GfE Serie Teil 6: Ernte 2026 – Grobfutter untersuchen

Die Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Milchkühen sind von der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) 2023 aktualisiert worden. Zur Ernte 2026 sollen die neuen Parameter analysiert und ausgewiesen werden, damit diese in der Rationsberechnung angewendet werden können.

Die neuen Parameter werden 2025 bei der Grobfutteranalyse ausgewiesen. Foto: Resch

Mit der Einführung der neuen Parameter ab dem 1. Oktober 2025 stellt sich für viele Einsender sicherlich die Frage, ob jetzt zusätzliche Analysen beauftragt werden müssen. Voraussichtlich werden die neuen Parameter in den gängigen Untersuchungspaketen (z. B. „Basispaket“, „Grundanalyse“, „Vollanalyse“ usw.), wie sie bislang beauftragt wurden, bereits enthalten sein. Viele der künftig relevanten Analysen – etwa ELOS oder Gasbildung, Zucker und Stärke – sind in den Grobfuttermittel-Paketen der meisten Labore ohnehin Standard. Trotzdem kann es sinnvoll sein, im Vorfeld direkt beim beauftragten Labor nachzufragen.

Die neuen Parameter

Alle Parameter werden grundsätzlich für ein Ernährungsniveau 1 (FAN1) angegeben. Die Veränderung des Energie- und Nährstoffliefervermögens durch steigende Futteraufnahmen wird im Rationsberechnungsprogramm berücksichtigt.

Verdaulichkeit der organischen Masse (OMD, %)

Die Verdaulichkeit der organischen Masse wird für die Bestimmung der Umsetzbaren Energie und des mikrobiellen Rohproteins benötigt. Sie wird aus den Rohnährstoffen und In-vitro-Parametern (Gasbildung oder ELOS) berechnet. Für Futtermittel wie Grasprodukte, Grobfutter-leguminosen und Maisprodukte stehen Schätzgleichungen zur Verfügung. Für Grobfuttermittel, für die es aktuell noch keine Schätzgleichungen gibt (z. B. Raps-ganzpflanze, Markstammkohl, Hirseganz-pflanze), können Tabellenwerte aus Futtermitteldatenbanken (https://www.dlg.org/landwirtschaft/tierhaltung/futter-mittelnet/fachinfos-rinder) verwendet werden.

Bruttoenergie (GEGfE_2023, MJ/kg TM)

Die Bruttoenergie entspricht dem Brennwert eines Futtermittels und kann mittels Kalorimetrie (Verwendung eines Bombenkalorimeters) oder wie bisher über eine Regressionsgleichung erfolgen. Die neue Regressionsgleichung unterscheidet sich von der bisherigen durch den Wegfall der Rohfaser und der NfE (stickstofffreie Extraktstoffe). Dafür fließen neben dem Gehalt an Rohfett und Rohprotein der Gehalt an Stärke und Zucker sowie des organischen Restes mit ein. Damit wird das unterschiedliche Energieliefervermögen von Zucker, Stärke und Faserkohlenhydraten differenzierter berücksichtigt.

Umsetzbare Energie (MEGFE_2023, MJ/kg TM)

Die Umsetzbare Energie wird in einem dreistufigen Verfahren bestimmt und kann sich aufgrund der anderen Verfahrensweise von der bisherigen Umsetzbaren Energie (GfE, 1995, 2001) mitunter deutlich unterscheiden. Da Futtermittelbewertung und Bedarfsableitung eine Einheit bilden, ist die MEGfE_2023 in der Rationsberechnung nur bei Anwendung der neuen Bedarfsnormen zu verwenden. Das bedeutet, dass die neuen Werte derzeit nur bei Milchrindern angewendet werden können, wenn entsprechend neue Rationsberechnungsprogramme verfügbar sind (Anwendung der dynamischen Modelle). Auch bei Jung- und Mastrindern muss noch geprüft werden, ob die MEGfE_2023 auf die alten Bedarfsnormen angewendet werden kann.

Dünndarmverdauliches Protein (sidP, g/kg TM)

Das sidP stellt das dünndarmverdauliche Protein dar. Sachlogisch ist es die Summe aus dünndarmverdaulichem mikrobiellem Protein und dünndarmverdaulichem UDP. Es ist mit den Proteinparametern anderer Systeme vergleichbar (APDE, DVE, MP). Eine Umrechnung aus dem nXP ist nicht möglich.

Dünndarmverdauliche Aminosäuren Lysin und Methionin (sidLys, sidMet, g/kg TM)

Neben dem sidP kann und soll auch mit den dünndarmverdaulichen Aminosäuren gerechnet werden. Die wichtigsten erstlimitierenden Aminosäuren, welche in der Ration auch gezielt durch pansenstabile Produkte ergänzt werden können, sind Lysin und Methionin.

Ruminale Mikrobielle Differenz (RMD, g/kg TM)

Die RMD ist die Differenz zwischen dem im Pansen abgebauten Rohprotein und dem mikrobiellen Rohprotein. Die Differenz wird in g Rohprotein/kg TM ausgedrückt. Die RMD ist nicht direkt mit der RNB (Ruminale Stickstoff-Bilanz) vergleichbar, da beide eine andere Bezugsbasis haben (Rohprotein vs. Stickstoff), unterschiedlich berechnet werden (RMD = RDP – MCP vs. RNB = CP – nXP) und auch unterschiedliche UDP-Werte verwendet werden. In der Rationsberechnung sollte die Differenz ausgeglichen sein.

RDP = im Pansen abgebautes Rohprotein, MCP = mikrobielles Rohprotein, CP = Roh-protein, nXP = nutzbares Rohprotein

Abbaubares Protein im Pansen (RDP, g/kg TM)

Das RDP stellt das im Pansen abbaubare und für die Mikroben verfügbare Rohprotein dar. In der Rationsberechnung sollte das RDP mengenmäßig dem mikrobiellen Rohprotein entsprechen. Das RDP wird für die Berechnung der RMD benötigt.

Fallen die bisherigen Werte dann weg?

Dazu gibt es keine verbindlichen Regeln, d. h., darüber kann jedes Labor selber entscheiden. Vermutlich werden die neuen und die bisherigen Parameter (Rohfaser, Umsetzbare Energie_GfE 1995 und das nXP) für einige Zeit parallel auf den Attesten mit ausgewiesen werden.

Kann ich schon mit den neuen Parametern rechnen?

Die neuen Parameter setzen völlig neue Rationsberechnungsprogramme voraus, da das System der GfE (2023) ein dynamisches Modell ist. Das bedeutet, dass sich der Futterwert bei steigender Futteraufnahme verändert. Die neuen Parameter, einschließlich der umsetzbaren Energie, sollten also nicht in die bisherigen Rationsberechnungsprogramme eingesetzt werden.