Wenn es um das gebotene Tierwohl eines Milchviehstalls geht, rückt das Verhältnis von Liege- und Fressplätzen in den Fokus – doch auch eine zu hohe Auslastung des automatischen Melksystems kann sich negativ auf das Wohlbefinden der Tiere auswirken. Zwei Wege könnten eine Lösung sein. Zum einen die Verkleinerung der Herde oder die andere Möglichkeit, die Anzahl der AMS zu erhöhen. Im folgenden Beitrag erläutert Bernd Lührmann, Unternehmensberater an der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die Argumente für eine Verkleinerung der Herde.
In der nächsten Milchpraxis (Februar 2026) wird Lührmann erläutern, unter welchen Bedingungen sich der Kauf eines weiteren AMS lohnt.
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Viele Milcherzeuger haben die Haltungsumwelt ihrer Milchvieh- und Jungviehherden optimiert und damit das Tierwohl der Tiere deutlich verbessert. Die verschiedenen Verbesserungen führen durch ein höheres Wohlbefinden der Tiere auch zu einer verbesserten Leistungsbereitschaft. Trotzdem ist in einigen Betrieben immer noch eine (moderate) Überbelegung im Milchviehstall zu beobachten. Hierbei wird allerdings häufig nur die Anzahl der Fressplätze und der Liegeboxen im Verhältnis zur Kuhzahl betrachtet. Dabei kann auch das Melksystem überbelegt sein.
Im Idealfall sollten die Kühe bei konventionellen Melksystemen oder Batchmilking in weniger als einer Stunde wieder in ihrem Stallabteil sein. In Betrieben mitautomatischem Melksystem (AMS) ist das fast immer gegeben. Allerdings werden die AMS oftmals mit zu vielen melkenden Kühen ausgelastet. Viele Milcherzeuger beziehen sich weiterhin auf Herstellerangaben, wonach pro AMS „locker 65 Kühe“ gemolken werden können. Diese Angaben fußen auf der Erwartung, dass das AMS im Tagesverlauf 170 bis 175 Melkungen (Ø = 2,7 Melkungen/Kuh) realisieren kann.

Vergessen wird dabei, dass mit zunehmender Milchleistung entweder die Melkungen pro Kuh und Tag steigen oder die Melkungen aufgrund des höheren Milchflusses bei gleicher Melkbarkeit länger dauern. Folglich sinkt die freie Zeit am AMS und verlagert sich komplett in die Nachtstunden. Trotzdem wird dieses seitens der Milcherzeuger oftmals nicht als milchleistungslimitierender Aspekt wahrgenommen. Im Ergebnis sollte es zu einer Reduktion des melkenden Bestandes je AMS führen, um langfristig eine optimale Milchleistung am AMS ermelken zu können. Auf den Betrieben ist häufig zu beobachten, dass bei Verringerung (Schlachtkuh- und Zuchtfärsenverkauf, trocken stellen etc.) der melkenden Herde pro AMS die Milchleistung steigt.
Weniger Kühe, mehr Milch
Die erste denkbare Lösung ist es, die Milchviehherde dauerhaft zu verkleinern. Gerade für Ställe aus den 80er-, 90er- und 00er-Jahren kann diese Option durchaus interessant sein. Denn häufig sind die benannten Ställe noch nicht so großzügig dimensioniert, wie es ab den 2010er und folgenden Jahren zum Standard wurde. Insofern können die Betriebe durch die Verkleinerung der Milchviehherde in einigen Aspekten (Luftraum, Bewegungsfläche, Fressplätze, Liegeboxenzahl) wieder nahezu optimale, aber mindestens deutlich bessere Stallverhältnisse erreichen. Trotzdem muss ein solcher Schritt auch betriebswirtschaftlich gangbar sein. Weiterhin muss dafür mindestens ein ebenso hoher Überschuss zu Buche stehen wie vor der Verkleinerung. Folgerichtig stellt sich die Frage nach der erforderlichen Milchleistungssteigerung der verbleibenden Milchviehherde.
Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 5/2025 der Milchpraxis.
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