Gülle: Erhöhte Stickstoffeffizienz und größere Methanausbeute

Ein Additiv auf der Basis von Kalkstickstoff kann klimarelevante Emissionen aus der Lagerung von Gülle und Gärresten erheblich mindern und zusätzlich die Düngekosten reduzieren. Positive Effekte zeigen sich auch auf die Verarbeitung in Biogasanlagen.

Zu diesen Ergebnissen kommt das Forschungsprojekt EMeRGE, das vom Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) gemeinsam mit der Alzchem Trostberg GmbH durchgeführt wurde. Die Ergebnisse wurden am Mittwoch, 21. Januar 2026, direkt am ATB in Potsdam vorgestellt und von Fachleuten diskutiert.

Weniger Emissionen, mehr Düngepotenzial

Bei sommerlichen Temperaturen konnten die Methanemissionen aus Rinder- und Schweinegülle durch die Zugabe von Kalkstickstoff um bis zu 97 Prozent gesenkt werden. Bei niedrigen Temperaturen fielen die Emissionsminderungen etwas geringer aus oder eine höhere Dosierung des Zusatzes war nötig.

Ein positiver Effekt zeigte sich auch bei der Stickstoffeffizienz der Gülle, die in den meisten Fällen als organischer Dünger aufs Feld ausgebracht wird. Durch den Zusatz des Additivs erhöht sich der Stickstoffgehalt in der Gülle. Das Additiv sorgt während der Lagerung außerdem dafür, dass der gülle-eigene Stickstoff erst verzögert umgesetzt wird, wodurch mehr Nährstoffe für die Düngung verfügbar bleiben. Der dadurch reduzierte Bedarf an zugekauftem Mineraldünger könnte die Düngekosten um bis zu 22 Prozent senken, berichtet Dr. Christiane Herrmann, Projektleiterin von EMeRGE.

Die in den Stall integrierten Messstationen der Lehr- und Versuchsanstalt für Tierzucht und Tierhaltung in Groß Kreuz erfassen regelmäßig die Gasemissionen im Stall. (Foto: Charlotte Bromm, DLG Werkstudentin)

Auch die Biogasproduktion profitiert vom Zusatz: Die Mikroorganismen, die bei der Verstoffwechslung des organischen Materials Methan produzieren, werden nur vorrübergehend inaktiviert, sodass bei einer geeigneten Dosierung und der Einhaltung einer Mindestlagerdauer keine Hemmung in der Biogasanlage zu erwarten ist. Im Gegenteil: Bei Lagerzeiten von mehr als 14 Tagen und warmen Lagertemperaturen steigert sich die Methanausbeute der behandelten Gülle sogar. Das liegt daran, dass das energetische Potenzial der Gülle auch während der Lagerung erhalten bleibt, denn die Gase werden nicht schon während dem Lagern freigesetzt.

Flexible Anwendung möglich

Auch in Bezug auf problematische Schaumbildung im Güllelager sowie das Ausbilden einer Schwimmschicht auf der Gülle, die das regelmäßige Umrühren notwendig macht, zeigte sich Kalkstickstoff aktiv vorbeugend. Der Zusatz kann auf unterschiedlichen Wegen in die Gülle eingebracht werden: Das Granulat kann der vorhandenen Gülle einmalig zu Beginn der Lagerung zugegeben werden. Bei der Sommerlagerung empfiehlt sich eine zweimalige Behandlung mit Nachdosierung. Alternativ lässt sich der Kalkstickstoff im Sommer und Winter kontinuierlich zu neu anfallender Gülle hinzudosieren, wodurch die Emissionsminderung über die gesamte Lagerdauer aufrechterhalten wird.

Text: Charlotte Bromm, DLG Werkstudentin