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Grüezi! Der KälberKompass in der Schweiz

Die Familie Wallimann aus Alpnach (Kanton Obwalden) hält aktuell 47 Braunviehkühe mit einer Tagesmilchleistung von gut 35 kg bei (4,1% Fett/3,8% Eiweiss). Michael Wallimann, der Betriebsleiter hat vor drei Jahren im neuen Stall seither gleich mehrere neue Wege eingeschlagen, die seinen Betrieb und Leistung deutlich nach vorne gebracht haben.

Der Neubau und das Melken mit einem AMS hatte leider nicht den erhofften Durchbruch gebracht. Die Leistung war gegenüber der Anbindehaltung im alten Stall nur geringfügig gestiegen (von 7450 auf 8000 kg). Erst der Wechsel von einer VollTMR mit Gras- und Maissilage auf eine HeuTMR brachte einen deutlichen Leistungssprung und das bei deutlich geringeren Futterkosten (auf 9500 kg). Die Ventilation des Offenkuhstalls mit Hilfe eines Schlauches brachte eine enorme weitere Steigerung, die Liegezeit der Kühe in den ohne hin schon recht bequemen Tiefstrohbuchten verlängerte sich signifikant und sorgte für spürbar mehr Kuhkomfort (Steigerung auf rund 11000 kg). Die letzte grosse Steigerung konnte durch ein verbessertes Kälberaufzuchtmanagement erreicht werden. Die Kälber bekommen mindestens vier Liter Biestmilch verabreicht (es wird nicht gedrencht!), Vollmilch angesäuert ad libitum, als Trockenfutter wird ein Kälbermüsli aus Maiskörnern und Pellets sowie getrennt davon eine Mischung aus Dinkelspelzen, Zeolith und Hefekulturen (NutriTek, Diamond V) angeboten. Die HeuTMR steht den Tieren ebenfalls von Anfang an zur Verfügung. Abgesetzt wird mit zwölf Wochen in zwei Schritten. Jedes Kalb wird seitdem im vier Wochenabstand gewogen, das letzte mal beim Absetzen.

Die Gewichtszunahmen bei den Kälbern verbesserten sich damit von rund 650 g auf über 900 g im Schnitt. Vereinzelt erreichen Kälber 1200 g und mehr. Das führte dazu, dass die Jungkühe derzeit im Bestand in der Summe sogar mehr Milch produzieren als die älteren und ausnahmslos die 40 kg Marke knacken. Besonders stolz ist der Betriebsleiter auf Nr. 10 Albufeira, eine Erstlaktierende, die 12.000 kg mit 3.9% Fett und 3.7% Eiweiss in 305 Tagen erzielen konnte.

Dennoch sieht Michael Wallimann immer noch mehr Potential bei den Kälbern. Über seinen Berater Ingo Kielwein hat er vom KälberKompass Projekt erfahren und sich beworben. Wallimann gefällt der Aspekt, dass nun auch der Kalbeverlauf, die Biestmilchqualität und vorallen Dingen der Übergang der Antikörper ins Blut des Kalbes  (beides mit dem optischen BRIX Refraktometer) untersucht werden. Er ist sich sicher, dass eine bessere Immunausstattung von Anfang an, lebenslange positive Auswirkungen bewirken kann. Er lässt seine Kälber mittels Lungenultraschall untersuchen – alle Befunde tadellos! Das ist für den Altstall, wo die Jungtiere momentan aufgestallt sind mehr als erstaunlich, denn hier ist der Luftaustausch schwierig, der natürliche Lichteinfall limitiert und das Platzangebot (unter 2qm pro Kalb) zu gering. Deshalb träumt er von einem eigenen neuen Jungviehstall.

Bis dahin denkt er über ein Schlauchsystem für den Kälberbereich nach. Im Kuhstall brachte die „Tube“ einen Riesenfortschritt, den er sich auch hier im alten Kälberstall erhofft. Denn Lebensleistung wird bei ihm sehr gross geschrieben, aktuell liegt diese bei 32.300 kg und entspricht einer Lebenstagsleistung von 16 kg. Er ist sich sicher, dass der Grundstein dafür spätestens mit der Geburt gelegt wird.

Und diese Chance will er bei keinem Kalb verpassen!