Das Melken bindet viel Arbeitszeit und Arbeitskräfte sind auf den Milchviehbetrieben in der Regel knapp. Die Entscheidung für das passende Melksystem nimmt eine Schlüsselrolle ein, wenn es um die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftszweiges Milcherzeugung auf dem Betrieb geht. Wir stellen hier einen Praxisbetrieb vor, der sich für das Batch-Milking entschieden hat.
Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 3/2024 der Milchpraxis.
Wolfgang Brand stand vor gleich mehreren Herausforderungen: Wie soll der Generationswechsel auf dem Agrarbetrieb Agrarprodukte Altreetz eG mit ihren 680 Kühen an drei Standorten gelingen? Der alte Doppel-10er Side-by-Side-Melkstand war in die Jahre gekommen und musste ersetzt werden. Zudem sollte das Melken auf einen Standort konzentriert werden. Brand, der die Geschäfte der Agrargenossenschaft in der Nähe von Bad Freienwalde im Landkreis Märkisch-Oderland seit vielen Jahren führt, verknüpfte mit der Entscheidung über eine neue Melktechnik auch die Fragestellungen, wie das Tierwohl weiter verbessert werden und gleichzeitig ein moderner Arbeitsplatz entstehen kann.

Die Kühe werden in Altreetz genau wie in den anderen beiden Betriebsstätten in alten DDR-Typenställen gehalten. Diese waren ursprünglich für die Anbindehaltung konzipiert worden. Die Ställe wurden entkernt und werden heute als Liegehallen mit Stroheinstreu genutzt. Alle Ställe haben Außenausläufe, teilweise mit Liegeflächen aus Stroh, und außenliegende Futtertische. Alle drei Tage wird ausgemistet. „Mist hat für uns viele Vorteile, vor allem bei der Ausbringung und der Humusversorgung unserer Flächen“, sagt Brand. Auf rund 1950 ha wird Ackerbau mit den Schwerpunkten E-Weizen, Raps und Sonnenblumen betrieben. Der Betrieb verfügt über 50 ha Grünland, das zur Heugewinnung genutzt wird. Für die Kühe werden zudem Silomais, Futterroggen als Basis für Ganzpflanzensilage und Luzerne angebaut.
Automatisch Melken zu festen Zeiten
Ein Stallneubau für die Kühe an einem der drei Standorte stand nicht zur Debatte. „Wir haben nach einem Konzept gesucht, das uns das Melken an einem Standort ermöglicht“, erklärt der Geschäftsführer. Da es immer schwieriger wurde, Melkpersonal zu bekommen, war auch der Umstieg auf Melkroboter eine Option. Durch die vielen Gebäude war es aber nicht möglich, die Roboter in den Stallungen zu installieren. Das Konzept des Batch-Milkings, das Lemmer-Fullwood anbietet, hat Brand genauso wie seine Herdenmanagerin Rebecca Harnack überzeugt. Hier übernehmen Melkroboter das Melken, die im Halbkreis in einem zentralen Melkhaus angeordnet sind. Die Kühe werden wie bei einem herkömmlichen Melkstand in einen Wartebereich getrieben und anschließend in den automatischen Melksystemen gemolken. „Das Batch-Milking-System hat viele Vorteile. Die Arbeitsabläufe haben sich für die Kühe und die Mitarbeiter nicht verändert. Wir sehen die Kühe nach wie vor zweimal am Tag, wenn sie zum Melken gehen. Und wir haben nur so viel Roboter eingebaut wie nötig“, erklärt Harnack.
„Wir haben uns für den Neubau eines Melkhauses entschieden, um keine Platzkompromisse eingehen zu müssen“, so Brand. Es wurde ein Planungsbüro beauftragt, das bereits eine ähnliche Anlage gebaut hatte. Seit zwei Jahren wird in dem neuen Gebäude gemolken, nach einer Bauzeit von 13 Monaten und einer ebenso langen Planungszeit. Mit der Inbetriebnahme des neuen Melksystems wurde auch der Betrieb umstrukturiert. Am Standort in Altreetz stehen jetzt nur noch die laktierenden Kühe. In Neureetz am zweiten Standort befinden sich nun alle Trockensteher und die Kälber. Die Kühe kalben dort ab und werden die ersten Tage im alten Melkstand gemolken, bevor sie nach Altreetz wechseln. Am dritten Standort in Paulshof findet die Jungrinderaufzucht statt.
„Die Kühe haben sich sehr schnell an das automatische Melken gewöhnt“, erinnert sich die Herdenmanagerin. Zwölf Melkroboter sind installiert, Reserveplätze für zwei weitere Roboter sind bereits vorgesehen. Die rund 560 laktierenden Kühe werden zweimal täglich gemolken. Die erste Schicht beginnt morgens um 3 Uhr, die zweite um 15 Uhr. Der Wartebereich vor den Robotern fasst 140 Tiere. 70 bis 80 Kühe können in einer Stunde gemolken werden. „Wir holen die Kuhgruppen so, dass die Kühe maximal eine Stunde warten müssen“, so Harnack. Jeweils zwei Mitarbeiter übernehmen eine Schicht – ein Melker, der den Melkprozess überwacht und die Kühe holt, sowie eine Person, die sich die Pflege der Liegebereiche kümmert. Die aktuelle Milchleistung liegt bei 32,5 l pro Tag, die jährliche Durchschnittsleistung pro Kuh beträgt 9.800 kg Milch bei 4 % Fett und 3,5 % Eiweiß. Auch die Färsen gewöhnen sich schnell an den Roboter. „Wir melken immer dienstags und donnerstags neue Kühe ein, die vom anderen Standort kommen. Der Roboter braucht sieben bis zehn Tage, um eine neue Kuh vollständig kennenzulernen“, erklärt Harnack. Sie schätzt die Möglichkeit, im Roboter die Kühe auch manuell ansetzen zu können. Das erleichtert das Melken von Kühen mit schwierigen Eutern.
Einzeltierdaten zur Gesundheitsüberwachung
Mit der Umstellung auf die Melkroboter hat auch eine umfangreiche Datenerfassung für jede Kuh Einzug gehalten. Die Bewegungsaktivität der Tiere wird über Pedometer erfasst, und in den Melkrobotern werden neben Milchmenge und Milchinhaltstoffen auch die Leitfähigkeit der Milch auf Euterviertelbasis erfasst. „Dadurch haben wir die Möglichkeit, sehr frühzeitig gesundheitliche Störungen zu erkennen und die Tiere schnell zu behandeln“, sagt die Herdenmanagerin. Ihr Arbeitstag beginnt mit einem Blick in die Daten und Alarmlisten. Über die Selektion nach dem Melken werden alle Kühe, die entweder vom Roboter als nicht vollständig gemolken oder mit Auffälligkeiten hinsichtlich der Eutergesundheit gemeldet wurden, sowie die Kühe, die am PC zur Besamung, Behandlung oder zum Trockenstellen gekennzeichnet werden, in einen Selektionsbereich geleitet.
Der Kontakt zu den Kühen ist durch das automatische Melken nicht schlechter geworden, im Gegenteil. „Durch die Datenerfassung haben wir sehr viele Informationen zu den einzelnen Tieren“, sagt Harnack. Die Kühe sind ruhig und stehen gelassen im Wartebereich. Die Melkroboter arbeiten durch die Elektromotoren sehr leise. Die geringe Lärmbelastung schätzen nicht nur die Tiere, sondern auch die Mitarbeiter. Durch die moderne Melktechnik fällt es der Agrargenossenschaft leichter, Arbeitskräfte für den Stall zu gewinnen. „Wir brauchen niemanden mehr, der Melken kann, sondern Arbeitskräfte mit einem gewissen Technikverstand und Tierliebe“, verdeutlicht Harnack. „Damit sind wir auch für Quereinsteiger als Arbeitgeber interessant.“
Wer sich für den vollständigen Beitrag zum Thema Melkkonzepte für die Zukunft interessiert, sollte einen Blick in die aktuelle Ausgabe der Milchpraxis 2/2024 werfen. Hier können Sie sich für ein kostenloses Probeabo registrieren.
Den ganzen Artikel lesen Sie in der Milchpraxis 2/2024.




























