Epizootische Hämorrhagie

Das Virus der Epizootischen Hämorrhagie (EHDV) gehört zur Familie der Orbiviren. EHDV ist eng verwandt mit dem Virus der Blauzungenkrankheit (BTV) und wird ebenfalls von Gnitzen auf Wiederkäuer übertragen. Es sind derzeit sieben Serotypen von EHDV bekannt. Das Auftreten von mehr Serotypen ist denkbar. EHD ist in Deutschland eine anzeigepflichtige Tierseuche.

Klinische Anzeichen

Die klinische Symptomatik bei EHDV-Infektionen ist bei Rindern sehr unterschiedlich. Häufig treten Fieber, Läsionen im Maul- und Nasenbereich sowie an den Zitzen auf. Des Weiteren zeigen sich Nasen- und Augenausfluss bei den Tieren sowie Lahmheit. Im Allgemeinen ist bei den erkrankten Tieren ein Leistungsrückgang zu bemerken.

In vielen Fällen verläuft die Infektion bei Rindern subklinisch, dennoch können auch schwere Krankheitsverläufe auftreten, vor allem bei älteren Tieren. Vom klinischen Bild her ähnelt die Krankheit sehr der Blauzungenkrankheit wie auch der Maul- und Klauenseuche, BHV-1 und dem Bösartigen Katarrhalfieber. Die Diagnose ist über das klinische Bild nicht möglich, sondern kann nur über den direkten bzw. indirekten Erregernachweis erfolgen.

Verbreitung von EHDV-8 in Europa

Im November 2022 wurde erstmals EHDV (Serotyp 8) in der Europäischen Union bei Rindern in Spanien und Italien festgestellt. Im Jahr 2023 erreichte die Krankheit Portugal und hat sich dort  innerhalb eines Jahr im ganzen Land ausgebreitet. In Frankreich wurden die ersten Fälle im September 2023 im Südwesten gemeldet. Seitdem breitet sich auch hier die Erkrankung aus.

Das Friedrich-Löffler-Institut schätzt die Lage zu EHD wie folgt ein:

Die EHDV-8-Infektionen stellen eine ernsthafte Bedrohung für die europäische Nutztierhaltung dar, insbesondere in Ländern wie Deutschland, wo die Krankheit bislang nicht aufgetreten ist. Der Abstand Deutschlands zu den bisherigen Ausbrüchen beträgt etwa 370 km zu den nächstgelegenen Ausbrüchen in Frankreich und 220 km zu den Grenzen der bestehenden 150 km-Restriktionszonen.

Am 7. April 2025 wurde ein Rind nach Belgien importiert, welches dann in der PCR positiv auf EHDV-8 getestet wurde. Das Tier wurde regulär aus einem Hochrisikogebiet Frankreich nach Belgien transportiert und war gegen EHDV geimpft. Diese Entwicklung unterstreicht die Bedeutung strikter Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen sowie die Dokumentation von Impfungen, um eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern (DGZ, 29. April 2025).

Möglichkeiten der Vorbeuge

Eine Impfung gegen EHV-8 ist die einzige Möglichkeit, seine Herde vor dieser Infektionskrankheit zu schützen. Seit April 2025 gibt es einen offiziell zugelassen Impfstoff in der EU.

In vielen europäischen Ländern ist die Impfung freiwillig und der Tierhalter muss die Impfung selber zahlen. Belgien hat dieses Jahr jedoch eine Pflichtimpfung gegen EHDV-8 eingeführt, in Frankreich gibt es einen Impfgürtel von Nord nach Süd, der eine Verbreitung des Virus stoppen soll. In dieser Impfzone wird die Impfung staatlich bezuschusst.

In Deutschland wird der Impfstoff auch im Herbst verfügbar sein. Das Landwirtschaftsministerium plant derzeit keine verpflichtende Impfung und auch keinen Impfgürtel einzurichten.

Ausblick

Bisher gibt es keinen Fall von EHD in Deutschland. Das FLI schätzt das Auftreten des Virus als eine ernsthafte Bedrohung ein.

Sollten Rinder an beschriebener Symptomatik derzeit erkranken und es lässt sich kein Blauzungenvirus feststellen, sollte auch auf EHD getestet werden.

Der derzeit verfügbare Impfstoff gegen EHD schützt vor einer Virämie der infizierten Tiere. Besonders in Belgien hat man einige Erfahrung mit dem Impfstoff machen können, knapp 3.2 Millionen Dosen sind verimpft worden.  

Der bestandsbetreuende Hoftierarzt ist der erste Ansprechpartner, um das hofeigene Risiko abzuschätzen und eine Strategie zu entwickeln.

(Stand Juli 2025) Bildquelle: Jerome Lafon für Ceva Tiergesundheit