Arbeitssicherheit, Unfallprävention und Katastrophenmanagement werden in der Landwirtschaft bisweilen stiefmütterlich behandelt. In familiären Strukturen mangelt es oftmals an kritischen Gefährdungsbeurteilungen, bzw. davon abgeleiteten standartisierten Arbeitsabläufen und Sicherheitsmaßnahmen. Das führt zu teilweise routinierten Einschränkungen der Arbeitssicherheit. Bezüglich des Katastrophenmanagements existieren in den wenigsten Fällen vorbereitete Pläne für Abläufe bei einem Brand, einer Überschwemmung oder anderen Szenarien, die für den Tierbestand bedrohlich sind. Derlei Vorüberlegungen sind jedoch immens wichtig, um kritische Fragen im Vorfeld zu klären: Welche Rettungsöffnungen stehen zur Verfügung? Wie können sie an die Sinnesphysiologie und das Verhalten der Tiere angepasst werden? Welche Flächen stehen außerhalb des Stalls zur Verfügung? Wo sollten sich die Einsatzfahrzeuge positionieren und wo ist Platz für Bereitstellungsräume? Zur Erstellung von Rettungskonzepten sowie zur Einsatztaktik bei Stallbränden besteht ein großer Bedarf an Fortbildungsinhalten bei Landwirt:innen und in den Feuerwehren. Im Rahmen des Forschungsvorhabens REGROBRA (Rettung von Großvieh bei Brandereignissen) wurden Strategien für die Tierrettung von Milchviehbeständen erprobt. Die Leitung des Teilprojekts lag bei Prof. Dr. Dr. Zeiler (Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Freising) mit Prof. Dr. Elke Rauch (LMU, München) als Projektpartnerin. Die Ergebnisse werden an Tagungen und in Fortbildungsveranstaltungen vermittelt, z.B. im Rahmen des Netzwerk Fokus Tierwohl. Die zentralen Aussagen mit Grafiken, eine Publikationsliste sowie Leitfäden zur Erhebung der betrieblichen Situation in Bezug auf Rettungsöffnungen sowie Brandgefahren finden sich auf der Projekthomepage der HSWT.
Ein für alle Interessierten frei zugänglicher Online-Kurs zur Ethologie, Sinnesphysiologie und dem sicheren Umgang incl. dem Treiben von Rindern wurde erstellt. Dort findet sich auch ein Exkurs mit Videos zur Tierrettung im Brandfall. Der Kurs ist unter dem Namen „Auf Du mit der Kuh“ im Kursprogramm der Virtuellen Hochschule Bayern zu finden. Weitere Fortbildungsangebote für Feuerwehrleute als auch für Landwirt:innen zur Katastrophen- und Unfallprävention sollten entwickelt werden, um die Themen noch präsenter zu machen und einfache aber gleichzeitig effektive Anpassungen an den Betrieben und bei der Einsatztaktik im Brandfall zu erreichen. Auch die spezifische Schulung von Stallbauberater:innen erscheint sinnvoll, um den Katastrophen- und Unfallschutz bei Neubauten stärker zu berücksichtigen. Neben der Betrachtung des Milchviehs bedarf es zudem noch an umfangreichen Forschungsvorhaben zu Möglichkeiten der Tierrettung bei anderen Tier- und Nutzungsarten.






























