Internationale Kälberexperten trafen sich in Kaiserslautern

Die Smart Calf Rearing Conference fand vom 25. bis 28. März auf dem Hofgut Neumühle und am Fraunhofer-Institut in Kaiserslautern statt. Dort trafen sich die weltweit führenden Wissenschaftler und Experten der Kälbergesundheit aus den USA, Kanada, Deutschland und Belgien. Den Aufschlag machte am Samstag der „Neumühler Kälber-Praxistag“, an dem die Landwirte wichtige aktuelle Erkenntnisse für die Praxis mit auf den Weg bekamen. Er war mit 120 Teilnehmern sehr gut besucht. Auf der Konferenz am 27. und 28. März profitierten in erster Linie Tierärzte und Wissenschaftler von den neuesten Studienerkenntnissen rund um die Kälberaufzucht. Über 200 Kongressteilnehmer hatten dabei ein gemeinsames Interesse: Die Gesundheit der Kälber zu verbessern, denn aus gesunden Kälbern werden gesunde und leistungsfähige Kühe. Und gesunde Kälber fördern den Spaß an der Arbeit. Auch das ist ein wesentlicher Aspekt!

Die Rolle des Kolostrums stand bei allen Referenten ganz oben auf der Agenda. Weltweit ist sich die Wissenschaft einig, dass die Rolle des Kolostrums immens ist und in diesem Punkt immer noch großes Verbesserungspotential auf vielen Milchviehbetrieben besteht. Vor allem die Qualität des Kolostrums ist entscheidend, die sich von Tier zu Tier und auch von Betrieb zu Betrieb stark unterscheidet. Die Forscher fanden heraus, dass die Trockenstehzeit die Kolostrumproduktion maßgeblich beeinflusst. Je länger die Trockenperiode, desto mehr Kolostrum bildet die Kuh und auch auf die Qualität des Kolostrums nimmt mit der Länge der Trockenstehzeit kontinuierlich zu. Ebenso wichtig ist die frühzeitige Versorgung der neugeborenen Kälber mit ausreichend Biestmilch, weil sich zum einen die Darmbarriere für die Aufnahme der lebenswichtigen Immunglobuline nach zwölf Stunden schließt und zum anderen ist die Qualität des Kolostrums umso höher, je eher es vertränkt wird.

Ein weiteres Thema, bei dem sich alle Wissenschaftler einig waren, ist die Bedeutung der intensiven Kälbertränke. Sie stellt neben der optimalen Kolostrumversorgung das A und O für eine optimale Entwicklung der Kälber dar. Nur wenn die Kälber Milch in ausreichender Menge erhalten, kann das einzelne Kalb optimal wachsen. Eine restriktive Tränke, bei der jedes Tier nur eine bestimmte Menge pro Mahlzeit erhält, befriedigt nicht den Bedarf der einzelnen Kälber, da jedes Tier durch die unterschiedlichen Körpergewichte auch unterschiedliche Bedürfnisse hat. Nur wenn die Kälber uneingeschränkten Zugang zur Milch haben, können sie so viel aufnehmen, wie ihr Körper bzw. der Stoffwechsel einfordert. Zitat Koch: „Bei einer restriktiven Fütterung verlieren wir Tierwohl und Wachstum.“ Und wenn Kälber satt sind, verhindert das auch gegenseitiges Besaugen.Neben der Bedeutung des Kolostrums hat auch die Transitmilch Auswirkungen auf die Kälberentwicklung. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass sich Kälber, die in den ersten Tagen mit Transitmilch gefüttert werden im Vergleich zum Milchaustauscher besser entwickeln. Das Hofgut Neumühle füttert daher in den ersten fünf Lebenstagen Transitmilch der frisch abgekalbten Kühe an die Kälber.

Wichtig ist zudem eine ausreichend lange Tränkephase und kein abruptes Abtränken, denn das Vormagensystem braucht 12 bis 16 Wochen, um sich so weit zu entwickeln, dass es größere Mengen Raufutter verstoffwechseln kann. Studienergebnisse haben gezeigt, dass die Mägen im Alter von 12 bis 16 Wochen bis zu 87 Prozent ausgebildet sind. Ein weiteres Argument, was uns alle überzeugen sollte, ist das Vorbild Mutter Natur: In der Natur trinken Kälber auch lange Zeit am Euter der Mutter und werden langsam abgesetzt.

Des Weiteren war die paarweise Kälberhaltung ein großes Thema. Das soziale Miteinander spielt eben auch für Tiere eine entscheidende Rolle in ihrer Entwicklung. So zeigten die Wissenschaftler auf, dass die Kälber mehr spielen und miteinander interagieren, gerne nahe beieinander schlafen, mehr zunehmen und sich besser auf verändernde Umweltbedingungen einstellen.

Paarweise Kälberhaltung auf dem Hofgut Neumühle (Bilder: Brammert-Schröder)