Verlängerte Laktation – ein Projekt, das Wirkung zeigt

Das Projekt Verlak (Verlängerung der Laktationsperiode und selektives Trockenstellen zur Minimierung des Antibiotikaeinsatzes bei Milchkühen) feierte am 1. August seinen Abschluss in Berlin. Knapp viereinhalb Jahre lang untersuchte das Demonstrations- und Modellvorhaben, welche praxisgeeigneten Konzepte möglich sind, um den Antibiotikaeinsatz zu minimieren.

Quelle: Frankenförder Forschungsgesellschaft mbH

Als Arbeitsfelder wurden ausgewählt die bewusste tierindividuelle Verlängerung der Laktationsdauer bzw. der Zwischenkalbezeit (spätere Besamung) sowie ein betriebsspezifisches selektives Trockenstellmanagement.

Zehn Milchviehbetriebe in Nord- und Mitteldeutschland nahmen an diesem Projekt teil. Auf diesen Betrieben wurden jeweils 65 Kühe normal besamt (Kontrollgruppe) und 65 Kühe nach den Vorgaben des Projektes besamt (Versuchsgruppe) sowie selektiv trockengestellt. Insgesamt wurden also 1.300 Kühe in die Versuchsergebnisse miteinbezogen.

Grundannahme dieses Projektes war es, dass jede Kalbung ein Gesundheitsrisiko darstellt. Durch ein verlängertes Wochenbett sollte dieses Gesundheitsrisiko minimiert werden. In einzelnen Arbeitsgruppen wurde untersucht, ob eine verlängerte Zwischenkalbezeit Auswirkung hat auf die Fruchtbarkeitsleistung, auf die Milchleistung, auf die Eutergesundheit, auf die Abgangsraten und -ursachen und auf die Körperkondition.

Auf den Projektbetrieben wurde die Zwischenkalbezeit moderat um durchschnittlich 41 (Färsen) bzw. 45 (bei den Kühen) Tage erhöht. Für die Projekttiere wurde individuell mittels dem TBS-Rechner (tierangepasster Besamungsstart) der bestmögliche Besamungszeitraum festgelegt. Dieser TBS-Rechner ist sowohl als Desktop-Anwendung wie auch als App verfügbar und die Betriebe empfanden ihn als sehr hilfreich.

Bei der Abschlussveranstaltung, bei der mehr als 220 Interessierte digital teilnahmen sowie mehr als 70 in Präsenz, kamen die einzelnen Forschungsgruppen zu folgenden Ergebnissen:

  • Die Milchleistung der Versuchsgruppe zeigte sich im Gesamten besser als die der Kontrollgruppe. Besonders die gute Persistenz der Färsen trug zu diesem Ergebnis bei.
  • Bei den Fruchtbarkeitsparametern schnitten die Erstkalbinnen im Erstbesamungserfolg tendenziell besser ab, wenn sie früher besamt wurden. Die Altkühe profitieren jedoch von einer späteren Besamung (EBE, Besamungsindex, -aufwand). Es zeigten sich keine Veränderungen in der Herdenfruchtbarkeit in der Folgelaktation.
  • Bei der Eutergesundheit zeigten sich wenig Effekte auf die Eutergesundheit durch die Verlängerung der Laktation. In der Tendenz zeigten sich sogar höhere Zellzahlen zum Ende der Laktation in der Versuchsgruppe und mehr Infektionen vor dem Trockenstellen. Der Einsatz von antibiotischen Trockenstellern konnte ein wenig reduziert werden (um 11%).
  • Bezüglich der Abgangsraten konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen Versuchs- und Kontrolltiere ausgemacht werden. In der Tendenz zeigten sich die Versuchskühe etwas stabiler, aber hier waren die Tierzahlen zu gering, um allgemeine Aussage zu formulieren.
  • Ein Argument, was häufig gegen eine verlängerte Zwischenkalbezeit angebracht wird ist eine Verfettung der Tiere. Dies konnte in der Studie nicht belegt werden.

Bei der Veranstaltung sprachen drei Betriebe von Ihren Erfahrungen mit einer verlängerten Zwischenkalbezeit. Ein Betrieb hatte unabhängig vom Projekt seine Zwischenkalbezeit bei FV-Kühen erhört. Die Erfahrungen waren im Allgemeinen sehr positiv mit dieser Managemententscheidung. Die Betriebsleiter waren auch unter dem Aspekt der Arbeitserleichterung sehr froh, sich dafür entschieden zu haben. Allgemein weniger Tiere durch die aufwändige Transitphase durchlotsen zu müssen, weniger Tiere trockenzustellen, weniger neugeborene Kälber versorgen zu müssen wurde im Allgemeinen als ein sehr angenehmer Effekt angesehen.

Fazit

Die Vortragenden dieser Veranstaltung kamen häufig zu dem Punkt, dass Tendenzen sichtbar waren, dass sowohl Kühe wie auch Färsen ein verlängertes Wochenbett gut tut, d.h. dass sie weniger krankheitsanfällig waren und gute, vielleicht auch bessere Leistungen zeigen. Um diese Tendenzen belegen zu können, bedarf es allerdings einer größeren und längeren Studie. Die Erfahrungsberichte der Betriebe zeigten, dass Sie die Änderungen im Betriebsablauf als positiv wahrnehmen besonders auch unter dem Aspekt der Arbeitsverschlankung.

Hier zum TBS-Rechner!