In Frankreich soll eine Impfkampagne die weitere Ausbreitung der Lumpy-Skin-Krankheit (LSD) bremsen. Wie das Landwirtschaftsministerium mitteilte, hat sich der Nationale Rat für Tier- und Pflanzengesundheit (CNOPSAV) bei einer Sondersitzung auf das weitere Vorgehen beim Kampf gegen die Tierseuche verständigt. Demnach soll bereits in der kommenden Woche in den von Ausbrüchen betroffenen Sperr- und Überwachungszonen mit der Immunisierung der Rinder begonnen werden. Die Vakzine hat das Ministerium nach eigenen Angaben bereits unmittelbar nach dem am 29. Juni bekannt gewordenen ersten Nachweis der LSD in Frankreich bei der EU-Kommission bestellt. Fachleute schätzen den Bedarf in der betroffenen Region auf 350.000 Impfdosen.
Mit dem Segen des CNOPSAV fortgeführt wird die bisherige Praxis, um betroffene Herden Sperr- und Überwachungszonen einzurichten. Außerdem sollen die Tierhalter „umfassend und nach ihren individuellen Bedürfnissen“ unterstützt werden; dazu sollen neben Finanzhilfen auch psychologische Beratungsangebote gehören. Unterstützt hat das Gremium letztlich auch die Keulung der betroffenen Herden. Das Vorgehen ist allerdings unter den Tierhaltern sehr umstritten. Der kleinbäuerlich orientierte Landwirtschaftsverband Confédération Paysanne (Conf’) enthielt sich aus diesem Grund bei der Abstimmung über das weitere Vorgehen. Die Vertreterin des kleineren Landwirtschaftsverbandes Coordination Rurale (CR), Natacha Guillemet, hat sich Medienberichten zufolge von den Argumenten der Wissenschaft überzeugen lassen und entgegen der Position ihres Verbandes zugestimmt. Laut den Fachleuten soll es bei den Infektionstests zu einer vergleichsweisen hohen Anzahl von falsch-negativen Ergebnissen kommen.
Nun droht Guillemet allerdings Ungemach aus ihrem Verband. Medienberichten zufolge hat ihr CR-Präsidentin Véronique Le Floc’h bereits mit Ausschluss gedroht. Für die Tierhalter stehe viel auf dem Spiel, daher müssten ihre Anliegen „bis zum bitteren Ende“ verteidigt werden, so die Verbandschefin. Zuvor hatte der Generalsekretär der CR, Christian Convers, das Ende der Keulungen verlangt. Aus seiner Sicht wird mit der derzeitigen „radikalen“ Praxis weit über das Ziel hinausgeschossen. Mit Blick auf den Seuchenzug des „Rinderwahns“ mahnte Convers, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Nach Ansicht des Verbandes ist es zur Bekämpfung der LSD ausreichend, betroffene Herden einzustallen und ausschließlich Rinder mit klinischen Symptomen zu töten. Der CR fordert zudem, die Anzahl der eingesetzten Veterinäre „massiv“ aufzustocken, um die Landwirte besser zu unterstützen und engmaschigere Kontrollen zu ermöglichen.
Italienisches Festland ohne neue Nachweise
Der erste Nachweis des aktuellen Seuchenzuges der LSD erfolgte am 21. Juni auf Sardinien. Wenige Tage später wurde ein Ausbruch in der Lombardei auf dem italienischen Festland bekannt, das positiv getestete Tier stammte aus einer der zuvor aus Sardinien gemeldeten Haltungen. Am 29. Juni wurde im an der östlichen Landesgrenze gelegene Département Savoie der erste Ausbruch in Frankreich registriert.
Zum 16. Juli waren in Frankreich nach Angaben des Pariser Agrarressorts insgesamt 26 Nachweise der LSD erfolgt. Davon 17 in der Gemeinde Entrelacs im Savoie und 9 im benachbarten Département Haute-Savoie, dort sind bislang 4 Gemeinden betroffen. In Italien hat es nach Angaben der Plattform
für Tiergesundheit (ESA) bislang keinen weiteren Fall auf dem Festland gegeben. Auf Sardinien wurden zwischen dem 1. und dem 7. Juli vier weitere betroffene Herden gefunden, laut ESA alle in der Nähe des ersten Ausbruchs.






























