Kühe leiden schon ab 20 Grad Celsius unter Hitzestress. BayWa-Tierwohl-Expertin: „Wenn wir Menschen uns im T-Shirt wohlfühlen, wird es Kühen häufig schon zu heiß“. Allein in Bayern leiden Kühe rund 40 Tage im Jahr unter Hitzestress. Mehr als jeder zweite Betrieb in Deutschland schöpft Potenzial an Präventionsmaßnahmen noch nicht aus.
Die erste Hitzewelle des Sommers hat Deutschland im Griff. Auch für die kommenden Tage sagen Metereologen bundesweit Temperaturen weit über 30 Grad Celsius und schwüle Luft voraus. Für viele Nutztiere beginnt die Belastung jedoch deutlich früher: Milchkühe geraten schon bei 20 bis 23 Grad Celsius und mittlerer Luftfeuchtigkeit unter Hitzestress. Dieses Wetter belastet das Wohlbefinden der Tiere und hat häufig wirtschaftliche Folgen für die Landwirte. Obwohl das Bewusstsein dafür steigt, haben viele Betriebe bei der Prävention noch Nachholbedarf.

„Wenn wir Menschen uns im T-Shirt wohlfühlen, wird es den Kühen häufig schon zu heiß“, sagt Dr. Rosemarie Oberschätzl-Kopp, Leiterin des Bereichs Futtermittel/Tier und Tierwohl-Expertin bei der BayWa AG. „Im Durchschnitt eines Jahres leidet eine Kuh in Bayern 600 bis 900 Stunden unter Hitzestress. Das entspricht rund 40 Tagen.“
Hitzestress beeinträchtigt nicht nur das Wohlbefinden der Tiere. Feuchtheißes Wetter hat auch wirtschaftliche Folgen: Kühe fressen weniger, geben weniger Milch und werden anfälliger für Krankheiten. In ausgeprägten Hitzeperioden sinkt die Milchleistung um mehrere Liter pro Tag. Auch Schweine und Geflügel reagieren empfindlich auf hohe Temperaturen.
Nach Einschätzung der BayWa haben bereits viele landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland Maßnahmen gegen zu große Hitze ergriffen. Dennoch besteht weiterhin großer Handlungsbedarf. Rosemarie Oberschätzl-Kopp: „Das Bewusstsein für Hitzestress ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Gleichzeitig sehen wir bei mehr als jedem zweiten Betrieb noch Potenzial, die Bedingungen für die Tiere weiter zu verbessern.“ Oft seien bereits vergleichsweise einfache Maßnahmen wirksam. Dazu gehören eine bessere Durchlüftung im Stall, Ventilatoren, Schattenplätze auf der Weide sowie eine an heiße Tage angepasste Fütterung. Eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel für Kühe ist Wasser. Eine hochleistende Milchkuh trinkt davon bis zu 200 Liter täglich.
Hitzestress wird zunehmend zu einer zentralen Herausforderung der modernen Tierhaltung. Steigende Durchschnittstemperaturen und häufiger auftretende Hitzewellen erfordern neue Konzepte im Stallbau, in der Fütterung und im Betriebsmanagement. „Früher wurden Stallsysteme stärker an den Bedürfnissen des Menschen ausgerichtet. Heute stehen zurecht das Tier und sein Wohlbefinden im Vordergrund. Die Frage, wie wir Tiere effektiv vor Hitze schützen, wird die Landwirtschaft in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen“, so Rosemarie Oberschätzl-Kopp.
Quelle: Pressemeldung BayWa AG






























