Virtuelle Zäune überzeugen im Praxistest

Virtuelle Zäune könnten die Weidetierhaltung flexibler, effizienter und zugleich tiergerechter machen. Eine neue Studie der Universität Göttingen zeigt, dass virtuelle Zäune bei Rindern ähnliche räumliche Verhaltensmuster auslösen wie herkömmliche Elektrozäune – und damit die häufig geäußerten Tierschutzbedenken deutlich relativieren. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Animal veröffentlicht.

Unsichtbare Grenzen, gleiches Verhalten

In Studien zu diesem Thema tragen die Rinder Halsbänder, die beim Annähern an die Grenze akustische und bei Bedarf auch elektrische Impulse abgaben. Im Verlauf des Lernprozesses verknüpften die Tiere den Warnton mit dem aversiven Reiz und respektierten die virtuell gesetzte Grenze anschließend überwiegend bereits durch die akustischen Signale. Da sich in den bisherigen Analysen des Versuchs keine signifikanten Verhaltensunterschiede zwischen virtuell und herkömmlich gezäunten Tieren zeigten, schauten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der nun veröffentlichten Studie nochmals genau hin: Um die Distanz zum Zaun und somit einen möglicherweise nur in der Nähe zur virtuellen Grenze auftretenden Effekt auf das Verhalten der Rinder abbilden zu können, wiesen sie die Bewegungsdaten der 31 Färsen per GPS zwei verschiedenen Zonen zu (Randzone und Weidemitte) und verglichen diese.

Rinder grasen innerhalb eines durch das virtuelle Zaunsystem Nofence definierten Weidebereichs auf der Versuchsfläche des Versuchsguts der Universität Göttingen in Relliehausen (Foto: Universität Göttingen / Natascha A. Grinnell; 2021).

Das zentrale Ergebnis: Nicht die Art des Zauns war entscheidend, sondern die Grenze selbst – unabhängig davon, ob sie sichtbar ist oder nicht. Die Tiere hielten sich unabhängig vom System seltener in den Randbereichen auf, bewegten sich dort langsamer und nutzten vor allem die Weidemitte. Virtuelle Zäune führten zudem zu einer gleichmäßigeren Verteilung der Tiere auf der Fläche.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass nicht der Zauntyp entscheidend ist, sondern die Wahrnehmung der Weidegrenze durch die Tiere“, sagt Erstautorin Dr. Natascha A. Grinnell von der Abteilung Graslandwissenschaft der Universität Göttingen. „Virtuelle Zäune werden von Rindern ähnlich zuverlässig respektiert wie herkömmliche Elektrozäune und sind aus Tierschutzsicht nicht grundsätzlich problematischer. Daraus ergeben sich neue Möglichkeiten für ein modernes und flexibles Weidemanagement.“

Die Forschenden der Universität Göttingen stellten ihre Ergebnisse auch beim „Virtual Fencing“-Feldtag am 6. Juli 2026 in Alt Madlitz in Brandenburg vor. Weitere Informationen über die Veranstaltung.

Zur Originalveröffentlichung in der Fachzeitschrift Animal.

Text: Presseinformation Georg-August-Universität Göttingen, Juli 2026