KälberKompass

Die Bedeutung eines reibungslosen Starts ins Leben einer jeden angehende Milchkuh ist immens. Nur ein gesundes Kalb hat das Potenzial, eine langlebige, erfolgreiche Milchkuh zu werden. Trotzdem geschieht die Kälberaufzucht leider immer noch auf vielen Betrieben nebenbei. Zuletzt zeigte dies eine nicht repräsentative Umfrage unter Tierärzten der Fortbildungsveranstaltung CattleCamp im September 2019. Nicht weniger als fünf Prozent der Tierärzte haben Betriebe in ihrem Kundenstamm, die fortlaufend die Kolostrumqualität monitoren sowie auch den Übergang der Antikörper im Blut der neugeborenen Kälber in der ersten Lebenswoche überprüfen. Die gleiche Antwort wurde auf die Feststellung der Tageszunahmen bis zum Absetzen gegeben.

Genau an dieser Stelle greift das Projekt „KälberKompass“ an. Detailliert wird die Entwicklung der Kälbergesundheit und der Kälberentwicklung von rund 30 teilnehmenden Betrieben dokumentiert. Ziel ist es, dass am Ende des ca. zweijährigen Projektes allein durch die Dokumentation und Motivation der Aufzeichnungen und der damit gewonnenen Erkenntnisse die Kälbergesundheit nachhaltig verbessert wird.

Im Moment werden noch kaum Daten ermittelt und dokumentiert, die zu einer nachhaltigen Kälberaufzucht notwendig wären. Während der Landwirt selbst die Biestmilchqualität mittels Glasspindel oder eines Brix-Refraktometers zuverlässig und einfach bestimmen kann, wird derzeit selten der Hoftierarzt beauftragt, das Kolostrummanagement mittels Blutproben zu überprüfen. Auch die Ermittlung des Geburtsgewichts und das Monitoren der Gewichtszunahme eines Kalbes wird nur sehr sporadisch und vereinzelt durchgeführt. Aber gerade diese Informationen, die dem Landwirt viele gute Hinweise liefern könnten und deren Umsetzung sich positiv auf das ganze Kuhleben auswirken könnte sind es die erhoben werden müssen.

Der Grund für die fehlende Datenbasis ist wie so oft die fehlende Zeit. Sei es für die Erhebung oder die intensive Auswertung.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass den Landwirten nicht bewusst ist, wie wichtig diese Daten sind und viel mehr vitale Kälber er dadurch erhält.

Das Projekt KälberKompass setzt genau hier an und unterstützt nachhaltig und über einen langen Zeitraum von mind. 2 Jahren.

Die Bedeutung von Kälbergesundheitsreports

Die erstmalige Idee eines Kälbergesundheitsreports stammt aus Kanada. Hier wurden in einem Projekt in 18 Betrieben Daten zur Kälberaufzucht erhoben und mit jedem Teilnehmer ein Interview geführt. Das Ziel war es, mithilfe der Reports die Entwicklung der Kälbergesundheit und der Kälberentwicklung den teilnehmenden Landwirten vor Augen zu führen und dies als Benchmark, als eines Herdenvergleiches mit den übrigen Betrieben des Projektes auszugestalten. Am Ende des zweijährigen Projektes verbesserten zehn Betriebe (rund 60 %) ihre Kälbergesundheit und die täglichen Wachstumsraten. Dies geschah alleine aus Motivationsgründen des Benchmarkings heraus und der Unterstützung der Hoftierärzte. Dieses Beispiel zeigt eindrucksvoll, dass man auch im Kälberbereich einen Statusbericht etablieren kann, der dazu führen soll, dass sich die Betriebe kontinuierlich verbessern. Ein anderes Erfolgsbeispiel kommt aus England. Dort arbeitet Tierarzt Robert ausschließlich mit Kälbern, die sowohl aus der Milchviehhaltung wie auch aus der Mutterkuhhaltung stammen. Er besucht einmal wöchentlich jeden Betrieb, nimmt Blut ab für die Kontrolle der Biestmilchversorgung (Status Totalproteingehalt als Ausdruck des Immunglobulinüberganges von der Biestmilch ins Blut) und ist, wenn möglich, auch beim Wiegen dabei. Müssen Kälber behandelt werden, so werden die Behandlungen in seinem Datenblatt eingetragen. So erhalten der Landwirt und er wichtige Erkenntnisse zum Kolostrummanagement und der weiteren Entwicklung der Kälber.

Aufbau eines Kälberreports in Deutschland

Gemeinsam mit der Universität Gießen und unter Beratung des Tierarztes Dr. Peter Zieger möchten wir mit der KälberKompass diesen Aufbau starten. Das Ziel ist es, einen Report zu entwickeln, der die Dokumentation, die Auswertung sowie die Lesbarkeit so einfach und attraktiv wie möglich gestaltet.

Zum Start werden 20 interessierte Tierarztpraxen mit Ihren Betrieben in der zweijährigen Pilotphase teilnehmen und den Kälberreport (KälberKompass) etablieren.

Diese Parameter werden erhoben:

  • Geburtsgewicht, Gewicht 30. Tag, Gewicht beim Absetzen
  • Kolostrumqualität (in Brix), aufgenommene Menge des Kolostrums
  • Gesamtproteingehalt im Blut, bestimmt in der ersten Lebenswoche
  • Ergebnis Lungenultraschall
  • Durchfallerkrankung, ja/nein, Behandlung?
  • Therapiemaßnahmen

Der Kälberreport soll zwei Zwecken dienen

In der ersten Phase der Etablierung gibt er direkt Einblicke in die Wachstumsleistung und das Kolostrummanagement des Betriebes mit Auflistung der Krankheitsinzidenzen. Eine regelmäßige Auswertung wird die Möglichkeit bieten, eine erste allgemeine Einschätzung der Kälbergesundheit zu geben sowie auch eine betriebsindividuelle Positionierung. Interessant wird der Report besonders dann, wenn die ersten gemonitorten Kälber in die Milchphase kommen. Dort ist zu erwarten, dass diejenigen Kälber, die am besten mit Kolostrum versorgt wurden, am wenigsten krank waren und auch die meiste Milch in der ersten (und jeder weiteren) Laktation geben. In der Wissenschaft ist dieser Zusammenhang mittlerweile unstrittig bewiesen, auch einige Praktiker beobachten diese „lineare“ Korrelation.

 

Folgende Unternehmen unterstützen den KälberKompass

Beiträge zum Kälber Kompass

Grüezi! Der KälberKompass in der Schweiz

Die Familie Wallimann aus Alpnach (Kanton Obwalden) hält aktuell 47 Braunviehkühe mit einer Tagesmilchleistung von gut 35 kg bei (4,1% Fett/3,8% Eiweiss). Michael Wallimann, der Betriebsleiter hat vor drei Jahren im neuen...

Mit viel Innovationskraft und Zahlen ans Ziel

Kennen Sie schon den KälberKompass? 30 Betriebe in Deutschland und dem benachbarten Ausland messen, wiegen und dokumentieren in ihrer Kälberaufzuchtphase, begleitet von Kälberexperten aus der Praxis und Forschung. Einen ersten Erfahrungsbericht finden Sie hier!