Strukturelle Hürden stehen potenziellen Betriebsleiterinnen im Wege.
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer will die Gleichstellung von Frauen in der Landwirtschaft forcieren. Das hat der Ressortchef Anfang März auf der Fachkonferenz „Starke Frauen – Starke Landwirtschaft“ seines Hauses deutlich gemacht. „Frauen spielen eine absolute tragende Rolle in der Landwirtschaft“, betonte Rainer und stellte klar, dass die Landwirtschaft ohne die Frauen keine Zukunft habe.
Rainer zufolge ist die Teilhabe von Frauen zu stärken. Dies sorgt nach seiner Auffassung nicht nur für mehr Gerechtigkeit, sondern schafft auch die Grundlage für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. „Daher ist es mein Ziel, mehr Frauen für die Landwirtschaft zu gewinnen, indem die Rahmenbedingungen verbessert werden und so eine tatsächliche Gleichstellung vorangetrieben und forciert wird“, sagte der CSU-Politiker. Dies sieht er als politischen, aber auch als gesellschaftlichen Auftrag.
Der Minister verwies auf die Landfrauenstudie von 2023, wonach nur 11% der Betriebe hierzulande von Frauen geleitet werden. Die größten Hürden für Frauen sieht Rainer im Zugang zu Kapital und Flächen sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Genau hier müssen wir ansetzen“, betonte er. Es brauche gezielte Maßnahmen, insbesondere mehr Sichtbarkeit erfolgreicher Frauen auch als Vorbilder – in den Verbänden, in der Kommunalpolitik sowie auf allen politischen Ebenen. Darüber hinaus seien Coaching und Mentoring, passgenaue Beratung bei Hofübernahme und Unternehmensgründung sowie mehr starke Netzwerke notwendig. Zudem hält Rainer verlässliche Angebote in der Kinderbetreuung, in der Pflege und einen besseren Nahverkehr im ländlichen Raum für erforderlich, um Frauen zu entlasten.
Strukturelle Hürden abbauen
DBV-Vizepräsidentin Susanne Schulze Bockeloh plädierte dafür, das „Internationale UN-Jahr der Frauen in der Landwirtschaft“ zu nutzen, um nicht nur die Sichtbarkeit der Frauen zu verbessern, sondern um Frauen wirklich auf zentrale Positionen zu heben. Insgesamt 36% der Erwerbstätigen auf den Höfen seien Frauen, aber lediglich 11% seien Betriebsleiterinnen. Dabei arbeiteten die Frauen in vielen Rollen auf den landwirtschaftlichen Betrieben. „Daran sieht man die wirtschaftliche Kraft, die hinter den Frauen steckt – in der Landwirtschaft, auf den Betrieben, im ländlichen Raum“, unterstrich Schulze Bockeloh.
Frauen müssen nach ihren Worten dabei unterstützt werden, dass sie den Mut, aber auch die Möglichkeiten haben, diese landwirtschaftlichen Betriebe zu übernehmen. Auch warf die DBV-Vizepräsidentin die Frage auf, welchen beruflichen Weg Frauen letztlich einschlagen, wenn es etwa ein Viertel weibliche Auszubildende in der Landwirtschaft gibt und wenn fast 50% Frauen ein agrarwissenschaftliches Studium absolvieren, es aber nur besagte 11% an weiblichen Betriebsleitern gibt. Nach ihrer Auffassung sind es strukturelle Hürden, die abgebaut werden müssen, und das „Internationale Jahr“ müsse genutzt werden, um Sichtbarkeit zu schaffen.
Mehr mutige Männer
Die Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes (dlv), Petra Bentkämper, stellte fest, dass sich seit Veröffentlichung der Landfrauenstudie im Jahr 2023 nicht viel getan habe. Es sei gut, dass das Thema Frauen in der Landwirtschaft in diesem Jahr durch die UN in den Fokus rücke. Jedoch reiche dies bei Weitem nicht aus, mahnte Bentkämper. Dieses Jahr müsse genutzt werden; es sei ein klarer politischer Auftrag. „Gleichstellung ist nirgendwo ’nice to have’, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, besonders wenn es um Landwirtschaft und um unsere Ernährung geht“, betonte Bentkämper.
Sie forderte, das vorhandene Potenzial der Frauen zu nutzen und zu „empowern“. Genau dies sei es, was nun notwendig sei. Ebenso brauche es mehr mutige Männer, die an Fachkonferenzen wie die des BMLEH teilnähmen und als Unterstützer der Frauen aufträten. Gleichfalls bekräftigte Bentkämper ihre langjährigen Forderungen, die Leistungen der Frauen in der Agrarstatistik sichtbar zu machen und mehr Frauen in die Kommunalpolitik zu wählen.
Gleichstellung als verbindliche Herausforderung
Mit Blick auf die Ausarbeitung der künftigen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) machte die Generaldirektorin für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung der EU-Kommission, Elisabeth Werner, deutlich, dass die Brüsseler Behörde künftig einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen wolle. Werner zufolge hat die EU-Kommission drei zentrale Hindernisse identifiziert, um Frauen im Agrarsektor besser zu fördern. Dazu gehören laut der Kommissionsbeamtin erstens der Zugang zu Chancen und Anerkennung, zweitens finanzielle Möglichkeiten und Absicherungen und drittens der Zugang zu Ämtern.
Im Vorschlag der Kommission sei die Gleichstellung als horizontales Prinzip fest verankert. Gleichstellung werde damit zur verbindlichen Voraussetzung, und nicht zur freiwilligen Ergänzung. Weiter erinnert Werner an den Vorschlag, dass jeder nationale Partnerschaftsplan mindestens 10% seiner finanziellen Mittel für den ländlichen Raum vorsehen solle. Gefördert werden sollen damit Betreuungs- und Pflegeangebote oder die lokale Infrastruktur inklusive der Mobilität. Die Beamtin sieht hierin eine zentrale Voraussetzung für die wirtschaftliche Teilhabe von Frauen auf den Höfen.
Darüber hinaus bekräftigte Werner das Ziel der EU-Kommission, in der nächsten GAP verpflichtend geschlechtersensible Fördermaßnahmen einzurichten. Darüber hinaus soll insgesamt eine stärkere geschlechtergerechte Haushaltssteuerung umgesetzt werden.
Umsetzung entscheidend
Vom Vorschlag der EU-Kommission, Gleichstellung als horizontales Prinzip zu verankern, verspricht sich die Leiterin des Thünen-Instituts für Betriebswirtschaft, Prof. Hiltrud Nieberg, dass das Thema Frauen an Fahrt aufnimmt. Nach ihrer Einschätzung liegt hierin Potenzial – die entscheidende Frage sei nun aber die der Umsetzung. Es müsse nun evaluiert werden, ob der Anreiz groß genug sei, wie die finanziellen Möglichkeiten aussähen und wie sich letztlich die Bundesländer positionierten – eine deutsche Besonderheit bei der Umsetzung der GAP.
Insgesamt sieht Nieberg einen erheblichen Spielraum bei der nationalen Ausgestaltung der GAP, den der Bund und die Länder nutzen könnten. Sie verwies in diesem Zusammenhang auf den Vorschlag, die flächenbezogene Basisprämie unter anderem differenziert nach Geschlecht auszuzahlen. Nach Einschätzung von Nieberg würde dies aber nur dann mehr Frauen zu einem Einstieg in die Landwirtschaft motivieren, wenn es einen deutlichen Abstand bei den Zahlungen gebe. „Ob der hier durchzusetzen ist, da bin ich mal gespannt“, so Nieberg.
































