UK: Landwirte für mehr Biosicherheit

Der NFU fordert eine ressortübergreifende Strategie und Investitionen.

Zum Schutz der heimischen Tierhaltung vor Tierseuchen drängt der englische Bauernverband (NFU) auf eine ressortübergreifende Biosicherheitsstrategie. Gleichzeitig fordert der NFU in diesem Zusammenhang, ausreichend zu investieren, um den gegenwärtigen Biosicherheitsrisiken angesichts der zunehmenden Zahl von Ausbrüchen von Tier- und Pflanzenkrankheiten begegnen zu können.

Außer dem Landwirtschaftsministerium (DEFRA) sollten an diesem Vorhaben die Ressorts für Wirtschaft und Handel sowie Inneres beteiligt sein. Abgedeckt werden sollten von dem Biosicherheitsplan die Maul- und Klauenseuche (MKS), die Afrikanische Schweinepest (ASP), das Feuerbakterium Xylella fastidiosa, die Blauzungenkrankheit und die Vogelgrippe. Neben ausreichend Finanzmitteln drängt der NFU unter anderem auf

•          eine angemessene Einfuhrkontrolle für pflanzliches Produktionsmaterial,

•          ausreichende Kapazitäten in der Tier- und Pflanzengesundheitsbehörde (APHA) zur Vorbeugung und Bekämpfung von Krankheiten,

•          einen Impfstofffonds zur Deckung der Kosten für Notimpfungen und

•          eine vollständig finanzierte Rindertuberkulose-Strategie.

Krankheitsausbrüche ein Sicherheitsrisiko

NFU-Präsident Tom Bradshaw hält die Ausbrüche von Tier- und Pflanzenkrankheiten für ein erhebliches Risiko für die Lebensmittelsicherheit des Königreichs. Dabei sei diese von der Regierung wiederholt als entscheidend für die nationale Sicherheit bezeichnet worden, insbesondere in Verbindung mit der zunehmenden globalen Instabilität und den Auswirkungen, die diese auf die Lebensmittelversorgung haben könne, argumentierte der Bauernpräsident.

Bradshaw zufolge exportierte das Vereinigte Königreich 2024 Tier- und Pflanzenprodukte im Wert von 6 Mrd. Pfund (7,2 Mrd. Euro). Ein möglicher Seuchenausbruch hätte damit nicht nur Auswirkungen auf die britischen Handelsmöglichkeiten, sondern stelle zugleich eine Gefahr für die nationale Wirtschaft dar.

Kontrolle wird Bedrohungslage nicht gerecht

Gemäß dem nationalen Risikoregister 2025 der Londoner Regierung bilden MKS und ASP zwei der größten Bedrohungen für die Biosicherheit, die hauptsächlich auf illegale Fleischimporte zurückzuführen sind. Offiziellen Hochrechnungen zufolge verursachte der MKS-Ausbruch 2001 im Königreich Kosten von mehr als 8 Mrd. Pfund (9,6 Mrd. Euro). Ein möglicher ASP-Ausbruch könnte mit bis zu 100 Mio. Pfund (120 Mio. Euro) zu Buche schlagen.

Nach Einschätzung des NFU werden die aktuellen Einfuhrkontrollen der gegenwärtigen Bedrohungslage im Bereich tierischer Produkte nicht gerecht. Gleichzeitig befürchten nach seiner Darstellung Betriebe, die Jungpflanzen und Pflanzenmaterial einführen, dass Inspektionen an den Grenzkontrollstellen das Biosicherheitsrisiko in Form von Kreuzkontaminationen erhöhen und zudem lange, kostspielige Verzögerungen verursachen.

VDF: Kontrollen in Deutschland intensivieren

Auch in Deutschland ist dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) zufolge mit Blick auf das MKS-Geschehen in Ungarn und der Slowakei erhöhte Wachsamkeit geboten. Die Bundesbehörde appellierte am Montag (31.3.) in ihrem Seuchenüberblick an Reisende, keine Rohmilchprodukte oder nicht vollständig durcherhitztes Fleisch aus MKS-betroffenen Regionen mitzubringen. Zugleich machte das FLI erneut darauf aufmerksam, dass die in Ungarn und der Slowakei festgestellten MKS-Viren zwar vom selben Serotyp, aber genetisch eindeutig vom im Januar in Brandenburg aufgetretenen Virus zu unterscheiden seien. Der Verband der Fleischwirtschaft (VDF) erklärte Verband auf Anfrage von AGRA Europe, dass sich die illegale Einfuhr von Fleisch nach seiner Einschätzung im Kleinmengenbereich bewegen dürfte. Angesichts der großen Außengrenze der EU stelle sich eine Kontrolle von Einfuhren von Kleinmengen sehr schwierig dar und sei sicherlich nicht lückenlos durchführbar. Angesichts des aktuellen Seuchengeschehens sollten die Kontrollen dringend intensiviert und geeignete Aufklärungskampagnen durchgeführt werden, forderte der VDF.