Jetzt werden erst einmal die Hinterhofhaltungen erfasst.
In Ungarn und der Slowakei hat es in der letzten Märzwoche zwei weitere Fälle von Maul- und Klauenseuche (MKS) gegeben. Dadurch sind in den Ländern die Sorgen gewachsen, etwa um den Handel, die gesicherte Inlandsversorgung mit Fleisch und Milch sowie um die Seuchenbekämpfung. So blicken die Behörden nun genauer auf nicht gemeldete Hinterhofhaltungen etwa von Rindern und Schweinen. Nicht zuletzt ist die MKS durch die jüngsten Fälle näher an Österreich herangerückt.
So bestätigten die Behörden in Ungarn einen Fall in einem Betrieb mit 3.000 Rindern in Level. Der Ort ist knapp 8 Kilometer entfernt von der Grenze zu Österreich. Dementsprechend reicht die eingerichtete Sperrzone bis nach Österreich hinein. Die Abstände zu den weiteren Ausbruchsorten in Ungarn und der Slowakei betragen 40 Kilometer beziehungsweise 25 Kilometer. Insgesamt verzeichnet Ungarn jetzt zwei MKS-Fälle.
Ebenfalls am Dienstag berichteten die Behörden in der Slowakei von einem vierten MKS-Fall im Land. Der betroffene, 270 Rinder umfassende Tierbestand befindet sich wie die übrigen drei slowakischen Seuchenherde im Bezirk Dunajska Streda und innerhalb der bereits eingerichteten Überwachungszone.
Wichtige Handelspartner machen dicht
Der slowakische Premierminister Robert Fico zeigte sich auf einer Pressekonferenz besorgt. Zwar sei es bislang unmöglich, die Schäden abzuschätzen. Sie könnten aber „astronomische Werte“ erreichen. Die Slowakei und Ungarn fürchten Handelsbeschränkungen für Vieh und Fleisch. Diese wurden bereits von mehreren Ländern umgesetzt, darunter wichtige Handelspartner wie Polen, Österreich und die Türkei.
Auch wenn Agrarprodukte nicht zu den wichtigsten Exportgütern der Slowakei und Ungarns zählen, können diese Beschränkungen zum Beispiel Ungarns Schweinefleischexporteure hart treffen. Sie haben laut Zahlen der ungarischen Regierung in den ersten fünf Monaten 2024 insgesamt 70.000 Tonnen Schweinefleisch im Ausland geliefert. Fico schließt zudem nicht aus, dass das Seuchengeschehen zu einer Verknappung von Milch und Fleisch im Inland führen könnte.
Jetzt muss geschlachtet werden
Landwirtschaftsminister Richard Takác berichtete am Donnerstag, dass die EU-Kommission die Professionalität und Schnelligkeit der slowakischen Schutzmaßnahmen gelobt habe. Die Slowakei hat, ebenso wie Ungarn, unter anderem Schutzzonen eingerichtet sowie Tiertransporte, die Weidetierhaltung und Jagden verboten.
Gleichzeitig räumte Takác ein, dass nicht gemeldete Tierbestände ein ernstes Problem im Kampf gegen die Seuche seien. In Ungarn werden laut der Regierung derzeit die Tiere in Hinterhofhaltungen in der Schutz- und Überwachungszone gezählt. Die Halter sind angehalten, MKS-anfällige Tiere zu schlachten, allerdings nach einer Probenahme. Offiziell gibt es gemäß der Statistik der EU-Kommission in Ungarn 2,802 Millionen Schweine und 870.000 Rinder. In der Slowakei sind es 414.000 Schweine und 417.000 Rinder.
Hilferuf aus Slowakei und Ungarn nach MKS-Ausbrüchen
Sorgen machen vor allem die Handelsbeschränkungen von Drittstaaten.
Nach den jüngsten Ausbrüchen der Maul- und Klauenseuche (MKS) in Ungarn und der Slowakei rufen beide Länder nach Unterstützung aus Brüssel. Beim Agrarrat reklamierten der ungarische Agrarressortchef István Nagy und sein slowakischer Amtskollege Richard Takáčeinerseits Beihilfen aus der EU-Agrarreserve. Gleichzeitig müssten die zuletzt gekürzten EU-Beihilfeprogramme zur Finanzierung von Veterinärmaßnahmen rückgängig gemacht werden. Zudem pochen beide Ressortchefs gegenüber der EU-Kommission darauf, dass die als Reaktion auf die MKS-Ausbrüche von einer Reihe von Drittstaaten pauschal erlassenen Handelsrestriktionen zurückgenommen werden müssen.
Nagy beklagte sich zudem darüber, dass auch eine Reihe von EU-Ländern Beschränkungen gegen Ungarn erwirkt habe. Zur Erinnerung: Erst beim Agrarrat im Januar hatte Bundesagrarminister Cem Özdemir Ungarn vorgeworfen, nach dem MKS-Ausbruch in Brandenburg einseitig und widerrechtlich Handelsrestriktionen gegen Deutschland erlassen zu haben. Das dabei eigentlich anzuwendende Regionalisierungsprinzip sei nicht ausreichend berücksichtigt worden, lautete seinerzeit die Kritik des Grünen-Politikers Richtung Budapest.
Beim Agrarministertreffen sicherte Özdemir Ungarn und Slowaken nun „volle Solidarität“ zu. Bei seinem wohl letzten Agrarratstreffen bot er beiden Ressortchefs Impfdosen aus der deutschen Reserve an. Darüber hinaus forderte er die EU-Kommission auf, die Hilfen besser zu koordinieren.




























