
Ein Ampelsystem hilft im Fruchtbarkeitsmanagement auf abweichende Tiersignale und Kennzahlen aufmerksam zu werden und frühzeitig gegenzusteuern.
Ein guter Tag! Fast alle Kühe, die heute zur Trächtigkeitsuntersuchung (TU) vorgestellt wurden, sind tragend. Das war vor zwei Wochen noch ganz anders. Da waren mehr als die Hälfte der Ergebnisse „TU-minus“. Da wurde gegrübelt, ob Tiere umgerindert haben, ob Eierstöcke, Gebärmutter und der Stoffwechsel der Kühe in Ordnung sind?! Doch der Eindruck schlechter Fruchtbarkeit von einem Tag ist erst mal subjektiv und nicht sehr aussagekräftig.
Einfach weiterlesen?
Mit unserem Probeabo erhalten Sie sofort Zugriff auf die E-Paper der Milchpraxis der letzten Jahre – inklusive der kompletten #FitforCows-Serie sowie vielen weiteren Fachartikeln. Bei der Anmeldung hinterlegen Sie lediglich Ihre E-Mailadresse. Mit der Abonummer 010920251 erhalten Sie Zugang zu allen Ausgaben der letzten Jahre. Es entstehen keine Kosten, da das digitale Probeabo automatisch am Ende des Jahres endet.
Wer einen objektiven Blick auf die Herdenfruchtbarkeit haben will, muss seine Tiere gut beobachten (Tiersignale) und regelmäßig Kennzahlen auswerten. Im Verbundprojekt #FitForCows der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und UEG Hohenlohe-Franken w.V. wurde dafür ein Ampelsystem (grün, gelb, rot) entwickelt, das Milcherzeugerinnen und -erzeuger schnell auf Veränderungen am Tier aufmerksam machen soll, die z. B. der Fruchtbarkeit schaden. Der aus den Lernmodulen von #FitForCows abgeleitete Reprocheck hilft Ihnen zu sehen, wo Sie mit der Herden-fruchtbarkeit wirklich stehen.
Grüne Ampel: Guter Besamungserfolg erwartbar

Das Besamungs- und Abkalbemanagement wird von Anfang an (Belegung der Färse) bis zum Ende (Puerperium) geplant und anhand von Kennzahlen überwacht. Wenn es so läuft wie im folgenden Text beschrieben, steht sehr guten Besamungserfolgen wenig im Weg.
- Färsen werden je nach Rasse mit einem Gewicht von 400–420 kg erstmalig besamt und erreichen ein durchschnittliches Erstkalbealter zwischen 24 bis 26 Monaten (Schwarzbunt) und 25 bis 27 Monate (Fleckvieh) (Tabelle). Sind die Kühe jünger oder älter, leidet die Milch-leistung. Auch kostet jeder zusätzliche (unproduktive) Aufzuchtmonat im Durchschnitt 65 Euro.
- Im Rahmen des betriebsspezifischen Besamungsmanagements wurde eine freiwillige Wartezeit (FWZ) z. B. auf 60–70 Tage festgelegt, in denen Brunsten erkannt und dokumentiert werden, aber die brünstigen Kühe noch nicht besamt werden. Brunsten werden rund um die Uhr mit Aktivitätsmessung er-fasst. Die Brunstnutzungsrate liegt bei über 80 %. Rindert eine Kuh morgens, wird sie 10–12 Std. nach Brunstbeginn besamt (Morgen-Abend-Regel). Rindert sie 24 Std. nach Besamung immer noch, wird sie ein zweites Mal besamt. 70 % der Tiere sollten in Herden (Milchleistung bis 10.000 kg) bis zum 100. Laktationstag besamt worden sein. Bei höher leistenden Herden kann die FWZ auf z. B. 80 Tage verlängert werden und damit verschieben sich auch Rast-und Güstzeit (verlängerte Zwischenkalbezeit).
Tabelle: Zielwerte in der Färsenaufzucht, Quelle: Mahlkow-Nerge
| Zeitpunkt | Mindestgewicht | Mindestgewicht | Alter | Alter |
|---|---|---|---|---|
| Rasse | Schwarzbunt | Fleckvieh | Schwarzbunt | Fleckvieh |
| Pubertät | ca. 270kg | ca. 270kg | 7 Monate | 7 Monate |
| 1. KB | 400 kg (380–420 kg) | 400 kg (380–420 kg) | ab 14 Monate | ab 15 Monate |
| Kurz vor 1. Kalbung | 600 kg | 600 kg | 24-26 Monate | 25-27 Monate |
| 3. Laktation | 670 kg | 700 kg |
- Trächtigkeitsuntersuchungen werden regelmäßig durchgeführt. 2/3 der vorgestellten Tiere sollten tragend sein. Eine nicht tragende Kuh wird tierärztlich untersucht, behandelt und dem Besamungsmanagement wieder zugeführt. 50 % der Tiere sollten bis zum Tag 150 tragend sein.
- Die 21-Tage-PregRate liegt bei über 25 %. Diese Kennzahl umfasst sowohl den Bereich Brunsterkennung als auch Konzeptionserfolg und ist deshalb sehr aussagekräftig und beschreibt die aktuelle Fruchtbarkeitsleistung im Bestand. Die Zahl gibt an, wie viel Prozent aller brünstigen Kühe im 21-Tage-Zyklus trächtig geworden sind. Dafür wird zuerst der Anteil aller erkannten Brunsten ermittelt und später dann der Besamungserfolg.
- Kalbungen werden gut überwacht und nur selten muss eingegriffen werden. Der Anteil der Färsen und Kühe, die Geburtshilfe brauchen, liegt bei 3–5 %. Der Anteil an tot geborenen oder bei der Kalbung verstorbenen Kälber liegt unter 5 %. Die Abgangsrate bis zum 60. Tag liegt unter 6 %.
- Der Prozentsatz der Kühe mit Nachgeburtsverhalten und Ausfluss ist bekannt, wird aufgeschrieben und liegt unter 10 %. Nachgeburten werden aus dem Stall entfernt und der Abgang dokumentiert. Der Anteil an Kühen, die bis zum 60. Tag nicht gerindert haben, liegt unter 10 %.
Gelbe Ampel: Hier genauer hingucken!

Die Ampel springt auf Gelb, wenn die Nachzuchttiere auseinanderwachsen sowie spät und überkonditioniert besamt werden. In so einem Fall ist mit vermehrtem Umrindern und später mit Geburtsschwierigkeiten zu rechnen.
- Eine freiwillige Wartezeit ist nicht festgelegt und die Dokumentation von Brunsten hat Lücken. Technische Hilfsmittel zur Brunstbeobachtung gibt es nicht und man ist auf die regelmäßige, visuelle Brunstbeobachtung angewiesen (die Nächte sind dann nicht abgedeckt). Die Brunstnutzungsrate liegt zwischen 60 und 80 %. Der Besamungstechniker kommt nur einmal am Tag und besamt alle, die an dem Tag in Brunst gesehen wurden. Weniger als 70 % der Tiere werden bis zum 100. Laktationstag besamt.
- TUs werden unregelmäßig und oft deutlich nach der sechsten Trächtigkeitswoche durchgeführt. Mehr als 30 % sind bei den TUs nicht tragend. Weniger als 50 % der Tiere sind am 150. Laktationstag tragend.


- Der Anteil der Färsen und Kühe, die Geburtshilfe brauchen, liegt über 5 %. Der Anteil an tot geborenen oder bei der Kalbung verstorbenen Kälber liegt über 5 %. Mehr als 5 % der Kühe liegen mit Milchfieber oder anderen Stoff wechselstörungen fest. Kalziummangel, Leberprobleme oder starker Energiemangel (Ketose) schaden der Rückbildung der Gebärmutter, der Körperabwehr und der Fruchtbarkeit. Die Abgangsrate bis zum 60. Tag liegt bei 6–9 %.
- Der Prozentsatz der Kühe mit Nachgeburtsverhalten und Ausfluss wird nicht dokumentiert. Der Anteil an Kühen, die bis zum 60. Tag nicht gerindert haben, liegt über 10 %.
Rote Ampel: Umgehend handeln!

Unverzügliches Handeln im Besamungs- und Abkalbemanagement ist nötig, um Unfälle mit brünstigen Kühen zu verhindern oder in der Geburt die Gesundheit von Muttertier und Kalb zu sichern. Die Ampel ist rot, …
- wenn brünstige Kühe sehr unruhig sind und häufig aufspringen, halten sie die anderen vom Liegen und Fressen ab. Schlimmstenfalls führt das zu Verletzungen anderer Kühe. Diese Kühe separieren.
- wenn Jungtiere mit zu wenig Gewicht belegt wurden und tragend sind. Mit der Tierarztpraxis besprechen, was zu tun ist (Abort einleiten, geplanter Kaiserschnitt, Geburtseinleitung). Bei bekannter Zwillingsträchtigkeit die Kuh 7 Tage früher trockenstellen und Geburt gut überwachen.
- wenn bei der Geburtshilfe eine Hinterendlage erkannt wird, nach dem Sichtbarwerden der Sprunggelenke sofort Zughilfe leisten.

Tierärztliche Hilfe ist nötig,
- wenn 2 Std. nach Blasensprung nur eine oder keine Klaue/keinen Wehen sichtbar sind.
- wenn die Fehlhaltung des Kalbes nach 15 Minuten nicht korrigiert werden konnte.
- wenn der Kopf des Kalbes in Vorderend-lage bei geöffnetem Muttermund nicht erreicht werden kann (zu eng).
- bei Verletzungen des Geburtsweges und Blutungen.
- bei Fieber (> 39,5 Grad) und übelriechendem Ausfluss nach der Kalbung.

- bei Festliegen der Kuh nach Kalbung.
- Wer auf Tiersignale in seiner Herde achtet und Kennzahlen selbstverständlich in das Tiergesundheitsmonitoring integriert und bei Abweichungen zeitnah reagiert, legt die Basis für eine gute Fruchtbarkeitsleistung in der Herde.
Mehr Wissen und Praxistipps im kostenfreien, digitalen Ausbildungstool: www.fitforcows.de
Sie möchten die weiteren Teile der #FitforCows-Serie lesen?
Nutzen Sie unser Probeabo mit der Abonummer 010920251, um das digitale Archiv freizuschalten.
Dort erhalten Sie Zugriff auf alle aktuellen und vergangenen Ausgaben als praktisches E-Paper – jederzeit und überall verfügbar.
Das Projekt ist Teil der Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz im Bundesprogramm Nutztierhaltung. Die Förderung erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages, Projektträger ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), Förderkennzeichen 323-06.01-2820MDT140 und 323-06.01-2820MDT141.



Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 1/2025 der Milchpraxis.






























