Bundesweites Projekt MGPT sucht Holsteinbetriebe (Herdbuch oder MLP)

Totgeburten sind nicht nur ein wirtschaftlicher Verlust für landwirtschaftliche Betriebe, sondern auch ein sensibles Thema im Bereich Tierwohl und in der öffentlichen Wahrnehmung der Landwirtschaft.
Die Ursachen für Totgeburten sind sehr vielschichtig und bleiben häufig unbekannt. Eine Aufklärung erfordert daher eine intensive Phänotypisierung, auch weil nicht jedes verendete Kalb in die gleiche Kategorie fällt.
Differenziert wird zwischen Aborten (Fehlgeburten), Totgeburten und Kälbern, die innerhalb der ersten 48 Lebensstunden versterben. Sowohl Umweltfaktoren wie Infektionskrankheiten und Managementbedingungen als auch genetische Ursachen spielen eine wichtige Rolle. Eine bundesweite Erfassung von Totgeburten gibt esbislang nicht.
Im Projekt MGPT (Monitoring genetischer und phänotypischer Trends) liegt der Fokus auf den genetischen Ursachen. So erfassen teilnehmende Betriebe praxisnah mit einer App tote Kälber und ziehen diesen eine Genotypisierungsohrmarke ein. Der zeitliche Aufwand pro Kalb beträgt etwa fünf bis zehn Minuten. Erfasst werden Daten zur Mutter, zum Todeszeitpunkt, zu Missbildungen und zur Geburtshilfe – zusätzlich können Fotos des Kalbes gemacht werden. Zu Beginn wird einmalig ein Fragebogen zu Management, Gesundheitsstatus der Herde, Fütterung und Umwelt bearbeitet. Für jede erfasste Totgeburt wird eine Aufwandsentschädigung von 7 € für Holstein-Kälber und 12 € für Fleischrasse-Kreuzungskälber gezahlt. Zusätzlich erhalten die Betriebe jährlich einen Bericht mit Auswertungen aus dem Projekt.

Das Ziel des Projektes ist es Totgeburten phänotypisch zu erfassen und zu untersuchen. Mit den Genotypisierungen sollen neue genetische Defekt- oder Schadvarianten im Zusammenhang mit Totgeburten identifiziert werden, auch soll damit eine Art Frühwarnsystem entwickelt werden. Hintergrund ist ein zentrales Problem in der Tierzucht:genetisch bedingte Defekte bleiben oftmals lange unbemerkt und bringen das Risiko einer unbemerkten Verbreitung mit sich. Insbesondere rezessive Defekte, bei denen das Schadallel für die Ausprägung eines auffälligen Phänotyps von beiden Eltern stammen muss, verbreiten sich oft erst unbemerkt über einen Großteil der Population bevor es zu Meldungen von ersten betroffenen Tieren kommt. Eine Gegenselektion ist dann sehr aufwendig und möglicherweise mit wirtschaftlichen Verlusten sowie ggf. Diversitätseinbußen verbunden.
So sollen im Projekt MGPT für das Merkmal der Totgeburt wertvolle bisher fehlende Informationen zu Totgeburten erfasst werden, um die Ursachen und Zusammenhänge weiter aufzudecken. Das Wissen, genetisch und nicht-genetisch bedingte Zusammenhänge einschließlich einer verfeinerten Erfassung von Merkmalen und Umwelt, kann perspektivisch helfen, die Totgeburtenraten weiter zu senken und den Anteil schwerer Kalbungen weiter zu reduzieren.
Die Datenerfassung wird vom Friedrich-Loeffler-Institut sowie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel in Zusammenarbeit mit dem vit (Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung w.V.) betreut. Die Projektlaufzeit ist bis Ende 2027.
Weitere Informationen und die Ansprechpartner finden Sie auf mgpt.fli.de oder per QR-Code.
Die Förderung des Vorhabens erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestages, Projektträger ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), FKZ: 28N107400.






































