Rinder sollten wieder stärker auf der Weide und mit regional erzeugtem Grünlandfutter versorgt werden. Auf solche Weise erzeugte Milchprodukte müssten wirtschaftlich vergütet und gefördert werden, lautet das Fazit der Studie „Dauergrünland für Lebensmittelerzeugung, Natur- und Klimaschutz in Wert setzen“. Zu diesem Ergebnis kam Prof. Friedhelm Taube, der diese Studie im Auftrag des Wissenschaftlichen Beirats Natürlicher Klimaschutz erarbeitet hat und Ende Mai veröffentlichte.

Dauergrünland nimmt in Deutschland mit rund 4,3 Mio. ha etwa 30 % der landwirtschaftlichen Fläche ein und ist damit eine zentrale Ressource für die Milch- und Rindfleischerzeugung. Etwa die Hälfte der Flächen wird intensiv für die Milchproduktion genutzt.
Grünlandböden speichern deutlich mehr Kohlenstoff als Ackerböden (ca. 15–30 t/ha zusätzlich). Diese Speicherleistung baut sich vor allem in den ersten Jahrzehnten auf. Gleichzeitig trägt Grünland wesentlich zum Wasser- und Nährstoffschutz bei und ermöglicht die Produktion von Futter ohne Konkurrenz zur menschlichen Ernährung auf Ackerflächen.
Wirkungen der Systeme abwägen
Für Milchviehhalter relevant ist die Frage der Bewirtschaftung. Die Studie kritisiert die Entwicklung hin zu intensiven Milchsystemen mit steigenden Milchleistungen pro Kuh, hohem Einsatz von Maissilage und Kraftfutter sowie sinkendem Grünlandanteil in der Ration. Diese Systeme sind zwar oft klimatisch effizient pro Liter Milch (niedriger CO₂-Fußabdruck), führen aber zu Problemen bei Biodiversität, Nährstoffüberschüssen und Flächenkonkurrenz.
Als Lösung schlägt die Studie einen Paradigmenwechsel hin zu „semi-intensiven Grünlandsystemen“ vor. Konkret bedeutet das:
- Ein Mindestanteil von etwa 70 % Grünlandfutter in der Trockenmasseaufnahme
- Stärkere Nutzung von Kleegras und Leguminosen zur Stickstoffversorgung
- Reduzierter Einsatz mineralischer Düngemittel
- Kombination von Produktivität und Umweltleistungen
Ein wichtiger Punkt ist auch die zukünftige Bewertung von Milch. Durch die Einbeziehung mehrerer Umweltindikatoren könnten neue Markt- und Fördermodelle entstehen, die nachhaltige Produktionsweisen besser honorieren.
Ausblick
Die Studie empfiehlt, Grünland wieder stärker ins Zentrum der Milchproduktion zu stellen. Systeme mit hohem Grünlandanteil bieten langfristig ökologische und gesellschaftliche Vorteile und könnten zukünftig auch wirtschaftlich attraktiver werden – insbesondere, wenn Förderprogramme und Marktmechanismen entsprechend angepasst werden.
Quelle: Redaktion






























