GfE Serie Teil 7: Praktische Umsetzung in der Rationsgestaltung 

Viehsalz deckt nur den Bedarf an Natrium ab, nicht von weiteren Mineralstoffen. Foto: Resch

Der vorliegende Beitrag widmet sich der schrittweisen Vorgehensweise bei der Rationsoptimierung. Voraussetzung für eine bedarfsgerechte Rationsgestaltung sind dabei insbesondere die Kenntnis der Futteraufnahme, der Nährstoffkonzentration in den zur Verfügung stehenden Futtermitteln und der jeweiligen Leistung bzw. die Kenntnis des Bedarfs zum Erreichen dieser Leistung.

Die Zusammenstellung von Mischrationen erfordert die Beachtung zahlreicher Aspekte zum Bedarf an Nährstoffen und Energie, zur Wiederkäuergerechtheit, zum Synchronismus der Nährstoffbereitstellung und zur Optimierung der Vorma-genverdauung. Darüber hinaus sind auch praktische Gesichtspunkte wie Mischgenauigkeit und Homogenität, Rationskontrolle, Bewertung der Fütterung, Fütterungscontrolling und Umweltwirkungen zu berücksichtigen.

Nachfolgend werden die einzelnen Schritte erläutert, die bei der Erstellung einer Ration anzuwenden bzw. zu beachten sind.

Daten zu Kuhgruppe, Futteraufnahme und Bedarf

Neben den Angaben zur Kuh wie Körpermasse, Laktationsnummer und -tag ist es zunächst wichtig, die mögliche Futteraufnahme der Kuh zu kennen. Diese steht u. a. mit der Körpermasse und der Milchleistung in enger Beziehung. Wiegeeinrichtungen am Mischwagen erleichtern die Ermittlung der Futteraufnahme auf Gruppenebene und ermöglichen im täglichen Betriebsablauf eine genauere Futterzuteilung.

Zusätzlich stehen Schätzgleichungen zur Verfügung. Bei Verwendung eines Fütterungs-/Rationsberechnungsprogramms wird damit die Futteraufnahme automatisch entsprechend der vorher genannten und weiteren Faktoren realitätsnah geschätzt. Aus der geschätzten Futteraufnahme und der Körpermasse ergibt sich das Futteraufnahmeniveau (FAN), das für die dynamische Betrachtung der Verdauungsvorgänge bei steigender Futteraufnahme von Bedeutung ist.

Anschließend sind Energie- und Nährstoffbedarf für Erhaltung und Leistung zu bestimmen, die sich aus den Bedarfsmengen an Energie und den entsprechenden einzelnen Nährstoffen ergeben. Mittels der geschätzten (erwarteten) Futteraufnahme können daraus die notwendigen Energie- und Nährstoffkonzentrationen je kg bzw. je kg Trockenmasse (TM) ermittelt werden.

Zur Verfügung stehende Futtermittel

Ziel ist es, in erster Linie die im Betrieb selbst erzeugten und vorhandenen Futtermittel zu verwenden. Um die prozentualen Anteile bzw. die täglich je Tier verfügbaren Mengen der einzelnen Futterkomponenten in der Ration richtig einschätzen zu können, sind die insgesamt je Zeitraum bereitstehenden Mengen zu berücksichtigen.

Stehen z. B. aus der Ernte für das gesamte Futterjahr ca. 800 t Maissilage für die Verfütterung an durchschnittlich 100 Kühe zur Verfügung, können bis zu 20 kg je Tier und Tag eingesetzt werden. Zu berücksichtigen sind hier allerdings noch mögliche Silier-, Lager- und Fütterungsverluste sowie für andere Tiergruppen benötigte Mengen.

Zur Vereinheitlichung werden Futtermittel in folgende Gruppen eingeteilt:

  • Grobfutter – alle strukturwirksamen Ganzpflanzenprodukte
  • Saftfutter – Teile von Pflanzen und Verarbeitungsprodukten mit einer TM < 55 %
  • Grundfutter = Grobfutter + Saftfutter
  • Konzentrate (trocken oder feucht): Energie > 11,5 MJ ME/kg und/oder > 22 % Rohprotein (jeweils in der TM)

Für die gesamte Futtervorratsplanung sollten zum kalkulierten Futterbedarf für die Grob- und Saftfutter sowie Feuchtkonzentrate zusätzlich bis zu 20 % für ggf. auftretende weitere Futterengpässe kalkuliert werden.

Untersuchungsergebnisse oder Tabellenwerte

Im nächsten Schritt wird die Qualität der einzelnen Futtermittel erfasst. Hier existieren mehrere unterschiedlich genaue Möglichkeiten. In den DLG-Futterwerttabellen Wiederkäuer (DLG 2025a) sind für die häufigsten Futtermittel durchschnittliche/typische Nährstoff- und Energiekonzentrationen aufgeführt. Die Nährstoffqualität von Grobfuttermitteln wird erheblich durch die unterschiedlichen Aufwuchsbedingungen wie der Vegetationsdauer und damit einhergehenden phänologischen Entwicklungsstadien sowie Konservierungsarten bestimmt.

Trotzdem ist es nicht möglich, z. B. die Rohproteinkonzentration im Futter anhand des Reifestadiums genau einzuschätzen. Es ist deswegen notwendig, von den Futtermitteln, die in größeren Mengen eingesetzt werden, immer wieder Proben in einem Futtermittellabor auf die Konzentration an Energie, Rohnährstoffen und Mengenelementen untersuchen zu lassen. Für die Spurenelemente sind Tabellenwerte meist ausreichend. In regelmäßigen Abständen, insbesondere jedoch in begründeten Fällen der Abweichung, sollten aber von repräsentativen Proben auch für Spurenelemente aktuelle Analysen angefertigt werden.

Für die spätere korrekte Verwendung in der Rationsberechnung ist eine umfassende Beschreibung und Zuordnung der Futtermittelprobe durch den Einsender unbedingt erforderlich. Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass Untersuchungsergebnisse und Tabellenwerte immer auf dem Futteraufnahmeniveau 1 (FAN1) basieren. Der tatsächliche Beitrag der einzelnen Futtermittel zur umsetzbaren Energie (ME) und zum dünndarmverdaulichen Protein (sidP) ergibt sich erst durch das der Rationsberechnung zugrunde liegende realisierte Futteraufnahmeniveau (FANi).

Berechnung der Grundration

Die jeweilig verfügbaren Mengen der Futtermittel und deren Inhaltsstoffe ermöglichen die Berechnung der Kenngrößen der aufgenommenen Ration (z. B. Energie, Nährstoffe, Mengen- und Spurenelemente, Vitamine). Voraussetzung für eine stoffwechselstabile Kuh ist eine hohe Grobfutteraufnahme. Als Anhaltspunkte gelten hierfür 60 bis 70 % der TM-Gesamtaufnahme oder 2 % der Körpermasse. Die Grundration sichert maßgeblich die Strukturwirksamkeit der Ration ab. Basis der Strukturbewertung in der Rationsplanung bilden die schwerer verdaulichen, im Verdauungstrakt nur mikrobiell abbaubaren Kohlenhydrate aus den Grobfuttermitteln der Gesamtration, die als Konzentration an Neutral-Detergenzien-Faser nach Amylasebehandlung und Veraschung (aNDFom) ausgedrückt werden.

Berechnung des Rationsausgleichs

Aufgrund des Ergebnisses für die Ruminale Mikrobielle Differenz (RMD, Differenz aus dem im Pansen abgebauten Rohprotein und dem mikrobiellen Rohprotein) in der Berechnung der Grundration werden entsprechende Ausgleichsfutter mit positiver oder negativer RMD in einer Menge zugegeben, bis die RMD ausgeglichen ist. Dies kann mit einem energiebetonten Konzentratfutter wie z. B. Getreide oder Melasseschnitzel (bei positiver RMD in der Grundration) und/oder einem proteinbetonten Konzentratfutter wie z. B. Rapsex#-traktionsschrot (bei negativer RMD in der Grundration) erfolgen. Die zu ergänzende Menge des Ausgleichsfutters wird ermittelt, indem die RMD der Grundration durch die RMD je kg TM des Ausgleichsfutters geteilt wird.

Ergänzung auf die gewünschte Milchleistung

Mit der ausgeglichenen Grundration ist der Erhaltungsbedarf und ggf. ein Teil der Milchleistung der Kuh gedeckt. Für das „Auffüllen“ auf die Gesamtration eignen sich speziell auf den Bedarf für die Milchbildung ausgerichtete Milchleistungsfutter (MLF). Diese sind auf den Bedarf an Energie, Protein und Mineralstoffe für jedes noch erwartete kg Energiekorrigierte Milch (ECM) ausgerichtet. Ob sich dies der Milchkuhhalter in seinem Betrieb selbst mischt oder ein im Futtermittelhandel angebotenes Mischfutter dafür nutzt, ist für die Rationsoptimierung unerheblich.

Für jedes kg ECM (Milch mit 34 g Protein, 40 g Fett und 48 g Laktose je kg) entsteht ein Bedarf an:

  • 4,8 MJ ME
  • 45,2 g sidP
  • 2,5 g Calcium

Im vereinfachten Rationsbeispiel wird ein MLF zur Absicherung einer Milchleistung von 30 kg ECM (bei FAN3) eingesetzt. Es besteht nach dem Rationsausgleich eine unzureichende Abdeckung an Energie und sidP für jeweils etwa 8 bis 8,5 kg ECM. Mit der Verwendung eines nach Protein- und Energiebereitstellung für die Milchbildung ausgeglichenen Milchleistungsfutters mit 11 MJ ME je kg und 105 g sidP je kg Futter (auf Basis FAN1) wird die Ergänzung auf die gewünschte Milchleistung erreicht.

Zu beachten ist, dass sich die Energiekonzentration des MLF aufgrund der erhöhten Futteraufnahme bei FAN3 gegenüber FAN1 von 11 auf 10,7 MJ ME je kg verringert. Diese auf die Gesamtfutteraufnahme korrigierte Energiekonzentration des MLF ist bei der Berechnung der zur Leistungsergänzung notwendigen MLF-Menge anzuwenden. Zu berücksichtigen ist zudem, dass auf kommerziell gehandelten Mischfuttermitteln immer die Nährstoff- und Energiekonzentration im lagerfähigen Zustand, also bei 88 % TM, deklariert wird. Bezogen auf die TM erhöht sich daher die Konzentration an Energie und Nährstoffen.

Ergänzung mit Mineralfutter

Das Mineralfutter dient der Ergänzung von Mengen- und Spurenelementen sowie Vitaminen. Unterschiedliche Rationen benötigen unterschiedliche Ergänzungen an Mineralstoffen und Spurenelementen. Die Versorgung mit Phosphor und Magnesium wird in der Regel durch die natürlichen Konzentrationen im Grobfutter gut abgedeckt. Gras- und Kleegrassilagen weisen gegenüber Maissilagen höhere Konzentrationen an Mineralstoffen auf und können bei Kalium und Eisen zu Überschüssen führen.

Auf eine ausreichende Versorgung mit Natrium ist zu achten. Zu berücksichtigen ist hierbei, dass mit Viehsalz nur der Bedarf an Natrium gedeckt wird. Ähnlich deckt Futterkalk nur den Bedarf an Calcium. Insgesamt sollten die Richtwerte für Mengen- und Spurenelemente stets eingehalten werden, da eine Überversorgung mit einem Element zu einem Mangel bei einem anderen Element führen kann („Antagonismus“) und darüber hinaus erhöhte Ausscheidungen bedingt.

Überprüfung der Tier- und Leistungsgerechtheit

Letzter wichtiger Punkt bei der Rationserstellung ist die Überprüfung der Wiederkäuergerechtheit. Dazu werden die Mengen an aNDFom aus dem Grobfutter sowie die im Pansen schnell abbaubaren bzw. wasserlöslichen Kohlenhydrate herangezogen. Ein Rationsberechnungsprogramm ermöglicht die Betrachtung zusätzlicher Parameter, wie beispielsweise der kritischen Rohfettkonzentration.

Fazit

Zusammenfassend sind hinsichtlich der praktischen Rationsplanung und -gestaltung folgende Schritte zu beachten:

  1. Erfassung der Daten zur Kuhgruppe, Bestimmung der Futteraufnahme bzw. des FANi und Ermittlung des Bedarfes
  2. Festlegung der zur Verfügung stehenden Futtermittel inkl. der vorhandenen Mengen
  3. Nutzung aktueller Laboruntersuchungsergebnisse, deklarierter Futterwertangaben der Konzentrat- und Mineralfutter (inkl. Angaben zu zugesetzten Mengen- und Spurenelementen und Vitaminen) bzw. von Werten aus Futterwerttabellen
  4. Berechnung der Grundration, anschließend des Rationsausgleichs
  5. Ergänzung mit „ausgeglichenem“ Milchleistungsfutter bis zur gewünschten/ermittelten Milchleistung
  6. Ergänzung mit Mineralfutter
  7. Überprüfung und Optimierung der Tier- und Leistungsgerechtheit

Der vorliegende Beitrag basiert im Wesentlichen auf den Ausführungen zur in Kapitel 9.3 detailliert beschriebenen praktischen Vorgehensweise bei der Rationserstellung in der kürzlich veröffentlichten DLG-Information 01|2025 „Rationsoptimierung und Fütterungskontrolle bei Milchkühen“.