Am 1. August ging in Berlin das Projekt VerLak (Verlängerung der Laktationsperiode und selektives Trockenstellen zur Minimierung des Antibiotikaeinsatzes bei Milchkühen) zu Ende. Knapp viereinhalb Jahre lang haben Landwirte, Fachleute und Wissenschaftler gemeinsam ausprobiert, wie sich der Einsatz von Antibiotika bei Milchkühen senken lässt – zum Beispiel, indem man die Laktationsperiode verlängert und beim Trockenstellen gezielter vorgeht.
Bei der Abschlussveranstaltung wurde deutlich: Ein längeres „Wochenbett“ scheint Kühen und Färsen gutzutun. Sie waren seltener krank und leisteten genauso viel oder sogar etwas mehr. Viele Betriebe berichteten außerdem, dass die neuen Abläufe die Arbeit einfacher machen. Damit diese Beobachtungen sicher belegt werden können, bräuchte es allerdings noch größere und längere Studien.
Wenn Sie neugierig geworden sind und selbst ausprobieren möchten, wie eine kuhangepasste Laktationslänge im Betrieb umgesetzt werden kann – hier finden Sie den Quickstart mit den wichtigsten Schritten und Tipps aus dem Projekt.

Voraussetzungen:
- Allzeitlicher Überblick über die Herde
- Die verlängerte Laktation darf kein Ersatz für ungenügende Fruchtbarkeitsbetreuung sein.
Wie starten?
- Puerperalkontrolle weiterhin zu Beginn der Laktation (Empfehlung: einen Stichtag setzen), um Erkrankungen früh zu erkennen und zu behandeln.
- Laktationslänge individuell an jede Kuh anpassen mit dem tierindividuellen Besamungsstart (TBS).
- Orientierung gibt der TBS-Rechner (über den QR-Code oder über den Link):

https://ifnschoenow.shinyapps.io/TBS-Rechner-dev
- Eingegeben wird der Laktationstag (z.B. zur Brunst), die tägliche Milchmenge der Kuh (möglichst als Mittel der letzten z.B. 7 Tage), ob es eine Jung- oder Altkuh ist und mit wieviel Liter Milch Sie trockenstellen wollen.
- Tasten Sie sich zum Optimum. Im TBS-Rechner lässt sich die Milchmenge zum Trockenstellen in 3 Stufen einstellen (siehe Abb. 1). Anfänger wählen die höchste Milchmenge über „Niedrig mit Reserve“. Auch wenn die angestrebten Milchmengen (in der Klammer angegeben) dicht bei einander liegen, ergeben die drei Wahlmöglichkeiten unterschiedliche Besamungsstarts, die 100 Tage später sein können.
Tipp:
Sollten Sie unsicher sein, nutzen Sie den kalkulierten Besamungsstart aus dem TBS-Rechner zur Orientierung und reduzieren die Wartezeit im eigenen Ermessen.
Wichtig:
Der tierindividuelle Besamungsstart ist ein Stichtag, ab dem die nächste Brunst des Tieres genutzt werden sollte. Der TBS ist kein Besamungstermin.
Hinweis:
Ergibt die Eingabe im TBS-Rechner eine Empfehlung mit wenigen Wartetagen (weniger als die übliche freiwillige Wartezeit) oder es steht in Rot „Berechnung bedingt invalides Ergebnis: Prognostizierte Leistung zum Trockenstellen größer als Eingabeleistung.“, sollten Sie das Tier schnellst möglich besamen, sofern Nachkommen gewünscht sind. Diese Kühe sind für eine verlängerte Laktation ungeeignet.
Bei Einbruch der Milchleistung:
Sollte sich die Milchleistungskurve einer Kuh – z.B. durch Krankheit oder Futterumstellung – ändern, empfiehlt es sich, die Eingabe im TBS-Rechner mit den aktuellen Milchdaten zu wiederholen. Es ergibt sich eine neue Empfehlung, die möglicherweise eine frühere Besamung empfiehlt.
Einfluss der Rasse:
Die Laktationsverläufe ähneln sich zwischen den Rassen (nur die Höhe der Kurven unterscheidet sich), auch wenn der TBS-Rechner auf Kuh-Daten von reinen Milchrassen basiert. Grundsätzlich kommen nur Kühe mit hohen Leistungen für eine Verlängerung der Laktationszeit in Frage. Tasten Sie sich mit den gegebenen Hinweisen an den optimalen Besamungsstart Ihrer Kühe heran.
Herausforderung:
Die Kühe mit späterer Besamung müssen im Blick bleiben. Ideen zur Umsetzung:
1. Strategie: Bei jeder Brunst die TBS-Empfehlung des jeweiligen Tieres kontrollieren, gegebenenfalls eine neue Eingabe mit den aktuellen Melkdaten im TBS-Rechner tätigen. In der Praxis hat sich gezeigt, dass die vielen Eingaben im TBS-Rechner die Fähigkeit fördern, den Besamungsstart zu schätzen. Der TBS-Rechner wurde daraufhin bei betreffenden Personen nur noch zur Kontrolle und Kalibrierung genutzt.
2. Strategie: Vermerk im Herden-Management-Programm anlegen, sodass bei einer Brunst schnell entschieden werden kann. Eventuell kann auch eine Erinnerungsfunktion genutzt werden, die das Tier vorstellt, sollte es keine Brunst zeigen.
3. Strategie: Die Herde in Gruppen aufteilen. Kühe, bei denen mit der Besamung noch gewartet wird, bleiben zusammen bis sie ihren TBS erreicht haben. Gleichzeitig werden diese Tiere hochleistend sein, sodass sich Vorteile für die bedarfsgerechte Fütterung ergeben könnten. Möglicherweise kann das Erreichen des TBS als Referenz zur Futterumstellung genutzt werden, da absehbar ist, wann die Laktation enden wird.






























