Kalkgemische. Auch Strohmehl oder gemahlene Strohpellets sind eine mögliche Option. Hochboxen sollten mindestens zwei Mal pro Tag gepflegt werden. Zum einen ist hierbei die Entfernung von Kothaufen wichtig, zum anderen ist das Einstreuen der gesamten Liegefläche (100%) von großer Bedeutung. Da die meisten Einstreumaterialien schlecht an den Boxenbelägen haften, kann ein ein- bis zweimal tägliches Einstreuen notwendig sein. Je nach Härte, Feinheitsgrad und Feuchtigkeitsgehalt des jeweiligen Einstreumaterials kommt es in Kombination mit den synthetischen Belägen zu Schmirgelwirkungen, insbesondere an den Gelenken. Zur Überprüfung kann man eine Reibeprobe mit Einstreumaterial auf dem eigenen Handrücken durchführen. Sägespäne haben einen extremen Schmirgeleffekt, daher sind Produkte aus Weichhölzern (meist Nadelhölzer) geeigneter als welche aus Harthölzern (z.B. Buche oder Eiche). Bei Hochboxen kann es durch die Struktur der separierten Gülle zu vermehrten Verletzungen an den Tarsalgelenken kommen. Da reiner Kalk leicht zu Hautirritationen führt (er trocknet die Haut aus, es kommt zum Haarausfall), ist eine Mischung mit anderen Materialien ratsam.

Tiefboxen

Haben sie die Wahl, legen sich Kühe häufiger und länger in mit viel Material eingestreuten Boxen hin als auf weichen Gummimatten, sie bevorzugen Tiefboxen. Dazu kommt, dass in Tiefboxen Sprunggelenksverletzungen weniger häufig vorkommen und weniger schwer verlaufen. 

Bei Tiefboxen müssen zunächst die Matratzen aus organischem Material aufgebaut werden, sie entstehen nicht mit der Zeit von selbst. Wird dies nicht beachtet, kann es leicht zu Schäden, beispielsweise an den Karpalgelenken kommen. Zur Auswahl stehen verschiedene Materialien (Stroh, Sand, Sägespäne,Separierte Gülle/Gärsubstrate), die zum Teil auch kombiniert werden können. Dabei ist wichtig, dass verschiedene Materialien gleichmäßig vermischt und vor allem effektiv verdichtet sind. Dies gelingt beispielsweise mit Rüttelplatten.