Die Tierärztliche Praxis Rothenburg GbR ermöglicht einer ihrer Assistentinnen den Weiterbildungslehrgang „Tiergesundheitsmanagement“ an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. In einem Interview mit der MilchPraxis Vet berichtet eine der drei Praxisinhaber, Frau Dr. Birgit Scholz, von ihren Erfahrungen aus der Sicht der Arbeitgeber.
MilchPraxis Vet: Welche Vorteile sehen Sie als Arbeitgeberin, Ihrer Angestellten das Studium zum Tiergesundheitsmanager zu ermöglichen?
Scholz: Diese Weiterbildung unserer Mitarbeiterin zu ermöglichen, ist gewinnbringend für alle Beteiligten:
- Unsere Mitarbeiterin arbeitet nun mit sehr viel mehr landwirtschaftlichem Wissen und Selbstbewusstsein auf den Milchviehbetrieben als zuvor. Sie kann jetzt auf Augenhöhe mit den jungen, gut ausgebildeten Landwirten unserer Region sprechen. Da der landwirtschaftliche Background häufig Tiermedizinern fehlt und gleichzeitig dieses landwirtschaftliche Hintergrundwissen in der bestandsbetreuenden Nutztierpraxis zunehmend wichtiger wird, sehen wir diese Investition als einen wichtigen zukunftsweisenden Schritt.
- Wichtig ist auch das Netzwerk, das unsere Mitarbeiterin und dadurch auch die ganze Praxis durch das Studium erhält. Die Verbindung zu der agrarwissenschaftlichen Fakultät ist nun viel stärker und davon können wir alle profitieren.
- Auch bei unserer Kundschaft stößt die Weiterbildung auf eine gute Resonanz. Sie schätzen es, dass wir unsere MitarbeiterInnen gut ausbilden. Gerade die junge, gut ausgebildete Generation von Landwirten erwartet eigentlich schon von ihrem Tierarzt, dass er sich mindestens ebenso gut auskennt in Rationsberechnung, Futterkonservierung etc. wie der Milchviehhalter.
- Für uns als bestandsbetreuende Tierarztpraxis ist dieser Wissenszuwachs sehr gewinnbringend. So schaffen wir regelmäßig Gelegenheiten, wo Frau Steidtmann von ihrer Fortbildung berichtet und unser Team mit „ins Boot holt“. Das ist eine große Bereicherung, die wir grundsätzlich bei jeder Fortbildung von unseren MitarbeiterInnen erwarten.

MilchPraxis Vet: Wie haben Sie es mit der Finanzierung gehandhabt?
Scholz: Grundsätzlich haben alle unsere MitarbeiterInnen ein Fort- und Weiterbildungsbudget, welches sie in Anspruch nehmen können. Frau Steidtmann hatte den Vorteil, dass Sie ein Stipendium für den Tiergesundheitsmanager erhalten hat. Die darüber hinaus gehenden Kosten können zu großen Teilen durch das praxisinterne Fortbildungskonto übernommen werden. Grundsätzlich sehen wir als Praxisgemeinschaft Fort- und Weiterbildungen immer als wichtige Instrumente an, gut ausgebildete MitarbeiterInnen zu haben, in deren Zukunft wir gerne investieren und uns als Arbeitsplatz attraktiv zu gestalten. Wichtig für den Teamgeist ist dabei allerdings auch, dass Fortbildungsmöglichkeiten transparent vergeben werden. Damit meine ich, dass wir alle MitarbeiterInnen über alle Fortbildungsmöglichkeiten informieren. So haben wir bereits vor dem ersten Studiendurchlauf vom Tiergesundheitsmanager das gesamte Team über diese großartige neue Möglichkeit der Weiterbildung informiert. Wichtig ist zu organisieren, dass das in der Praxis verbleibende Team keine Nachteile hat, wenn ein Kollege/eine Kollegin eine Fortbildung besucht. Eine gute Planung und großzügige personelle Situation sind unabdingbar, damit die weiterbildungsbedingte Abwesenheit eines Mitgliedes für das restliche Team nicht bedeutet, wochenweise durchzuackern.
MilchPraxis Vet: Diese Antwort führt mich auch zu meiner nächsten Frage: Inwiefern konnte Ihre Mitarbeiterin das
Studium Tiergesundheitsmanagement und ihre Tätigkeit in der Praxis miteinander vereinen? Mussten Sie als Arbeitgeber Zugeständnisse machen?
Scholz: Frau Steidtmann hat weiterhin ihre Vollzeit-Arbeitsstelle mit 40 Stunden pro Woche ausgeführt. Das ist im letzten halben Jahr gut gelaufen. Vertraglich haben wir allerdings vorab festgelegt, dass beide Seiten in gegenseitigem Einvernehmen
die Stundenzahl kürzen können, wenn wir bemerken, dass eine Überlastung bei Frau Steidtmann auftreten sollte. Dieser Fall ist bisher nicht eingetreten. Das liegt zum einen daran, dass wir in der Großtierarztpraxis sehr gut mit Arbeitskräften ausgestattet sind und wir durch das Führen von Arbeitszeitenkonten exakt die vorgegebenen Arbeitszeiten einhalten können. Wenn doch mal mehr Arbeitsvolumen auftreten sollte, können und müssen wir als selbstständige Praxisinhaber diese Arbeitsspitzen ausgleichen. Dies ist die einzige Möglichkeit, arbeitsrechtlich sauber zu arbeiten, und das ist auch unser Selbstverständnis.

Zum anderen ist es von Vorteil, dass wir unsere Dienstpläne ein Jahr im Voraus erstellen. Dadurch konnten wir zusammen mit Frau Steidtmann die Arbeitszeiten so planen, dass sie an den angesetzten Präsenzterminen in Weihenstephan oder auch bei den Onlineveranstaltungen dienstfrei hatte. Eine Herausforderung stellen zugegebenermaßen geänderte bzw. verschobene Veranstaltungstermine dar, welche eine große Portion guten Willens bei allen Beteiligten voraussetzen. Bisher hat dies jedoch gut geklappt und wir mussten als Arbeitgeber nur wenig umorganisieren.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine gute Organisation, eine gute Kommunikation zwischen allen Beteiligten und ein gut bestücktes Praxisteam es ermöglichen, seinen MitarbeiterInnen auch eine so umfassende Weiterbildung wie den Tiergesundheitsmanager zu ermöglichen. Nicht zu vergessen ist der hohe Motivationsgrad von Frau Steidtmann, welche beide Aufgaben seit dem letzten Jahr gut bewältigt. Dazu trägt sicher bei, dass die große Praxisausrichtung des Studiums sie täglich in ihrer Arbeit bestätigt, dass es sich lohnt, dieses Studium zu machen.
MilchPraxis Vet: Welche Studieninhalte des Tiergesundheitsmanagers sehen Sie als besonders relevant für die Nutztierpraxis an?
Scholz: Deutlich sehen wir das in den Kompetenzen der Rationsgestaltung und dem generellen Fütterungsmanagement. Aber auch die betriebswirtschaftlichen Inhalte, Unternehmensführung sowie Kommunikation schlagen jetzt schon in unserer Praxis durch Frau Steidtmann zu Buche.
MilchPraxis Vet: Würden Sie den Masterstudiengang Tiergesundheitsmanagement weiterhin Ihren Arbeitnehmern ermöglichen?
Scholz: Wir haben bisher nur positive Erfahrungen mit diesem Angebot gemacht und halten diesen Studiengang für einen wichtigen Impuls für die Nutztierpraxis. Insofern können wir ihn als Arbeitgeber nur empfehlen und werden es auch weiterhin unseren MitarbeiterInnen ermöglichen, daran teilzunehmen. Der Nutzen ist sehr groß und im Vergleich dazu ist der Einsatz von Arbeitgeberseite überschaubar. Wir beobachten bei unserer Mitarbeiterin, dass diese Weiterbildung berufsbegleitend mit dem dementsprechenden Einsatz zu schaffen ist, und so dürfen gerne andere TierärztInnen aus unserer Praxis nachziehen.
Der Masterstudiengang „Tiergesundheitsmanagement“ ist ein Weiterbildungsangebot der Hochschule Weihenstephan- Triesdorf an TierärztInnen. Das Ziel ist eine interdisziplinäre und praxisbezogene Vertiefung und Erweiterung von Kompetenzen im Management von Rinder-, Schweine- oder Geflügelherden sowie in der Beratung auf der Grundlage eines vorausgehenden Studiums der Tiermedizin. Der Masterstudiengang ist auf vier Semester ausgelegt und kann berufsbegleitend studiert werden. Weitere Informationen zu diesem besonderen Studiengang erhalten Sie auf der Internetseite der Hochschule.






























