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My KuhTube – Milcherzeuger drehen “kuhle” Videos

Der Kontakt zwischen Landwirten und Verbrauchern ist unabdinglich. Um dem Nicht-Landwirt einen besseren Einblick in den Alltag eines Milcherzeugers zu geben, wurde das Projekt My KuhTube ins Leben gerufen. Namentlich ähnlich dem großen Videoportal YouTube ist My KuhTube ein Projekt, das allein durch Videos spricht. Verschiedene Milcherzeuger drehen Videos rund um die Kuh, um Außenstehenden einen Einblick in den Kuhstall zu ermöglichen.

Bild: My KuhTube.

Die Aktion und ihre Entstehung

Als Nicht-Landwirt in einen Kuhstall zu spazieren, um sich die Abläufe anzuschauen, ist nur bei wenigen Milchviehbetrieben möglich. Um genau dies zu ermöglichen, hat die die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V. im Jahr 2013 das Projekt My KuhTube ins Leben gerufen. Mit knapp 20 Milchbauern aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein werden wöchentlich zwei Videos veröffentlicht, die verschiedene Themen rund um den Kuhstall behandeln. So soll den Verbrauchern die Möglichkeit gegeben werden, die Landwirtschaft zu verstehen, ein realistisches Bild der Milchviehwirtschaft zu erhalten. Zudem soll auf diese Weise das Vertrauen zwischen Milcherzeuger und Verbraucher wieder hergestellt werden. Zudem wird versucht mit dem Projekt, die Wertschätzung des Lebensmittels Milch und die daraus erzeugten Produkte zu steigern.

Zu jedem der Milchbauern gibt es ein Vorstellungsvideo. Außerdem sind die Eckdaten des Betriebes veröffentlicht. Eine Karte zeigt detailliert die Standorte der Milcherzeuger – so kann der Verbraucher die unterschiedlichen Videos direkt den Standorten zuordnen. Die Milchbauern selbst haben zu Beginn des Projektes lediglich ein Crash-Kurs zur Erstellung von Videos bekommen. So behält jedes Video seinen eigenen Charme.

Alle Videos sind in unterschiedliche Kategorien eingeteilt. So gibt es acht Oberkategorien: Die Kuh, vom Kalb zur Kuh, Verhalten, Kuhkomfort, Milch und Milchprodukte, Der Beruf „Milchbauer“, Technik auf dem Hof und das Land- und Hofleben. Zusammen mit den jeweiligen Unterkategorien stehen dem Verbraucher 33 unterschiedliche Themen zur Verfügung. Das erste Video wurde im Mai 2013 veröffentlicht. Mittlerweile stehen jedem, der sich für das Projekt interessiert, 695 Videos zum Ansehen bereit.

KuhTube und seine Rechweite

Die Videos sind über die eigene Website, aber auch über YouTube aufrufbar. Bereits 59.300 Abonnenten erfreuen sich über das Material auf dem YouTube Kanal des Projektes. Insgesamt wurden mit den Videos bereits über 27 Millionen Menschen erreicht. Auch auf den sozialen Netzwerken wie Instagram, TikTok und Facebook ist das Projekt vertreten – hier gibt es z.B. Einblicke in Outtakes der Videos. Auf allen genannten Netzwerken gibt es aktuell 13.000+ Abonnenten, die durchgehend mit aktuellem Content versorgt werden. Bereits in dem ersten Quartal des Jahres 2021 konnte My KuhTube mit seinen Beiträgen 5,2 Millionen Menschen erreichen.

Das Projekt konnte zudem im Jahr 2015 den Deutschen Agrarmarketingpreis in der Rubrik Dienstleistung für sich gewinnen. Im Januar 2020 freute sich das Team über den agrarheute digital future award in der Rubrik „Digitales Team“.

KuhTuber Thorsten

Jeder filmemachende Milcherzeuger hat seinen eigenen Stil. Sie selbst nennen sich „KuhTuber“ und schaffen mit ihren Videos eine lustige, informative Basis für jeden Nicht-Landwirt. So stellt der KuhTuber Thorsten aus der Mittelweser Region seine neue „Kakao-Kuh“ vor. In rund zwei Minuten geht er für seinen Sohn Ole auf die Spurensuche nach dem Kakao im Melkstand.

KuhTuber Thorsten und seine neue Kakao-Kuh./ Quelle: YouTube, My KuhTube

KuhTuber Helmut

Doch auch kritische Videos sind auf der Website verfügbar. Der Unternehmer Helmut aus dem Landkreis Gifhorn berichtet über den Abriss eines Windrades aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage – trotz voller Funktionsfähigkeit muss es abgerissen werden, da es sich nicht mehr rentiert. Diese Situation setzt er in seinem knapp dreiminütigen Video in Vergleich zu der Situation vieler Milcherzeuger.

KuhTuber Helmut berichtet über den Abriss eines Windrades. / Quelle: YouTube, My KuhTube

Ein Musikvideo im Kuhstall

Natürlich bleibt auch die Corona-Pandemie nicht unkommentiert. In einer Kooperation mit der Sängerin SOBI veröffentlichte das Milchland Niedersachsen und die Akteure von My KuhTube im Rahmen des Projektes „Kuhltur im Stall“ ein Musikvideo, das in einem Kuhstall gedreht wurde. Premiere hatte der Song „Pearl“ im Februar. Hintergrund dieser Aktion ist die aktuelle Situation der Kulturszene.

Sängerin SOBI mit ihrem Musikvideo zu dem Song Pearl. / Quelle: YouTube, My KuhTube

My KuhTube Kids

Neben dem Angebot für Erwachsen, gibt es auch einen extra Kanal mit Material für Kinder. My KuhTube Kids informiert über das Leben von Kühen, Milchbauern und die Entstehung unterschiedlicher Milchprodukte. Das Format ist extra für Kinder ausgerichtet. Die Videos werden von der zehnjährigen „Reporterin“ Vitoria geleitet. Sie besucht verschiedene Milchbetriebe und holt sich die Antworten auf ihre Fragen direkt vom Erzeuger. Hier werden Themen wie das Wiederkauen, die Kälberaufzucht, das Melken und So leben Kühe von ihr behandelt. Jedes Video ist circa fünf Minuten lang.

Neben den Informationen auf dem Kanal gibt es auch noch ein Quiz und weiteres Lehrmaterial für die Kleinen.

Reporterin Vitoria erklärt, wie Kühe leben. / Quelle: YouTube, My KuhTubeKids