GfE-Serie Teil 4: Futteraufnahme für die Rationsplanung abschätzen

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Ein wichtiger Faktor in der Rationsplanung für Milchkühe ist die Einschätzung der Futteraufnahme für das Einzeltier, die Leistungsgruppe oder die Herde. Bewährt hat sich die Anwendung der von der DLG (2006) empfohlenen Schätzgleichungen. Hierbei wird zwischen einzeltierbezogener Konzentratfuttergabe und der Nutzung der Total-Mischration (TMR) unterschieden. Für die Anwendung der Gleichungen auf Basis der Empfehlungen der GfE (2023) wurden die Gleichungen modifiziert. Dieser Artikel gibt einen Überblick, wie die Futteraufnahme nach den neuesten Empfehlungen eingeschätzt werden kann.

Die Grobfutterqualität wird jetzt mit der dreistufig ermittelten Umsetzbaren Energie (ME) bei Futteraufnahmeniveau 1 berücksichtigt. Neben der Qualität des Grobfutters sind die eingesetzte Menge an Konzentratfutter, Einflussgrößen der Kühe und des betrieblichen Managements zu
berücksichtigen. Wichtige Punkte für die konkrete Rationsplanung werden nachfolgend aufgeführt und erläutert.

Einflüsse der Kuh
Die Genetik, der Laktationsstand und die Fitness der Kuh beeinflussen die Futteraufnahme sehr stark. Ganz entscheidend ist der Laktationsstand. In den ersten Monaten der Laktation ist das Futteraufnahmevermögen geringer. Dies ist durch die Stoffwechsellage und einer oft geringeren Fitness der Kühe begründet. Wenn alle Faktoren wie Körpermasse, Milchleistung, Grobfutterqualität, Konzentratfuttereinsatz gleich gelassen werden, ergibt sich die in der Abbildung aufgeführte Abstufung auf Basis eines aktualisierten Datenmaterials (Gruber et al. 2021). Um die hohen Ansprüche an die Energie- und Nährstoffversorgung zu Beginn der Laktation zu erfüllen, ist es daher wichtig, alle Faktoren, die die Futteraufnahme steigern, zu nutzen. Dies sind die Grobfutterqualität, der Konzentratfuttereinsatz, eine optimale Futtervorlage sowie gesunde und fitte Kühe in einer möglichst stressarmen Haltung.

Fast alle Faktoren zur Futteraufnahme variieren in Abhängigkeit vom Laktationsmonat, siehe Grafik. Dies betrifft insbesondere die Grobfutterverdrängung durch Konzentratfutter. Zu Beginn der Laktation kann die Gesamt-Futteraufnahme um etwa 0,7 kg Trockenmasse (TM) durch zusätzliche 1 kg TM aus Konzentratfutter gesteigert werden. Im letzten Drittel sind dies lediglich 0,3 kg TM-Mehraufnahme. Konzentratfutter lohnt daher in erster Linie in der ersten Hälfte der Laktation. In der zweiten Hälfte der Laktation sollte das Futteraufnahmevermögen der Kühe bei geringerem Konzentratfuttereinsatz genutzt werden. Das Potenzial kann sehr gut über Gleichungen abgeschätzt werden (GfE 2023), siehe Tabelle unten.

Grundsätzlich geringer ist das Futteraufnahmevermögen in der ersten Laktation, in der die Tiere außerdem noch wachsen. Wo immer möglich sollten die erstlaktierenden Milchkühe daher in einer separaten Gruppe gehalten werden. Das maximale Futteraufnahmevermögen wird erst ab der 4. Laktation realisiert.

Abb.: Fixe Effekte des Laktationsmonats im Futteraufnahmemodell

Wichtig ist die korrekte Abschätzung der Körpermasse. Mit steigender Körpermasse erhöht sich das Futteraufnahmevermögen wiederum in Abhängigkeit vom Laktationsstand. Ferner ist die Körpermasse sehr wichtig für die Ermittlung des Erhaltungsbedarfs. Dieser ist nach GfE (2023) um etwa 40 % höher als bisher auf Basis NEL anzusetzen. Insgesamt ist das Futteraufnahmevermögen durch die Zuchtarbeit und
verbessertes Mangement erheblich gestiegen. Aufgeholt haben insbesondere die Fleckviehtiere, die bei gleicher Körpermasse und Milchleistung heute auf gleichem Niveau liegen. Selbstverständlich steigt das Futteraufnahmeniveau mit dem Milchleistungsniveau. Dies ist aber unabhängig von der Rasse. Eine Unterscheidung nach Rasse ist daher bei Anwendung der Gleichungen (GfE 2023) nicht erforderlich. Es
sollte auch bei Fleckvieh der Wert von Holstein eingesetzt werden, um das Futteraufnahmevermögen nicht zu unterschätzen.

Futterqualität und Konzentratfuttermenge

Die Futterqualität und der Konzentratfuttereinsatz haben, wie bereits angeführt, erheblichen Einfluss auf die Höhe der Futteraufnahme. Beim Konzentratfutter ist neben der Menge auch die Qualität zu beachten. Um den Futteraufnahme steigernden Effekt zu realisieren, sollte das
Konzentratfutter eine Verdaulichkeit der organischen Masse (OMD) von etwa 83 % haben. Dies ist ab Energiestufe 3 gegeben. Energiereiche Saftfutter wie Pressschnitzelsilage oder Möhrentrester haben den gleichen positiven Effekt auf die Futteraufnahme, ohne gleichzeitig hohe Stärkemengen zu beinhalten.

Beim Grobfutter sind die OMD, die Konservierungsform (frisch, siliert, getrocknet), der TM-Gehalt und die Gärqualität bei Silagen sowie die Futterhygiene die entscheidenden Punkte. Bei gleicher OMD wird beispielsweise von Heu mehr gefressen als von Grassilage. In die Gleichungen geht als maßgebliche Kenngröße der ME-Gehalt des Grobfutters ein, da dieser direkt mit der OMD in Beziehung steht.

Schätzgleichungen für die Futteraufnahme bei Milchkühen in Abhängigkeit vom Fütterungssystem (GfE 2023)

Betriebliches Management

Bei gleichen Bedingungen für die Herde und das Futter schwanken die Futteraufnahmen erheblich zwischen Betrieben. Ein wichtiger Punkt ist die Haltung. Platzangebot und Liegeboxengestaltung, Tierverkehr, Lüftung, Schadgase etc., aber auch die Wasserversorgung beeinflussen
das Futteraufnahmevermögen erheblich. Stress insbesondere am Wasser- und Futtertrog sollte minimiert werden. Weitere Punkte sind die Fressplatzgestaltung, das Fütterungssystem und das Fütterungsmanagement. Kühe sind absolute Gewohnheitstiere. Es empfiehlt sich daher ein fester Tagesablauf bei allen Arbeiten im Stall und auf der Weide. Futter muss immer ausreichend in Menge, Qualität und Hygiene vorliegen.

Nutzung der Schätzgleichungen zu Rationsplanung

Die Gleichungen (GfE 2023) sollten in jedem Rationsberechnungsprogramm die Basis zur Abschätzung der Futteraufnahme sein. Neben den angesprochenen Faktoren Körpermasse, Laktationsnummer, Laktationsstand, ME-Gehalt im Grobfutter, Konzentratfuttereinsatz sollte bei Abweichung des Futteraufnahmeniveaus ein Korrekturfaktor für den Betrieb Anwendung finden. In den Gleichungen ist hierzu
eine Einschätzung des Managementniveaus in ’hoch’ und ’mittel’ als erste Annäherung vorgesehen. Die Rationsplanung sollte grundsätzlich in Abhängigkeit von Laktationsnummer und Laktationsstand erfolgen, z. B. nach Laktationsmonat oder Laktationsdrittel. Auch bei der TMR und der Teilmischration sollte dieser Punkt beachtet werden.

Dieser Beitrag stammt aus Milchpraxis Ausgabe 4/2025. Das Fachmagazin hat in mehr als zehn Artikeln die einzelnen Aspekte der neuen Versorgungsempfehlungen aufgegriffen. Bis zur EuroTier 2026 im November werden wir Ihnen diese Artikel als regelmäßige Serie online zur Verfügung stellen. Teil 1, Teil 2 und Teil 3 sind schon zu lesen.

Text: Prof. Dr. Hubert Spiekers, LfL Tierernährung, Grub