Von einer „toxischen“ Situation auf den Betrieben spricht Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) auf der Erntepressekonferenz Mitte August. Die niedrigeren Erträge in Verbindung mit den niedrigen Erzeugerpreisen auf der einen Seite, und den hohen Kosten für Betriebsmittel, wie zum Beispiel Diesel, Futter- und Düngemittel auf der anderen Seite, belasten die Liquidität vieler Betriebe. Nicht wenige brauchen Sonderfinanzierungen, um die Liquidität sicherzustellen und die neue Ernte 2027 vorzufinanzieren.
Besonders betroffen von der langen Trockenheit und Dürre sind Tierhalter, die auf Grünfutter, Heu oder Silomais für ihre Tiere angewiesen sind. In Süddeutschland müssen Landwirte ihre Rinder zum Schlachter bringen. Denn ein Zukauf von beispielsweise Silage sei, so der DBV-Präsident, nicht rentabel. Der Transport von Silage aus dem Emsland mache finanziell keinen Sinn und der Zukauf in der Region schließe sich wegen der Futtermittelknappheit aus. „Das größte Problem ist, dass kein Futter mehr nachwächst“, so Rukwied.
Der DBV rechnet in seiner Erntebilanz 2026 mit einer unterdurchschnittlichen Getreideernte von 41,9 Mio. t. Das sind 7 Prozent weniger als im Vorjahr mit 45,2 Mio. t. Der Ertrag über alle Getreidearten liegt mit 6,89 t/ha um 9 Prozent unter dem Vorjahr. Prägend waren ein zu trockenes Frühjahr und eine Hitzewelle in der zweiten Junihälfte während der Kornfüllungsphase, die vielerorts zu Notreife führte, sagte Rukwied.
Beim Winterweizen, der mit rund 2,9 Mio. ha wichtigsten Kultur, liegt die Erntemenge nur bei 20,9 Mio. t und damit 7 Prozent unter dem Vorjahr. Die Wintergerste hält mit 9,5 Mio. t das Vorjahresniveau, da die um 4 Prozent auf 7,56 t/ha gesunkenen Erträge durch eine größere Fläche ausgeglichen wurden. Am stärksten hat es den Winterraps mit einem Ertragseinbruch von 20 Prozent auf 2,9 t/ha getroffen. In Summe schätzt der DBV nur 3,3 Mio. t.
Ausbleibende Niederschläge und geringe Aufwüchse auf Grünland sowie eine unterdurchschnittliche Entwicklung des Silomaises lassen erwarten, dass die betriebseigenen Grobfuttervorräte bis zur nächsten Ernte vielfach nicht ausreichen werden. Der Mais leidet unter Wassermangel. Am Oberrhein und in NRW hat die Ernte im August sehr früh begonnen. Milchviehhalter im Südwesten müssen bereits im August auf ihre Wintervorräte zurückgreifen. Mischfutter zieht wegen Niedrigwasser im Preis an und erhöht die Produktionskosten.
Die hohen Temperaturen haben zu spürbaren Mengenrückgängen bei der Milch geführt. Der Milchpreis Mitte August steigt auf 39 Cent/kg gegenüber 35,8 Cent /kg im Juli.
Text: Daphne Huber, agrarticker






























