Die EU-Kommission hat ein niederländisches Extensivierungsprogramm für den Milchviehsektor zur Senkung der Emissionen von Treibhausgasen und Ammoniak genehmigt. Für die kommenden fünf Jahre steht dafür ein nationales Budget von insgesamt 627 Mio. Euro zur Verfügung. Davon sind 615,7 Mio. Euro für die Unterstützung von Milchkuhhaltern vorgesehen, die ihren Tierbestand über einen Zeitraum von drei Jahren freiwillig verkleinern wollen. Nach Angaben der Brüsseler Behörde soll damit zugleich ein Übergang zu weniger intensiven Produktionssystemen erleichtert werden. Für Verwaltungskosten sind 11,3 Mio. Euro eingeplant.
Wie aus einem Brief des niederländischen Landwirtschaftsministers Jaimie van Essen an die Zweite Kammer hervorgeht, beginnt die Antragsfrist für die betreffende „Subsidieregeling extensivering melkveehouderij“ (SEM) am 1. Juni und endet am 29. Juli 2026. Die Mittel werden nach dem Windhundprinizip vergeben. Teilnehmende Milchviehhalter verpflichten sich, ihren Kuhbestand gegenüber dem Durchschnitt des Jahres 2025 um 10 bis 20 % abzustocken. Diese Vorgabe ist innerhalb von vier Wochen nach Erhalt der Förderzusage umzusetzen. Im Gegenzug erhalten die Landwirte über drei Jahre eine Entschädigung für ihren Einkommensausfall in Höhe von 1.606 Euro pro Kuh und Jahr.
Entschädigung für Phosphatrechte
Darüber hinaus werden die einzelbetrieblichen Phosphatrechte entsprechend dem jeweiligen Bestandsabbau vollständig aus dem Markt genommen. Hierfür wird eine Entschädigung von 110 Euro je Emissionsrecht für 1 kg Phosphat gewährt, was im Durchschnitt rund 4.802 Euro je Milchkuh entspricht. Nach Ablauf der dreijährigen Extensivierungsphase können die Betriebe ihren Tierbestand zwar wieder aufstocken, aber nur durch den Erwerb oder die Pacht neuer Phosphatrechte. Der aktuelle Marktpreis liegt bei etwa 210 Euro je Recht.
Überdies dürfen Programmteilnehmer ihre Grünlandfläche für die Dauer von drei Jahren nicht verkleinern. Gleichzeitig ist eine Ausweitung der Bestände anderer Weidetiere wie Jungrinder, Schafe, Ziegen oder Pferde in diesem Zeitraum ausgeschlossen. Wer mit neuen Krediten in die Nachhaltigkeit seines Betriebs investieren will, erhält Zinsvergünstigungen von niederländischen Banken.
9.620 Euro Beihilfe je Kuh
Van Essen erwartet, dass sich der nationale Milchkuhbestand durch das SEM landesweit um bis zu 64.000 oder 4 % verringern wird. Wenn der Programmetat komplett ausgeschöpft wird, ergibt sich eine durchschnittliche Beihilfe von 9.620 Euro je Kuh. In der Folge würden die jährlichen Ammoniak- und Treibhausgasemissionen um rund 500 Tonnen beziehungsweise um 300.000 Tonnen CO₂-Äquivalente sinken. Darüber hinaus würden die Phosphatmissionen um bis zu 3.000 Tonnen pro Jahr zurückgehen, rechnete der Minister vor.
Der niederländische Bauernverband (LTO) begrüßte das neue Programm, das mehrere bereits laufende Förderregelungen für den Abbau der niederländischen Nutztierbestände ergänzt. Es wurde von van Essens Amtsvorgängerin Femke Wiersma auf Initiative von sieben Branchenverbänden und -organisationen entwickelt und der EU-Kommission bereits im Juli 2025 zur Genehmigung vorgelegt. Dem LTO zufolge bietet das SEM eine realisierbare Lösung für Milchviehhalter, die durch den zunehmenden Angebotsdruck auf dem Güllemarkt in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind.
Quelle: AgE (16/2026)


































