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Stroh-TMR für Kälber

Die Fütterung junger Kälber mit einer Trocken-TMR ist mittlerweile weit verbreitet. Welche positiven, langfristigen Auswirkungen das auf die Tiere hat, lesen Sie im folgenden Artikel.

Ende der 90er Jahre wurden verschiedene wissenschaftliche Arbeiten im Journal of Dairy Science veröffentlicht, die besagten, dass die Fütterung von Silagen an Kälber in der Milchperiode das Wachstum der Pansenzotten behindert. Diese Arbeiten waren der Anfang der Erfolgsgeschichte der Kälber-Trocken-TMR. Die großen Vorteile dieses Fütterungssystems sind die höhere Beifutter-Aufnahme und damit verbunden höhere Tageszunahmen, weniger Probleme mit gegenseitigem Besaugen und verfahrenstechnische Vorteile, wie das Anmischen im Vorrat.

Da Heu zu stark in der Qualität schwankt, hat sich Stroh für die Kälber-TMR bewährt.

Intensive Tränke erfordert hohe Ansprüche an die Fütterung danach

Die Kälberernährung wurde ab 2008 weiter revolutioniert mit der Umsetzung der metabolischen Programmierung (Prof. Kaske, Dr. Kuntz) in der Praxis. Eine Verdoppelung der täglichen Zunahmen während der Tränkephase auf mehr als 1.000 g waren plötzlich problemlos möglich. Das intensive Tränkeverfahren hat mittlerweile aufgrund der großen, vor allem langfristigen Vorteile einen breiten Platz in der Praxis eingenommen. Je intensiver die Kälber getränkt werden, desto höher sind die Ansprüche an die Fütterung im Anschluss an die Tränkeperiode. Der aufkommende Gedanke der Trocken-TMR hat im Vergleich zu der damals verbreiteten Fütterung von Silage, Kraftfutter und Heu einen wichtigen Beitrag zur Intensivierung der Kälberaufzucht geleistet.

Auf vielen Betrieben ist auch heute noch zu sehen, dass die Kälber nach dem Absetzen in ein tiefes Loch fallen. Teuer über Milch erfütterte Zunahmen gehen verloren und die Kälber stagnieren im Wachstum oder verlieren teilweise noch Gewicht. Und dies in einer Lebensphase, in der das Eutergewebe schneller als der restliche Körper wächst. In dieser Phase führt jedes Gramm an Zunahmen zu einer höheren Laktations- und Lebensleistung.

Spätestens ab Beginn der Pubertät gilt es aber, das Energieangebot an den dann niedrigen Bedarf der Tiere anzupassen, um ein Verfetten des Eutergewebes mit allen damit verbundenen Langzeitfolgen (v. a. gravierende Auswirkungen auf die Milchleistung) zu vermeiden. In der Praxis ist hier häufig ein Energiedefizit nach dem Abtränken und eine Überversorgung nach der Pubertät zu sehen.

Kälber entwickeln sich besser

Zurückgehend auf eine Arbeit von Prof. Dusel war in den ersten Jahren die Heu-TMR die Variante der Wahl. Prof. Dusel konnte in seiner Arbeit beweisen, dass mit einer Heu-TMR ein um mehr als 100 g höheres Zunahme-Niveau erreicht werden kann. Die höhere Zunahme ist in dieser Arbeit auf die signifikant höhere Futteraufnahme ab der vierten Lebenswoche zurückzuführen. Weiterhin hat er signifikant höhere Pansengewichte festgestellt.

Die Doktorarbeit von Bardyl (2009) konnte beweisen, dass eine silagefreie Fütterung das Wachstum der Pansenzotten stimuliert. Dies ist die Erklärung für die deutlich höheren Zunahmen in diesem Fütterungssystem.

Aus der Praxis heraus entwickelte sich daraus vor zwölf Jahren der Gedanke der Stroh-TMR bestehend aus:

  • 12 % Stroh
  • 12 % Melasse
  • 30 % Körnermais
  • 18 % Gerste
  • 18 % Soja
  • 10 % Milki Appetito

Die Mischung wird mit sehr großem Erfolg eingesetzt und hat sich mit kleinen Variationsmöglichkeiten bis zum heutigen Tag als erfolgreichste Zusammensetzung gezeigt.

Worauf es bei der TMR ankommt

Voraussetzung ist hygienisch einwandfreies, ausreichend kurzes Gerstenstroh (idealerweise entstaubt). Die sehr konstante Faser des Strohs sorgt durch die Reinigung der Pansen- und Darmzotten für eine ideale Entwicklung der Zotten. Für den gleichen Effekt wäre bei der Heu-TMR ein wesentlich höherer Heuanteil notwendig, der dann aber die Energiedichte und damit die Zunahmen reduziert. Wie Studien von Gasiorek et. al (2020) zeigen, haben sich zwischen 10 und 15 % Stroh als ideal herausgestellt. Bei höheren Faseranteilen geht die Futteraufnahme und damit die Energieaufnahme zurück.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist der für damalige Verhältnisse sehr hohe Anteil an Zuckerrübenmelasse. Hauptziel war es, mit Hilfe der Melasse eine homogene, nicht durch Kälber sortierbare TMR herzustellen. Sobald Kälber selektieren können, fressen vor allem die größeren Kälber vermehrt Kraftfutter, was dann in erster Linie beim Absetzen vermehrt zu Verdauungsstörungen führen kann. Mit kürzerem Stroh, geänderter Befüllreihenfolge (1. Stroh; 2. Melasse; 3. Kraftfutter) oder etwas mehr Melasse kann eine nicht sortierbare Stroh-TMR hergestellt werden. Des Weiteren führt die Zuckermenge zu einer sehr guten Schmackhaftigkeit der Stroh-TMR mit hohen Futteraufnahmen. Physiologisch ist das Kalb in dieser Phase die Verdauung hoher Zuckermengen gewohnt. Im Tier wird aus dem Zucker mehr Butyrat gebildet, wodurch ein intensiveres Zottenwachstum stattfindet. Eine zu niedrige Zuckerversorgung (wie z. B. bei der Verfütterung der Mischration der laktierenden Kühe) hätte hier Nachteile in der Futteraufnahme und im Zottenwachstum.

Das in der Doktorarbeit von Noci Bardyl verwendete Kraftfutter enthielt ebenfalls 10 % Zuckerrübenmelasse. In der Heu-Kraftfutter-Variante nahmen die Kälber freiwillig durchgehend nur 4 % Heu (gehäckselt/strukturreich) auf. Diese geringe Menge reichte für eine ideale Darmzottenentwicklung aus.

Als Eiweißträger ist der Einsatz von Sojaschrot anzuraten. Mischungen mit alleinigem Einsatz von Rapsextraktionsschrot und Mais/Getreideschlempen führen zu geringeren Futteraufnahmen und zu einer Phosphor-Überversorgung mit der Gefahr von Nierensteinen. Des Weiteren besteht aufgrund des niedrigeren DCAB-Gehaltes die Gefahr, dass der Stoffwechsel der Kälber übersäuert.

Bei der Wirkstoffversorgung ist auf eine bedarfsgerechte Versorgung der Kälber zu achten. Da die Trocken-TMR als Alleinfutter eingesetzt wird, müssen hier speziell angepasste Mineralfutter oder Ergänzer zum Einsatz kommen. In der Praxis ist nicht selten eine Überschreitung von gesetzlichen Höchstgehalten festzustellen. Um die Stroh-TMR über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen vor mikrobiellem Verderb zu schützen und höchst schmackhaft zu halten, ist zwingend ein Einsatz von Stabilisatoren erforderlich. Erfolgreiche Ergänzer haben neben den notwendigen Mineralstoffen, Vitaminen und Stabilisatoren noch Wirkstoffe für eine schnellere Zottenentwicklung sowie Geschmackskomponenten enthalten.

Für eine gute Stroh-TMR ist hygienisch einwandfreies, ausreichend kurzes Gerstenstroh notwendig. Fotos: Trouw Nutrition

Das zeigt die Praxis

In der Praxis ist vor allem bei einer intensiven Stroh-TMR-Fütterung (bis zum fünften Lebensmonat) deutlich zu sehen, wie die Kälber ohne Wachstumsknick nach dem Absetzen weiterwachsen. Neben dem Rahmenwachstum nimmt vor allem der Brustumfang zu. Viele Praxisbetriebe berichten, dass ihnen diese frühe Entwicklung der Futteraufnahme lebenslange Effekte auf die Futteraufnahme und die Milchleistung gebracht hat. Die Einsatzleistungen der Färsen streuen wesentlich weniger und die Tiere können ihr genetisches Potential abrufen.

In vielen Betrieben ist es nicht möglich, auf dem Betrieb eine eigene Trocken-TMR anzumischen. Eine ganze Reihe verschiedener regionaler Mischfutterhersteller haben diese Marktlücke erkannt und bieten fertige Mischungen an. In der Tabelle sind verschiedene Mischungsbeispiele aus der Praxis zusammengefasst. Praxisbewährt sind 12 % Stroh in den Mischungen, 15 % sollten nicht überschritten werden. Die Heu-TMR gilt als Alternative, wenn nicht ausreichend qualitativ hochwertiges Stroh auf dem Betrieb vorhanden ist.

Mischungsbeispiele für Trocken-TMR

Fazit

Die Fütterung der Kälber mit einer Trocken-TMR ohne Silagen bis mindestens zwei Wochen nach dem Absetzen von der Milch führt nachweislich zu einem besseren Wachstum der Pansenzotten. Langfristige Effekte zeigen sich bis zum fünften Lebensmonat in der Entwicklung der Tiere. Dabei ist natürlich eine optimale Versorgung mit Wasser sicherzustellen. Die Stroh-TMR unterstützt das System der metabolischen Programmierung, sodass die Kälber fitter sind und hohe tägliche Zunahmen zeigen. Sie neigen weniger zum gegenseitigen Besaugen. Viele regionale Mischfutterhersteller bieten fertige Lösungen an, sollte eine betriebseigene Mischung nicht möglich sein.

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